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Google testet führerlose Fahrzeuge: Die Roboterautos sind los

Autos, die alleine fahren, das hört sich nach Science-Fiction an. Dabei ist es längst Realität. Der Suchmaschinen-Konzern Google lässt seit einem halben Jahr intelligente Roboterwagen durch die USA fahren. Es scheint, als hätte Google in diesem Zukunftsmarkt alle Mitbewerber abgehängt.

Dass früher oder später von Computern gesteuerte Autos auf den Straßen fahren werden, wurde erwartet. Aber nun meldet der Internet-Riese Google seine Ansprüche mit einem Paukenschlag an. Seit einem halben Jahr werden bereits Google-Autos im Verkehr erprobt. Mit dieser Felderprobung zeigt sich: Google ist viel weiter als alle Konkurrenten. Das Projekt leitet Sebastian Thrun, eine Koryphäe auf dem Gebiet mobiler Robotik.

Die sieben Wagen der Testflotte hätten insgesamt bereits 140.000 Meilen (ca. 225 000 Kilometer) zurückgelegt, schrieb der Projektleiter Thrun, der auch einer der Väter des in Deutschland umstrittenen Straßenatlas-Projekts Google Street View ist, in seinem Blog. Ganz ohne menschliches Zutun seien es 1000 Meilen gewesen, berichtete die "New York Times". Die Testautos seien dabei auch durch belebte Straßen wie den Hollywood Boulevard oder die Lombard Street in San Francisco gefahren, erläuterte Thrun. Auch die Golden Gate Brücke haben sie schon überquert.

Die Google-Entwickler gehen der Zeitung zufolge davon aus, dass die Straßen doppelt soviel Verkehr fassen könnten, wenn Computer statt Menschen die Fahrzeuge steuerten - ganz abgesehen von einer umweltfreundlichen Fahrweise. Außerdem seien Roboter am Steuer naturgemäß nie müde oder abgelenkt. Bei den Testfahrten habe es nur einen kleinen Verkehrsunfall mit Blechschaden gegeben - als ein menschlicher Fahrer von hinten auf ein Google-Auto auffuhr, das an einer Ampel hielt.

Erstaunlich ist, wie lange Google das Projekt geheim halten konnte. Gelegentlich waren die Roboterwagen seit mindestens einem Jahr Fahrern in Kalifornien aufgefallen - sie hielten sie jedoch für modernisierte Street-View-Autos. Die Polizei wusste über die Testfahrten Bescheid, wie Chefentwickler Sebastian Thrun in einem Blogeintrag betonte.

Autohersteller forschen auch am Robot-Auto

Google ist selbstverständlich nicht allein unterwegs. Auch Autohersteller arbeiten seit Jahren an solcher Technik und setzen sie in Warnsystemen zum Teil auch schon ein. Das Auto erkennt dann zum Beispiel die Schilder am Straßenrand sowie Menschen oder Tiere, die sich auf die Fahrbahn zubewegen. Oder es strafft schon die Sicherheitsgurte an, wenn ein Aufprall droht.

Die Testreihe von Google lässt allerdings vermuten, dass der Suchmaschinen-Konzern den Autoherstellern die Technologieführerschaft abnehmen wird. Die klassischen Autobauer haben unbestreitbar mehr Erfahrungen mit aktiven Fahrassistenzsystem, die seit einigen Jahren in der Serie verbaut werden. Das Kernstück eines selbst fahrenden Autos ist aber die künstliche Intelligenz mit der der Wagen, die komplexe Situation des Verkehrsgeschehens meistert. Auf diesem Feld dürfte es für einen Autobauer schwer werden, dem Softwaregiganten Google und Sebastian Thrun Paroli zu bieten. Besonders bitter, dass Volkswagen früher mit dem Thrun bereits zusammengearbeitet hat. 2005 gewann sein Team einen Wettbewerb für Roboter-Wagen. Der Sieger hieß damals "Stanley" – und war ein blauer Volkswagen Touareg, dem Thruns Studenten von der Elite-Uni Stanford und VW-Techniker das Fahren ohne menschliches Zutun beibrachten.

In Braunschweig hat man sich zu früh gefreut

Vor wenigen Tagen verkündeten zudem Forscher aus Braunschweig stolz, ihr umgebauter VW Passat namens "Leonie" habe als weltweit erstes vollautomatisch gesteuertes Fahrzeug eine Strecke im realen Straßenverkehr zurückgelegt. Da hat man sich offenbar zu früh gefreut, die Erstfahrt kann nun Google für sich verbuchen.

Mindestens acht Jahre wird es nach Einschätzung der Google- Ingenieure dauern, bis die Autos mit Autopilot marktreif sein werden. Bis dahin muss die Technik noch reifen - aber auch das Regelwerk zum Straßenverkehr ist auf solche Technologie überhaupt nicht vorbereitet. Wer ist zum Beispiel verantwortlich, wenn es zu einem Unfall kommt - der Besitzer des Fahrzeugs oder der Hersteller der Computer-Software?

Die Zukunft der Mobilität

Die heutige Straßenverkehrsordnung sowie die derzeitigen Haftungsregeln gehen unweigerlich davon aus, dass ein Mensch die Kontrolle über das Auto hat. Die Google-Tests waren nur möglich, weil am Steuer Menschen saßen, die jederzeit in das Geschehen eingreifen können. Doch wie der aus Deutschland stammende Wissenschaftler Thrun betont: Computer haben immer den Überblick und sind nie müde oder abgelenkt - im Gegensatz zu Menschen.

Thrun, der schon seit Jahren an Roboterautos arbeitet, glaubt, dass die Technologie die Branche grundlegend verändern kann. So fahren Computer spritsparender als Menschen. Und da die Gefahr von Unfällen sinkt, könnten die Fahrzeuge auch leichter gebaut werden. Für die Zukunft könne man sich auch Autos vorstellen, die man wie ein Taxi an seinen aktuellen Aufenthaltsort ruft - nur ohne Fahrer am Steuer.

Schlüsseltechnologie künstliche Intelligenz

Thrun sagte der "New York Times", das Projekt sei ein Beleg für Googles Bereitschaft, in Technologien zu investieren, die keine schnelle Rendite abwerfen. Ein führender Unterstützer soll Mitbegründer Larry Page sein. Was könnte für den Internet-Konzern am Ende in dem Roboterauto-Projekt drin sein? Google könnte Dienste rund ums automatisierte Fahren anbieten - oder die Technologie zum Beispiel an Autohersteller lizenzieren. Thrun entwickelte auch den in Deutschland umstrittenen Straßenatlas Street View mit - der mit dem Autoprojekt eine ganz andere Bedeutung bekommt.

Auf jeden Fall passen die Roboterautos zur Begeisterung für künstliche Intelligenz, die bei Google immer häufiger durchscheint. Vor wenigen Wochen skizzierte Konzernchef Eric Schmidt in Berlin die Vision von einer "goldenen Zukunft", in der die Computer mit den Menschen mitdenken werden. "In der Zukunft vergessen Sie nichts - weil der Computer sich alles merkt." Jeder könne jederzeit alles erfahren - auch wenn er vielleicht noch gar nicht weiß, dass es ihn interessiert. Und man werde sich auch nie wieder verirren. "Der Computer wird in allem gut sein, was wir nicht so gut können." Der Preis dafür sei allerdings, dass die Software möglichst alles über einen Menschen wissen müsse, räumte Schmidt ein.

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Kra mit DPA