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Browser: Microsoft will seinen Browser Edge retten - und greift dazu zu einer radikalen Maßnahme

Der Internet Explorer war einst der mächtigste Browser der Welt. Der Nachfolger Edge fristet dagegen seit der Einführung ein Schattendasein. Nun will Microsoft ihn retten und setzt dafür auf Google-Technik.

Frau am Laptop, Microsoft Logo

Optisch bekommt Edge nur ein neues Logo. Doch dahinter steckt noch viel mehr

Getty Images

"Diese Seite funktioniert am besten im Internet Explorer": Lange Jahre bestimmte Microsoft mit seinem Windows-Browser, wie das Internet auf den Rechnern dargestellt wurde. Dann kamen Firefox und Chrome. Die mit Windows 10 eingeführte Neuentwicklung Edge sollte das Blatt wieder wenden, doch der Erfolg blieb aus. Mit einem drastischen Schritt will Microsoft seinen Browser nun retten - und stärkt dabei den Konkurrenten Google.

Ab dem 15. Januar liefert Microsoft seine bereits im Dezember 2018 angekündigte, überarbeitete Version von Edge aus, das kündigte der Konzern in einem Blog-Post an. Die bringt nicht nur ein neues Logo mit, sondern setzt unter der Haube auf eine völlig andere Technik: Chromium, den Motor des Googles-Browsers Chrome. Da die Änderung im Hintergrund geschieht, dürften die meisten Nutzer sie aber kaum bewusst bemerken.

Die Macht der Monopolstellung

Dass Microsoft nun ebenfalls auf Googles frei verfügbaren Browser-Untersatz baut, ist allerdings eine radikale Abkehr der alten Browser-Strategie des Windows-Konzerns. Zur Hochzeit des Internet Explorer waren Betreiber von Webseiten noch gezwungen, die Seiten auf den damals wichtigsten Browser zu optimieren. Alternative Programme, die Webseiten anders aufbauten, mussten sich damals anpassen. Microsoft dominierte das Netz.

In den letzten Jahren hat sich die Lage dramatisch gewendet. Der Aufstieg von Mozilla Firefox und danach des noch einmal viel erfolgreichen Chrome hatte erst den Internet Explorer den Thron gekostet und dann Edge jegliche Aussichten auf Erfolg verbaut. Der Web-Standard ist längst nicht mehr Microsoft, sondern eben Google Chrome. 

Frau zeigt Mann etwas auf dem Smartphone

Edge hat verloren

Wie dominant Google ist, zeigen die aktuellen Zahlen: 63,6 Prozent der globalen Nutzer setzen über alle Plattformen auf Chrome, Edge schafft gerade mal 2,1 Prozent. Lässt man Smartphones und Tablets weg und betrachtet nur Desktop-Rechner, legt Edge zwar auf 4,6, Prozent zu. Chrome steigert seinen Anteil aber ebenfalls und sichert sich sogar 68,8 Prozent des Marktes. Fast noch mehr dürfte Microsoft aber schmerzen, dass der 2015 abgelöste Internet Explorer mit 3,6 Prozent kaum hinter seinem Nachfolger liegt. Sogar das ist eine jüngere Entwicklung: Bis September 2019 lag Edge noch zurück.

Die Nutzerzahlen zeigen auch, wie sehr sich Microsofts Scheitern im Smartphone-Markt auch auf die anderen Felder auswirkt. Obwohl Apples Safari auf dem Computer nur 9 Prozent Nutzer vorweisen kann, sind es auf alle Geräte gesehen satte 17,7 Prozent. Auch Samsungs Mobilbrowser - immerhin nur auf den eigenen Smartphones und Tablets verfügbar - platziert sich mit 3,56 Prozent noch vor Edge.

Der beeindruckende Aufstieg von Chrome hängt sicher auch mit dem Erfolg von Android zusammen. Die Nutzer sind den dort vorinstallierten Browser gewohnt, nutzen ihn dann auch auf dem PC . Hier rächt sich, dass sich die Smartphones mit Windows nie durchsetzen konnten und Edge mobil keine Rolle spielt.

Ein Knicks vor dem König

Mit dem Schritt zu Chromium gesteht Microsoft endgültig das Scheitern seiner Browser-Strategie ein. Statt wie früher den Standard zu setzen, passt man sich dem Konkurrenten an und übernimmt sogar dessen Technologie. Chromium soll Nutzern die optimale Surf-Erfahrung ermöglichen, versprach Microsoft bei der Ankündigung des Schrittes. Zudem soll es Web-Entwicklern die zusätzliche Arbeit abnehmen, die eine Kompatibilität mit Edge bisher brachte. Statt den eigenen Browser zum Standard machen zu wollen, passt Microsoft ihn den Standards an. Edge gibt den Anspruch auf den Thron auf und wird zu einem Browser unter vielen. Das ist das Gegenteil der alten Strategie.

Zudem stärkt es Google. Mit dem Aufgeben von Microsoft gibt es nun nur noch zwei relevante Browser, die nicht auf Chromium laufen: Apples Safari und der Mozilla Firefox nutzen weiter eine eigene Engine. Zusammen haben beide einen Marktanteil von nur knapp 23 Prozent. Die Macht von Chromium wächst damit weiter. Webentwickler werden die Seiten noch mehr als vorher auf Chromium optimieren können. Zum Leidwesen der beiden schwächeren Konkurrenten.

Die Vorgehensweise passt zum Umdenken, das Microsoft-Chef Satya Nadella in den letzten Jahren im Konzern bewirkt hat. Statt wie in früheren Jahren auf eine Monopol-Stellung hinzustreben und die Konkurrenten zu unterwerfen, setzt er Nadellas Microsoft vermehrt auf Kooperation. Die Träume des eigenen Smartphone-Systems wurden aufgegeben, stattdessen geht es um maximale Kompatibilität. Microsofts Programme laufen mittlerweile mit nahezu jeder anderen Plattform. Selbst der neue Edge ist auch auf iPhones und Android-Smartphones verfügbar. 

Quellen: Microsoft1, Microsoft 2Statcounter, Statista