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Notebook-Preise: Zwerge ziehen Laptop-Preise herunter

Der Erfolg der kleinen und günstigen Netbooks wirkt sich auch auf die Preise der größeren Laptops aus. Nun kommen Geräte auf den Markt, die ebenso billig sind wie die Zwerge, aber mehr Funktionen und Leistung bieten.

Klein, leicht und günstig - so genannte Netbooks sind derzeit sehr beliebt. Der Gesellschaft für Konsumforschung (Gfk) in Nürnberg zufolge verzeichneten die Mini-Notebooks von Januar bis Juli 2009 dreistellige Zuwachsraten. Der Marktanteil der Geräte liegt derzeit bei 21 Prozent. Vor allem der niedrige Preis zwischen 350 bis 550 Euro ist für viele Käufer verlockend. Doch seit kurzer Zeit gibt es Konkurrenz: Zahlreiche Hersteller bieten nun auch Notebooks zu Netbook-Preisen an. "Mittlerweile gibt es Einsteiger-Notebooks mit Preisen unter 400 Euro", sagt Manfred Breul von Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) in Berlin.

Käufer haben also die Qual der Wahl und sollten sich deshalb vor dem Kauf ihr Nutzungsverhalten klar machen. "Wie bei jeder Kaufentscheidung gilt es zu fragen, was will ich mit dem Gerät eigentlich machen", sagt Georg Tryba von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Die Netbooks seien für Leute konzipiert, die häufig unterwegs sind. Die Geräte passten bequem in jede Tasche und seien ausreichend für Office und Internet.

Brauche ich ein Laufwerk?

"Wer rechenintensive Anwendungen durchführt oder häufig auf CDs und DVDs angewiesen ist, wird dagegen mit einem Netbook nicht glücklich werden", sagt Tryba. Denn die Netbooks verfügen über kein CD- oder DVD-Laufwerk, der Nutzer muss sich bei Bedarf mit einem externen Gerät behelfen. Zudem reicht die Rechenleistung zumeist nicht an die eines Notebooks heran. "Ein Notebook kann in vielen Fällen einen PC ersetzen, ein Netbook meistens nicht", resümiert Breul. Wer seinen Desktop-PC durch ein mobiles Gerät ersetzen will, sollte also besser zu einem Notebook greifen.

Weitere Schwachpunkte der Netbooks sind die geringe Festplattenkapazität von in der Regel 160 Gigabyte, die kleinere Tastatur sowie das kleine Display, das bei fast allen Netbooks maximal zehn Zoll groß ist. "Wollen Sie mobil sein, aber nicht auf Rechenpower, eine große Festplatte oder einen größeren Monitor verzichten, sind Sie mit einem günstigen Laptop besser beraten", sagt Breul.

Neue Käuferschichten

Das Netbook sei nur ein Minimalgerät zum Surfen und für einfache Aufgaben. Er befürchtet deshalb auch nicht, dass die neuen Netbooks den größeren Geräten Käufer streitig machen. Mit Netbooks wurden viel mehr neue Käuferschichten erschlossen. Dies seien vor allem Privatanwender, die sich bislang noch keinen mobilen Computer zugelegt hätten. Für Business-Nutzer seien die Geräte dagegen weitestgehend uninteressant.

Wer sich für ein Netbook entscheidet, der sollte vor dem Kauf prüfen, ob auch alle gewünschten Programme auf dem Gerät laufen. Hier kann nicht nur die geringe Rechenleistung der Netbooks Probleme bereiten, sondern auch das Betriebssystem. Aufgrund der schwachen Leistung sind auf den Geräten nämlich Systeme installiert, die weniger Anforderungen an die Hardware stellen, zum Beispiel Linux oder Windows XP. "Eventuell werden dadurch nicht alle Programme unterstützt", warnt Tryba. Hier ist also ein Einsteiger-Notebook mit Windows Vista die bessere Alternative.

Zudem können auch der Fachzeitschrift "PC Welt Linux" zufolge nicht alle Varianten des freien Betriebssystems Linux auf den Minirechnern problemlos genutzt werden. Das Magazin rät zu speziellen Netbook-Linuxvarianten wie Ubuntu Netbook Remix, Easy Peasy und Linpus Linux Lite. Immerhin soll das neue Windows 7 auch auf Netbooks lauffähig sein.

Vorsicht bei der Beratung

Beim Kauf sollte man einem Test der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen zufolge auch nicht blind den Empfehlungen der Käufer vertrauen. Die Verbraucherschützer führten im März Stichproben in zehn Elektromärkten, Kaufhäusern und PC-Geschäften in Bonn und Köln durch. Die Testkäufer interessierten sich für die dort ausgestellten Netbooks und fragten die Verkäufer, ob sich damit auch Fotos bearbeiten, DVD-Filme abspielen ließen und Windows Vista installiert werden könnte. Das Ergebnis: Lediglich zwei der zehn Verkäufer berieten korrekt, rieten am Ende von Kauf eines Netbooks ab und zeigten stattdessen Alternativen auf. Der Test sei zwar schon ein halbes Jahr alt, er erwarte bei einer Wiederholung aber ähnliche Ergebnisse, erklärte Georg Tryba.

Aber auch bei günstigen Laptops sollte die Ausstattung vor dem Kauf gründlich geprüft werden. "Bei aufwendigen Grafikanimationen oder Spielen werden auch diese Geräte ihre Schwächen haben", warnt Tryba. Die Monitore seien zwar größer aber die Qualität sei dennoch eingeschränkt, fügt Breul hinzu. "Für professionelle Bildbearbeitung sind Sie in jedem Fall auf einen externen Monitor angewiesen."

DPA / DPA