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One-Click-Hoster Megaupload: Die Geldmaschine "Runterladen"

US-Behörden haben Megaupload vom Netz abgeklemmt. Der Deutsche Kim Schmitz hat mit dem Online-Dienst Millionen gescheffelt. Aber wie funktioniert so ein One-Click-Hoster eigentlich und wer nutzt ihn?

Von Gernot Kramper

Ab heute ist wieder Platz auf der Datenautobahn: Megaupload ist down. Nach eigener Aussage war der Dienst für vier Prozent des gesamten Datenverkehrs im Internet verantwortlich. Megaupload war die letzte Firma von Kim Schmitz - dem Enfant terrible der deutschen Hackerszene. In Neuseeland und Hongkong baute der schwergewichtige Schmitz ein Download-Universum auf. Nach den Vorwürfen der US-Behörden befanden sich illegal kopierte Musik, Filme, TV-Serien und digitale Bücher unter den angebotenen Daten. Zum Mega-Imperium gehörten auch andere Dienste, etwa Pornoseiten. Wenn es ums Geldverdienen ging, war Betreiber Schmitz nie zimperlich. Flaggschiff und Geldmaschine war der Dienst Megaupload.com mit seinen Erweiterungen wie Megavideo und Megapix. Hinter den Mega-Diensten steht eine Datenaustauschplattform gigantischen Ausmaßes.

Die erste Anwendung des Cloud-Computings

Technisch zählt Megaupload zu den sogenannten One-Click-Hostern. Mit einer simplen Bedienung über eine eigene Software oder jeden normalen Browser kann sich jeder Kunde eine Art von unbegrenzter Internetfestplatte zulegen. Dort darf er seine Daten hochladen und mit einem speziellen Downloadlink an jedem Ort der Welt wieder herunterladen. Daher der Name One-Click-Hoster. Irgendwelche Kenntnisse zu Datentransfer-Protokollen oder FTP-Servern sind nicht notwendig. Die eigenen Ordner können, wenn gewünscht, mit Passwörtern gesichert werden. Wer will, kann seinen individuellen Link beliebig weitergeben, dann können auch andere diese Dateien herunterladen.

One-Click-Hoster sind eine der ersten großen Anwendungen des vielbeschworenen Cloud-Computings. Attraktiv ist das Modell etwa für Firmen, die große Dateien wie Kataloge, Videos und anderes an ihre Kunden weitergeben wollen, ohne sich selbst dafür eine Server-Farm zuzulegen. Seriöse Kunden gibt es in diesem Geschäft durchaus, in die Kritik kommen die One-Click-Hoster aber wegen der nicht ganz so legalen Anwendungen.

Der sichere Hafen auch für Illegales

Ihre Webordner eignen sich ideal, um Kopien von Musik und Kinofilmen zum Download bereitzustellen. Dateigrößen von mehreren Gigabyte sind kein Problem, selbst Blue-ray Discs lassen sich auf wenige Links verteilen. Wie groß der Anteil des Materials ist, das Urheberrechte verletzt, darüber wird zwischen One-Click-Hostern und den Interessenverbänden der Rechteinhaber erbittert gestritten. Sicher ist aber, dass ein merklicher Anteil des illegalen Materials über derartige Dienste ausgetauscht wird. Spezielle Belohnungsprogramme für fleißige Hochlader erzürnen die Rechteinhaber besonders. Für das Runterladen der Daten gibt es Bonus-Punkte für den Anbieter, die er zu Geld machen kann.

Während Dateiaustauschbörsen ursprünglich von Hackern mit Piraten-Mentalität betrieben wurden, stand bei One-Click-Hostern von Anfang an eine kommerzielle Absicht im Hintergrund. Im Kern kostet der Download der Daten von Megaupload-Servern Geld, daran ändern auch Prämien-Modelle und eingeschränkte Umsonst-Accounts nichts. Ein Jahr unbegrenzt Herunterladen kostete bei Megaupload etwa 50 Euro. Für dieses Modell fanden sich offenbar genügend User. Andere Anbieter wie etwa Rapidshare sind deutlich teurer, der Erfolg von Megaupload erklärt sich auch durch die aggressive Preispolitik.

Es geht um viel Geld

Während viele Firmengründungen in der Internetindustrie von Börsenerwartungen leben, können One-Click-Hoster konservativ kalkulieren. Durch das Abo-Modell fließt ununterbrochen frisches Geld in die Kassen. 175 Millionen Dollar sollen es im Falle Megaupload gewesen sein – so schätzt das FBI. Die Einnahmen reichten aus, um wie eine große IT-Firma zu agieren. Wurden in den Anfängen der Netzpiraterie noch Downloaddaten auf schlecht gesicherten Uni-Servern oder gar in E-Mail-Accounts versteckt, bauten One-Click-Hoster industrielle Serverfarmen aus. Sie geben eine Garantie von fast 100-prozentiger Verfügbarkeit und versprechen schnellste Transferraten.

Bezahlt wird wie sonst auch im Netz: per Kreditkarte oder via Paypal. Bedenken, diesen Datenhäfen die Kontodaten auszuhändigen, haben offenbar nur wenige. Skandale und Betrugsfälle bei Kunden sind auch nicht bekannt. Diese Seite des Geschäfts wurde stets vertrauensvoll abgewickelt. Besonders vorsichtige Kunden haben sogar die Möglichkeit, ihren Account zu verschleiern, indem sie ihn bei einem Reseller - einem Weiterverkäufer - bestellen. Dann gibt es keine direkt finanzielle Transaktion zwischen Kunde und Megaupload, sondern nur zwischen ihm und einem Büro irgendwo auf der Welt. Einzelne Hoster bieten gegen Aufpreis sogar die Möglichkeit, alle Verbindungen zwischen Kunde und Servern zu verschlüsseln. Dann kann niemand den Datenverkehr belauschen - selbst Provider und Ermittlungsbehörden nicht.

Für den bequemen Piraten

Für denjenigen, der geschütztes Material herunterladen will und der nicht auf ein paar Euro achten muß, ist das Modell der One-Click-Hoster aus mehreren Gründen attraktiv. Das Angebot ist riesig, die Downloadgeschwindigkeit wird in der Praxis nur vom eigenen DSL-Anschluss begrenzt und die Handhabung ist extrem einfach.

Nicht zuletzt ist das reine Herunterladen urheberrechtlich geschützter Daten in vielen Ländern nicht illegal. Bei Tausch-Netzwerken hingegen erscheint man beim Herunterladen auch immer als Anbieter der Daten. Damit verstößt man in vielen Ländern und auch in Deutschland gegen die Urheberrechte und kann entsprechend belangt werden. Nur für Kids ohne Kreditkarte gibt es keinen einfachen Zugang zu diesen bequemen Piratenhäfen, schließlich sind die Betreiber vor allem an der Gebühr interessiert.