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Deutscher Computerspielpreis: "Chaos auf Deponia" als bestes deutsches Spiel geehrt

Der Deutsche Computerspielpreis 2013 geht an den Hamburger Entwickler Daedalic. "Chaos auf Deponia" wurde als bestes deutsches Spiel ausgezeichnet. Zeitgleich wurden auch internationale Titel geehrt.

Der Hamburger Spieleentwickler Daedalic hat für den zweiten Teil der Spieletrilogie "Chaos auf Deponia" den Deutschen Computerspielpreis für das beste deutsche Spiel erhalten. Das Abenteuerspiel entführe erneut in eine "einzigartige Spielwelt, die Douglas Adams, Terry Pratchett oder Matt Groening nicht wahnwitziger hätten erfinden können", urteilte die Jury in Berlin. Erneut muss Anti-Held Rufus das Herz einer Frau gewinnen, deren Persönlichkeit auf drei Datasetten gespeichert ist, damit die Flucht von seinem Schrottplatz-Planeten gelingt.

Seit 2009 hat es kein Jahr gegeben, in dem die Hamburger Spielschmiede nicht zumindest nominiert worden wäre. "Ich danke der Jury, dass sie den Mut hatte, uns schon wieder auszuzeichnen", sagte Daedalic-Chef Carsten Fichtelmann. "Chaos auf Deponia" sei zunächst als nicht realisierbar eingestuft worden. "Nun haben wir daraus gleich eine ganze Trilogie gemacht."

Preis mit Diskussionen

Der Preis, der in diesem Jahr zum fünften Mal vergeben wird, sei lange mit heftigen Debatten verbunden gewesen, sagte Kulturstaatsminister Bernd Neumann, der den Preis am Mittwochabend übergab. "Er musste Interessensgegensätze aushalten, die zwischen Branche, Bevölkerung und Politik bestehen." Die ausgezeichneten Titel hätten es oft nicht leicht, sich gegen die Mainstream-Titel am Markt durchzusetzen. Aber gerade darum gebe es den Preis. "Wir fördern also Spiele, denen wir aus medien-, kultur- und bildungspolitischer Sicht eine weitere Verbreitung wünschen als der Markt allein sie bewirken kann."

In der Wahrnehmung der Bevölkerung und in der Politik wurden Computerspiele vielfach auf gewaltverherrlichende und potenziell jugendgefährdende Ego-Shooter reduziert. In der Hinsicht habe sich inzwischen viel getan, sagte Elmar Giglinger vom Medienboard Berlin-Brandenburg. Die Anerkennung von Computerspielen als Kultur- und Wirtschaftsgut sei zwar noch immer ein Problem. "Es hat sich viel getan, aber am Ziel sind wir noch lange nicht." Das sei aber eine Frage der Zeit.

Als bestes Nachwuchskonzept wählte die Jury "GroundPlay" der Hamburger Hochschule HAW. Bestes Kinderspiel wurde "Meine 1.App" von appp media. Auszeichnungen erhielten auch "Tiny & Big: Grandpa's Leftovers" von Black Pants Studio (bestes Jugendspiel), "World Wonders - The Towers of Babel" von Games in Flames (bestes mobiles Spiel) und "Forge of Empires" von InnoGames (bestes Browserspiel).

Auf der internationalen Bühne wurde zudem der Deutsche Games Award LARA vergeben. Bestes internationales Computerspiel ist in diesem Jahr "Walking Dead" von Telltale Games, bestes internationales mobiles Spiel "Rayman Jungle Run" von Ubisoft und bestes internationales Konsolenspiel "Dishonored - Die Maske des Zorns" von Arkane Studios und Bethesda Softworks.

Als bestes Serious Game erhielt "Menschen auf der Flucht" der Potsdamer Entwickler Serious Games Solution einen Preis. Bei dem Titel geht es um den Bürgerkrieg im Kongo. Auf einer multimedialen Reise können Jugendliche die Wirren des Krieges nacherleben. Das Spiel sei preiswürdig, weil es die Problematik und das Leid von Flüchtlingen durch seine virtuelle Realität "emotional nachvollziehbar" mache, urteilte die Fachjury.

Der Deutsche Computerspielpreis wurde im Rahmen der Deutschen Gamestage in Berin verliehen. Er wird von den Branchenverbänden BIU und GAME zusammen mit Kulturstaatsminister Bernd Neumann vergeben. Mit dem Preisgeld von insgesamt 385.000 Euro werden jährlich herausragende Entwicklungen der Branche in insgesamt acht Kategorien bedacht.

san/DPA / DPA