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Videospiel "Thief" im Test: Warum die Blockbuster-Fortsetzung enttäuscht

Zehn Jahre mussten Gamer auf einen neuen Teil der Videospielreihe "Thief" warten. Nun ist Meisterdieb Garrett zurück. Doch sein Comeback dürfte nicht alle Fans zufriedenstellen.

Von Christoph Fröhlich

Wenn Meisterdieb Garrett entdeckt wird, greift er auch mal zum Knüppel

Wenn Meisterdieb Garrett entdeckt wird, greift er auch mal zum Knüppel

Langsam, ganz langsam schleiche ich durch die Straßen. Es ist finstere Nacht, nur ein paar Laternen und der Mond erhellen das Stadtviertel. Es regnet Bindfäden. Die Welt um mich herum sieht aus wie die gruselige Version eines Charles-Dickens-Romans. Ich luge vorsichtig um die Ecke, halte mich am Mauerrand fest, und blicke in eine leere Gasse. Irgendwo muss diese Wache doch sein. Ich laufe weiter, und hinter der nächsten Kreuzung finde ich sie, mit einer Fackel in der Hand. Behutsam bewege ich mich durch den Schatten. Ich schleiche hinter den Wachmann, direkt in seinen toten Winkel - und befördere ihn mit einem gezielten Schlag auf den Kopf ins Reich der Träume. Nun ist der Weg frei, und der Goldschatz gehört mir. Denn ich bin ein Meisterdieb. Willkommen im Videospiel "Thief".

Schleichen statt ballern

1998 war ein tolles Jahr für Gamer: Spieleperlen wie "Starcraft", "Metal Gear Solid" und "Half Life" setzten in vielen Bereichen neue Standards, manche sind bis heute nicht übertroffen worden. Im gleichen Jahr erschien "Thief: The Dark Project": Darin schlüpfte der Spieler in die Rolle des Meisterdiebs Garrett, der wohl gerissenste Langfinger, der je die Videospiellandschaft erobert hat. Mit seiner beklemmenden Atmosphäre, einem tollen Soundtrack und einem völlig neuartigen Spielgefühl wurde "Thief" schnell zum Gamerliebling.

Nur mit einem Bogen und einem Knüppel bewaffnet schlich man durch die Gassen einer unbekannten Stadt Ende des 19. Jahrhunderts. Hirnlose Actionszenen gab es nicht, hier ging es nur um eins: bloß nicht entdeckt werden. Bei "Thief" war die einzige Regel: Bleib im Schatten, er ist dein Freund und hält neugierige Blicke fern. Im Jahr 2000 erschien der Nachfolger, 2004 stand mit "Thief: Deadly Shadows" der dritte Teil im Handel. Dann blieb es ein Jahrzehnt ruhig um die einstige Erfolgsreihe. Bis jetzt.

Wiederbelebung einer Legende

Die Videospielfirmen Eidos Montreal und Square Enix verhelfen Garrett nun zum Comeback. Und tatsächlich, seit seiner letzten Diebestour scheint er kaum in die Jahre gekommen zu sein. Startet man die Konsole, fühlt man sich um zehn Jahre zurückversetzt: Noch immer schleicht man durch dreckige Gassen, kraxelt über zerfallene Dächer und klettert durch Fenster in die Wohnzimmer von Fremden, wo man alles klaut, was auch nur ansatzweise funkelt. Der Unterschied zu damals: Auf Highend-PCs und Next-Gen-Konsolen sieht das neue Abenteuer wirklich toll aus. Nicht so umwerfend wie etwa "Killzone", aber doch sehr ansehnlich. Wenn man durch die viktorianischen Gemäuer kriecht und das fahle Mondlicht durchs Gebälk blitzt, stellt sich eine herrlich-schaurige Stimmung ein.

Die Missionen sind vor allem auf höheren Schwierigkeitsgraden fordernd: Mal muss man in einem Haus voller Wachen einen Safe knacken und eine goldene Maske stehlen, ein anderes Mal schleicht man auf der Suche nach einem Ring durch eine Fabrik am Rande eines Friedhofs, in der die Toten eingeäschert werden. Einen direkten Weg zum Ziel gibt es nicht. Stets steht man vor der Wahl: Lieber im Schatten lauern und die Patrouille hinterrücks niederschlagen? Oder die Wache mit einem selbst gelegten Feuer ablenken und schnell im Halbdunkel vorbeihuschen? Und für die ganz Harten gibt es natürlich noch die Rambo-Methode: Raus aus dem Schatten, rein ins Getümmel und die Fäuste sprechen lassen.

Gesteuert wird Garrett aus der Ich-Perspektive, das Spielprinzip ist eine Mischung aus "Dishonored" und Ubisofts erfolgreicher "Assassin's Creed"-Reihe. Mal gilt es, unerkannt durch einen Trakt voller Wachen zu schleichen, ein anderes Mal muss Garrett zum Vollsprint ansetzen und actionreich an Seilen und Leitern emporklettern. Auf der Suche nach Diebesgut kann Garrett den "Fokus" einsetzen, eine Art übersinnliche Fähigkeit, wie sie Gamer beispielsweise aus den jüngsten Batman-Abenteuern kennen. Der Fokus markiert nicht nur Ziele, sondern verlangsamt auch die Zeit, was vor allem beim Kampf gegen größere Gegnergruppen und beim Schlösserknacken praktisch ist.

Die Atmosphäre in "Thief" ist stimmig, doch kleine Patzer trüben den Gesamteindruck.

Die Atmosphäre in "Thief" ist stimmig, doch kleine Patzer trüben den Gesamteindruck.

Klau den Löffel!

Auf den ersten Blick haben die Entwickler alles richtig gemacht: Das Wechselspiel zwischen Licht und Schatten ist stimmig, der Mix aus Action und Schleichrätseln funktioniert. Doch nach wenigen Stunden Spielzeit stellt sich Langeweile ein: Das Stadtbild mit den immer gleich aussehenden Häusern ist auf Dauer recht eintönig. Nur wenige Kapitel wie das in einem Bordell, in den sich darunter befindlichen Ruinen oder in dem Adelsanwesen der Eastwick-Familie stechen optisch hervor.

Die Geschichte kommt nur langsam in Fahrt und wirkt arg konstruiert: Als Garrett nach dem Prolog zu sich kommt, hat sich das beschauliche Städtchen innerhalb eines Jahres in eine Möchtegern-Nazi-Diktatur verwandelt. Glaubwürdiges Storytelling geht jedenfalls anders.

Auch sonst gibt es viele Kleinigkeiten, die stören: Es gibt kaum Passanten auf den Straßen, und die wenigen, denen man begegnet, spulen immer wieder dieselben Dialoge ab. Auch das Spielprinzip wirkt antiquiert: Immer wieder klettert man in Häuser, durchsucht Schubladen, Schränke und Truhen, um endlos viele Silberlöffel, Goldketten und Münzen einzusammeln. Denn nur so kann man sich das nächste Waffenupgrade leisten. Schon bei "World of Warcraft" habe ich vor zehn Jahren nicht gerne Hunderte Gegenstände gesammelt, und mir macht es heute nicht mehr Spaß. Ich will ein Dieb sein, kein Packesel.

Logikpatzer und Grafikaussetzer

Die Wachen agieren teilweise enorm unglaubwürdig. Ich sehe ein, dass Garrett ein Meister der Tarnung ist, doch mir erschließt sich nicht, warum mich ein Wachmann nicht erkennt, wenn ich gerade einmal drei Meter vor ihm im Schatten herumlaufe. Und so spaßig es ist, durch die nebligen Gassen zu ziehen, Fenster aufzubrechen und in die Wohnzimmer zu klettern: Warum sieht fast jede Wohnung gleich aus? Warum sind beinahe alle Häuser verlassen, obwohl in fast jedem Raum Kerzen brennen? Nervenkitzel spürt man in solchen Situationen jedenfalls nicht. Denn wie hoch ist das Risiko, beim Klauen in einer menschenleeren Bude erwischt zu werden? An solchen Stellen wirkt "Thief", als wäre es unter Zeitdruck zusammengeschustert worden, um das Release nicht noch einmal verschieben zu müssen.

Und es sind nicht nur inhaltliche Schwächen, die stören. Auf unserer Playstation-4-Testversion gab es mehrfach Grafikaussetzer: Zwischensequenzen wurde einmal zu schnell, manchmal aber auch ruckelnd abgespielt. Auch die Ladezeiten sind fürs Jahr 2014 zu lang. Möglich, dass ein bald erscheinender Patch hier Abhilfe schafft.

Garrett hat eine wertvolle Kette erbeutet

Garrett hat eine wertvolle Kette erbeutet

Fazit: Chance vertan

Trotz des ganzen Genörgels: "Thief" macht Spaß, der Neustart der Reihe ist zu großen Teilen geglückt. Doch in Zeiten von Ballerorgien wie "Call of Duty" habe ich mich nach einem waschechten Schleichabenteuer wie dem alten "Dark Project" gesehnt.

Dass es Eidos Montreal besser kann, hat die Videospielfirma im Sommer 2011 mit dem großartigen "Deus Ex: Human Revolution" bewiesen: Das Spiel bewahrte die Seele des Originals, war aber trotzdem modern genug, um Neueinsteiger nicht zu vergraulen. "Thief" hingegen hinterlässt gemischte Gefühle: Es hat zweifellos starke Momente, vor allem dann, wenn es um das Klauen von Schmuckstücken geht. Doch jedes Mal, wenn man erahnt, was für ein geniales Spiel Eidos hätte auf die Beine stellen können, gibt es einen nervigen Patzer. Mal sind es einfältige Gegner, dann Logiklöcher so groß wie der Glockenturm, in dem Garrett haust.

"Thief" hat sich in seinen vielen Ambitionen verheddert. Die Entwickler wollten es allen recht machen, und am Ende ist keiner so richtig glücklich. Dann weiß man nur eines gewiss: Der Schatten des Konkurrenzspiels "Dishonored" ist selbst für einen Meisterdieb wie Garrett zu groß.

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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.