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Von wegen Streaming Zwei Millionen Menschen leihen immer noch DVDs bei Netflix

Illegal abgefischte Netflix-Zugänge werden im Netz für wenige Cent verkauft.
Der Siegeszug von Netflix begann mit einem DVD-Leihservice
© DDP
Netflix ist für viele Menschen der Inbegriff von Streaming. In den USA nutzen aber immer noch zwei Millionen Menschen den Dienst, um DVDs und Blu-rays per Post auszuleihen.

Netflix ist für viele Menschen der Inbegriff des Streamings. Der Konzern aus dem kalifornischen Los Gatos veränderte mit seinem Dienst unsere Sehgewohnheiten und wirbelte die gesamte Fernseh- und Filmbranche durcheinander. Was viele jedoch nicht wissen: Ursprünglich begann Netflix seinen Siegeszug in den USA deutlich analoger, indem DVDs ganz klassisch per Post verschickt wurden - quasi eine Briefkasten-Videothek.

Das mag vor allem für junge Menschen unvorstellbar sein, doch bis heute zahlen immer noch zwei Millionen Nutzer*innen für den postalischen DVD-Verleihservice, wie das US-Magazin "Wired" in seiner Onlineausgabe berichtet. Und das, obwohl Netflix-Chef Reed Hastings bereits bei der Einstellung seines damaligen Managers und mittlerweile Co-Geschäftsführers Ted Sarandos 1999 von seinen Plänen schwärmte, in Zukunft die Filme rein über das Internet zu versenden. "Wir haben nie auch nur eine Minute daran verschwendet, das DVD-Geschäft zu retten", erklärte Sarandos vor einigen Jahren.

Die Vorteile von DVDs und Blu-rays

Doch warum nutzt man in Zeiten, in denen Tausende Filme und Serien auf Knopfdruck abrufbereit sind, überhaupt noch einen Dienst, bei dem man mehrere Tage auf die Zusendung einer DVD oder Blu-ray warten muss? "Wired" sprach mit einigen Nutzer*innen. Einige erklären, sie würden beim DVD-Verleih die größere Auswahl an aktuellen Filmen schätzen. Ein nachvollziehbarer Punkt, denn viele aktuelle Produktionen kommen gar nicht oder nur mit großer Verzögerung auf die gängigen Streamingportale.

Ein weiterer Grund ist die mitunter schlechte Netz-Infrastruktur, vor allem in ländlichen Gegenden der USA. Kund*innen, die ein monatliches Datenkontingent haben, überlegen es sich dreimal, ob sie wirklich eine Serie oder einen hochauflösenden Film streamen wollen.

Und dann sind da noch die Cineast*innen, die viel Wert auf die bestmögliche Qualität legen. Zwar bietet Netflix in seinem Online-Katalog Dutzende Filme und Serien in 4K-Auflösung an. Doch die Qualität - sowohl Bild als auch Ton - ist nicht ansatzweise mit der einer (UHD)Blu-ray vergleichbar. UHD-Blu-rays schaffen in der Spitze eine Bildqualität von 120 Mbit pro Sekunde, der Durchschnitt liegt bei 50 bis 60 Mbit/s. Beim Netflix-Streaming ist in der Regel bei 15,2 Mbit/s Schluss, also einem Viertel. Vor allem bei großen Fernsehern erkennt man dann Pixelartefakte.

Netflix' DVD-Service ist ein Auslaufmodell

Trotz einiger Vorteile, welche physische Medien wie DVDs und Blu-rays gegenüber Streaming-Inhalten haben, ist der Post-Verleihservice ein Auslaufmodell. Es ist unklar, wie lange Netflix diesen Service noch betreiben wird. Im Jahr 2011 versuchte das Unternehmen, ihn in eine separate Marke namens Qwikster auszugliedern, bei der Abonnent*innen für DVDs und Streaming separat bezahlen sollten.

Das Unternehmen wurde nach einem Aufschrei der Kund*innen jedoch zu einer Kehrtwende gezwungen - innerhalb von zwei Monaten verlor Netflix die Hälfte seines Börsenwertes und 800.000 Abonnent*innen. Im Dezember 2019 sagte Netflix-CEO Reed Hastings, dass er es nicht eilig habe, den DVD-Service loszuwerden. Womöglich werde der Dienst auch noch fünf weitere Jahre angeboten, deutete er an.

Der Legende nach entstand die Idee für Netflix übrigens aus dem Frust über eine hohe Gebühr für ein verlorenes Leihvideo. Reed Hastings soll eine VHS-Kassette des Films "Apollo 13" verlegt haben, sodass sich bei der Videothek Gebühren in Höhe von 40 US-Dollar ansammelten. Auf dem Weg ins Fitnessstudio fiel dem verärgerten Hastings schließlich auf, dass das Geschäftsmodell dort viel kundenfreundlicher sei: Für 40 Dollar im Monat konnte er dort so viel trainieren, wie er wollte. Und er fragte sich: Könnte man das nicht auch auf Filme übertragen?

Quelle:"Wired"

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