VG-Wort Pixel

Playstation 4 Die PS4 im Teenie-Test – der Tag, an dem ich mein Wohnzimmer verlor

Drei Jugendliche spielen Playstation
PS4 im Test: Das Spiel "Knack", ein "Exklusiv-Titel", wie die jugendlichen Tester sagen, wird unerwartet zum Renner
© Susanne Baller
Berge von Klassenarbeiten, fiese Erkältungen, der November war ein trauriger Monat für Teenager. Dann kam die neue Playstation heraus. Zeit, den Jungs etwas Gutes zu tun - und selbst zu leiden.
Von Susanne Baller

Die Jungs haben sich seit ein paar Wochen nicht gesehen, Klassenarbeiten und Erkältungen sind die unschönen Gründe dafür. Es ist Zeit für etwas Abwechslung, für ein Highlight hinter den Bergen von Papiertaschentüchern. Wenn man Teenagern etwas Gutes tun will, ist das eigentlich ganz leicht: Man lässt sie in Ruhe. Wenn man ihnen aber eine Freude machen will, gibt es vor allem eins, worauf sich mein Sohn John, 14, und seine 15-jährigen Freunde Morten und Theo einigen können: Playstation spielen. Morten hat die vor sieben Jahren erschienene PS3 zu Hause, also treffen sich die Jungs in letzter Zeit, wann immer möglich, bei ihm. Nun ist am 29. November in Deutschland die nächste Generation erschienen, die PS4, sie steht bei John und Morten als oberster Eintrag auf dem Wunschzettel für Weihnachten. Obwohl sie bereits ausverkauft ist und frühestens Ende Januar wieder geliefert werden kann. Die Gestaltung eines perfekten Teenager-Samstags kann also eigentlich nur so aussehen: aus der Redaktion das brandneue Testgerät samt Spielen ausleihen und die beiden Freunde einladen.

Um 15 Uhr sollen Morten und Theo zu uns kommen. Um fünf vor drei klingelt der Erste, um zwei vor drei der Zweite. In Windeseile verteilen sich die Jungs auf Sofa und Boden, Theo würde sich niemals freiwillig auf ein Sitzmöbel setzen. Da kommt schon der erste Kommentar: "Boah, die Controller sind ja toll!" Besser als die von der PS3?, frage ich. "Ja, die liegen viel besser in der Hand!" Fünf Spiele stehen zur Auswahl, zuerst wandert "Lego Marvel Super Heroes" in die Konsole. Ich bin etwas überrascht, ich hatte erwartet, dass es die Spiele ab 18 sein würden, die die drei Minderjährigen als Erstes testen wollen würden. Doch die interessieren sie nicht: "'Assassins Creed' und 'Call of Duty' hat Morten für die PS3, da wird sich nicht so viel verändert haben", lautet die abgebrühte Erklärung. Und ich dachte, Lego sei inzwischen peinlich. "Nein, die Spiele haben einen guten Humor. Früher nicht, aber inzwischen schon." Okay, die Zimtsterne stehen parat, dann mal los.

Mir ist nach Abendbrot

Aus dem Wohnzimmer kommen seit drei Stunden Sätze wie: "Du musst die Wand einschlagen, da rechts!" "Boah, ist der riesig geworden!" Oder: "Bleib ganz dicht hinter mir!" Ich sitze in der Küche und gucke langweilige Serien auf dem Rechner. Über Kopfhörer. Ich spüre meine eigene Erkältung zurückkehren, fühle mich zu angeschlagen zum Lesen. Außerdem wäre es dazu viel zu laut in der Wohnung. Ich vermisse mein Sofa. Jetzt schon.

Um 18 Uhr wage ich einen Vorstoß in Richtung Abendbrot, mir knurrt der Magen. "Noch ungefähr zehn Minuten bis zum nächsten Speicherpunkt", schallt es aus dem Wohnzimmer. Um 19 Uhr ziehe ich mir Schuhe und Mantel an. Anders wird das nichts mit einer Bildschirmpause, ich kenne die drei, sie sind seit mehr als zehn Jahren Freunde. "Wenn ihr mitgehen möchtet, gebe ich 'ne Pommes und 'ne Currywurst aus." Ich freue mich auf ein wenig Gesellschaft. Aber die Einladung, die normalerweise nicht lange diskutiert würde, löst nur verhaltene Begeisterung aus. Theo hat eh keinen Hunger, sagt er. Eine gute Viertelstunde später haben dann doch alle das sogenannte Klassik-Menü bestellt. Eine halbe Stunde später sind wir schon wieder auf dem Rückweg. "Ich kaufe noch Cola", sagt Theo. "Wir haben welche", antworte ich. "Egal." Für die Abendstunden muss also etwas Härteres her. Schokolade, Weingummi, noch mehr Kekse, Cola und das nächste Spiel. Es heißt "Knack" und gehört laut den Jungs zur Kategorie der Jump-and-Run-Spiele. "Das ist ein Exklusiv-Titel!" Woher wissen sie das? "Von Youtube, da gab's den Launch-Trailer", antworten sie, den Blick fest auf den Fernseher gerichtet. Ich verlasse den Raum.

Gegen halb zehn habe ich stundenlang telefoniert, Wäsche gewaschen und aufgehängt, die Spülmaschine ausgeräumt und endlich das Abflussrohr unter meiner Spüle repariert. Die erste befriedigende Handlung des Tages. Mein Selbstmitleid hat sich in Luft aufgelöst und ich bitte die Jungs, eine kleine Pause für eine Fragerunde einzulegen. 

Wisst ihr schon, ob ihr gleich noch ein drittes Spiel testet?

Theo: Ich glaube nicht, wir sind gerade mittendrin und es macht Spaß. Auch wenn "Knack" wohl eher für Jüngere ist.

Was sagt ihr insgesamt zu Grafik und Auflösung, hat sich da bei der neuen Konsole etwas getan?

Morten: Die Grafik kann man eigentlich gar nicht bewerten, da ich nicht weiß, wie meine Playstation 3 auf diesem Fernseher aussieht. Es kann ja sein, dass sie da viel besser wirkt als auf meinem Bildschirm.
Theo: Bei dem Lego-Spiel ist mir das nicht so aufgefallen, da gab es höchstens mal einen Aussetzer beim Laden. Aber die Grafik bei "Knack" ist super! Als wir zum Beispiel "Skyrim" bei Morten gespielt haben, da gab es ganz eindeutig Stellen, die wirklich hässlich aussahen. Und das lag nicht am Bildschirm.
John: Guckt euch doch allein das Bild jetzt bei der Pauseneinstellung an. Das sieht doch total super aus!
Theo: Das gäb's so bei der PS3 nicht.
Alle: Tolle Konsole, tolle Konsole!

Wie findet ihr das Design der PS4 selbst?

Theo: Mir gefällt sie.
John: Die haben versucht, sie modern aussehen zu lassen. Mir ist das völlig egal, das könnte meinetwegen auch einfach nur ein Klotz sein. Neben der Wii sieht sie auf jeden Fall riesig aus.
Theo: Die PS3 war ja auch zuerst riesig. Aber wir wollen jetzt so schnell wie möglich vorankommen, damit wir wieder spielen können.

Ja, ich weiß. Morten, wann hast du deine PS3 bekommen?

Morten: Ich glaube zum zwölften Geburtstag.

Und wie viele Spiele hast du?

Morten: 18.

Die kosten zwischen 60 und 80 Euro, du hast also in drei Jahren mehr als 1000 Euro dafür ausgegeben. Trotzdem wünschst du dir die PS4?

Morten: Ja. Man kauft die Spiele ja nicht so Schlag auf Schlag. Und ich habe zwei, die man per Code auch auf der PS4 spielen kann. Das geht allerdings nicht über die CD, die muss man über das Netzwerk freischalten.

Du musst also erst eine Netzwerkkarte kaufen?

Morten: Ja, stimmt.

Auf welche Spiele freut ihr euch besonders?

Theo: Auf "Watch_Dogs".
John: Falls du überlegst, welches du mir zur PS4 schenken sollst, das hätte ich gerne!
Morten: "Dark Souls".
Theo: "Minecraft" kommt auch noch.

Und wie viel spielt ihr so im Schnitt?

Morten: Wenn ein neues Spiel rausgekommen ist, kommt man leicht auf 30 Stunden pro Woche.
John: Mann muss das ja schließlich auch testen.

Wenn du spielst, wie läuft das dann ab, Morten?

Morten: Wenn ein neues Spiel rauskommt, kaufe ich mir das und spiele es mit meinen Freunden online. Nebenbei läuft der Computer, damit wir über Teamspeak reden können.

"Über was?", frage ich nach. Davon habe ich noch nie gehört. "Über Teamspeak", wiederholt Morten. "Das ist sowas wie Skype", erklärt John. Beim späteren Googlen stellt sich heraus, dass es sich dabei um eine ziemlich ausgebuffte Konferenzsoftware handelt, die sich offenbar gut für Gamer eignet.

Früher warst du immer nur draußen. Bist du jetzt ein Nerd, Morten?

Theo: Nerds lesen auch Comics, das macht Morten nicht.
Morten: Und die kriegen auch keine Mädchen ab.
John: Morten ist der Womanizer, da muss man sich keine Sorgen machen.

Die Jungs lachen lauthals und mich beschleicht das Gefühl, das, was andere Spielsucht nennen würden, unter dem Deckmantel des Testens legitimiert zu haben. Die Bestätigung folgt sogleich, indem ich zu hören kriege, was die drei längst übereinander wissen. Theo: "Wenn ich aus der Schule nach Hause komme und mich an den Rechner setze, sehe ich, dass Morten schon online ist. Immer. Und er geht auch immer als Letzter." Morten erklärt: "Ich habe da auch viele soziale Kontakte!" – und grinst. Die anderen beiden prusten los, wildes Gegröle folgt. Morten erklärt, dass es reicht, wenn sein iPod eingeschaltet ist, damit es so aussieht, als sei er selbst online. Das verstehe ich nicht, doch die Korrektur ist ihm wichtig. Das Interesse an einem Interview lässt nach, Zeit für die letzte Frage.

Hat euch an der Konsole etwas überrascht?

John: Ich finde es interessant, dass sogar Kinderspiele, also die ohne Altersbeschränkung, Spaß machen. (Die beiden anderen nicken bestätigend.)

Bis Mitternacht habe ich das Weiterspielen erlaubt, um Viertel vor eins schicke ich eine Whatsapp-Nachricht an meinen Sohn, ich liege längst im Bett. "Deadline 1 Uhr" und ein versöhnliches :). Klock eins höre ich die Jungs die Geräte ausschalten und sich verabschieden. Geht doch.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker