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"Trueman.tv": Leben vor der Linse

Der Berliner Marcel Kotzur überträgt ein Jahr lang 24 Stunden am Tag sein Leben live ins Internet, für jeden sichtbar. Nach den ersten 100 Tagen zieht "Trueman", wie sich Kotzur nennt, im stern.de-Interview Bilanz und beschreibt seine Beweggründe, die Reaktionen von Eltern und Freunden - und wie der Jugendschutz das eigene Sexleben beeinflusst.

Marcel Kotzur ist 25 Jahre alt, 182 groß, 83 Kilogramm schwer und wohnt in der Corinthstraße in Berlin. Soweit, so normal. Doch der Berliner lebt seit 100 Tagen vor einer laufenden Kamera, die ihre Bilder 24 Stunden täglich auf die Website trueman.tv überträgt. Zwei Vorbilder hat das Projekt: Zum einen den Film "Die Truman Show" (1998), der die Geschichte von Truman Burbank erzählt, dessen Leben ohne sein Wissen im Fernsehen übertragen wird. Zum anderen Justin.tv des US-Amerikaners Justin Kan, der im November 2006 mit dem so genannten "lifecasting" begann.

Ist Kotzur unterwegs, befestigt er die Kamera an seinem Kopf. Bleibt er länger an einem Ort, wird ein Stativ benutzt, und Kotzur tritt ins Bild. Auf der Website heißt es: "Marcel hat keinen Job, kein geregeltes Leben, sein Job ist eure Unterhaltung!" Das Publikum kann gelegentlich per Chat und SMS mit Kotzur Kontakt aufnehmen und seine nächsten Aktionen beeinflussen.

Auf insgesamt ein Jahr ist das Projekt angesetzt. Bereits jetzt gibt es Probleme. Das Publikum mosert über mangelnden Unterhaltungswert, die Einnahmen scheinen nicht wie geplant zu fließen, und im Forum von trueman.tv offenbaren die Organisatoren, dass sie sich zerstritten haben.

Herr Kotzur, seit dem 17. September 2007 übertragen Sie Ihr Leben rund um die Uhr ins Internet. Warum?

Ich mache das, weil ich und fünf meiner Freunde seit langer Zeit den Traum haben, einen Bauernhof zu finden, um dort ein anderes Leben zu führen. Durch TruemanTV habe ich die Möglichkeit, auf Projekte sozialkritischer Art und vor allem auf unseres aufmerksam zu machen. Leider ist das bisher noch nicht so schön umgesetzt worden, wie ich mir es vorgestellt habe.

Wer kam auf die Idee?

Auf die Idee ist Robert "Hanni" Hanschke, einer meiner Freunde, gekommen. Eines Abends, während er mit Wein und guter Laune mit seinem Mitbewohner philosophierte.

Wie reagierten Familie und Co. auf das Projekt?

Meine Familie ist verrückte Dinge von mir gewöhnt. Meinen Vater und seine Familie stört die Kamera nicht sonderlich, dort bin ich auch oft zugegen. Meine anderen Familienmitglieder sehe ich technisch bedingt nur selten. Nicht überall sind Internet oder UMTS in ausreichender Netzstärke verfügbar. Obwohl es mein größter Wunsch wäre, mein Leben in meinem Heimatdorf Jänschwalde zu zeigen. Dort bin ich am liebsten. Aber leider ist dort der UMTS-Turm noch nicht freigeschaltet.

Was sagt die Freundin?

Meine Freundin ist sieben Tage vor diesem Projekt nach Südafrika gegangen. Wir haben uns vorher getrennt. Das hatte nichts mit TruemanTV zu tun. Aber sie war von der Idee überhaupt nicht begeistert und hätte mich auch deshalb verlassen. Allerdings ist mir dieser Bauernhof so wichtig, dass ich TruemanTV trotzdem gemacht hätte.

Wie groß ist Ihr Team?

Unser Team ist sehr klein. Wir sind drei Leute inklusive mir, die hauptberuflich daran arbeiten. Drei weitere helfen aus, so oft sie können. Damit kann man noch keine Bäume ausreißen. Aber Stück für Stück arbeiten wir uns heran. Wenn die Fans nicht wären, dann wäre das Projekt schon längst tot. Es arbeiten so viele nur aus Spaß und Freude mit, dass wir nur durch diese Menschen bis hierhin überleben konnten.

Wie finanzieren Sie sich eigentlich?

Wir finanzieren uns durch Werbeeinnahmen, Einladungen von Restaurants oder Discotheken. Wenn ich hier und da ein Essen spare und dafür Werbung machen kann, ist beiden geholfen. Das hat bisher auch recht gut geklappt. Wenn ich irgendwann meine Rechnungen bezahlen kann, dann war es das Projekt wert.

Laut Konzept müsste die Kamera auch in den intimsten Momenten Ihres Lebens dabei sein. Zum Beispiel beim Sex. Wie gehen Sie damit um?

Natürlich halten wir uns an den Jugendschutz. Wenn vor 23 Uhr etwas passiert, dann zeigen wir sowieso nichts. Ich habe die Kamera auch schon mal weiter weg gestellt, doch den Ton angelassen. So werde ich das wohl in Zukunft machen.

Was war Ihr schönstes Erlebnis vor der Kamera?

Die schönsten Erlebnisse sind die spontanen. Zum Beispiel als ein Taxifahrer seine Frau anrief und ihr erklärte, dass er jetzt auf TruemanTV zu sehen sei. Er hatte den Lautsprecher angeschaltet, und man konnte hören, wie sie antwortete, sie sei gerade nackt. Eine Menge Zuschauer haben sich köstlich amüsiert, weil das Gespräch noch sehr lange unterhaltsam verlief. Genau diese kleinen Dinge machen TruemanTV aus.

Und welches haben Sie negativ in Erinnerung?

Das negativste Erlebnis war der interne Streit, der uns um Monate zurück warf. Nachdem soviel Potenzial verschleudert wurde, ging die Motivation so stark nach unten, dass ich meine Energie nur dafür verbrauchte. Jetzt haben wir wohl das Gröbste hinter uns. Das neue Jahr wird dann ein definitiver Neubeginn für mich und TruemanTV. Ich hoffe, ich kann dann alle bisherigen Fans entschädigen und wieder aufbauen, was zerstört wurde.

Wie gehen Sie mit Kritik um?

Die Kritik am Projekt war bisher oft mehr als gerechtfertigt. Zumindest wenn es um den Inhalt ging. Leider haben wir bisher nicht annährend das umgesetzt, was möglich gewesen wäre, um daraus eine tolle Sache zu machen. An jedem beliebigen Tag kann man sein Leben neu beginnen. Und das wird auch recht bald bei mir, dem Trueman, so sein. Ansonsten bekomme ich so viel Zuspruch von Fans, dass ich in jedem Fall durchhalten werde, auch in schwierigen Zeiten wie diesen. Trotzdem nehme ich mir Kritik leider sehr zu Herzen, weswegen ich mich auch ab und zu scheue, in meinen eigenen Chatraum zu schauen. Ich kenne die momentane Lage und kann nicht drüber sprechen. Jeder beschwert sich, dass nix passiert. Und leider kann ich nicht antworten. Das bringt mich um.

Würden Sie auch verlängern?

Nein. Das nimmt den dem Ende seinen Charme. Ich glaube, viele wollen die letzten Minuten von TruemanTV miterleben. Ganz von der Bildfläche werde ich nicht verschwinden. Ich denke, viele wollen wissen, wie so ein Leben nach TruemanTV aussieht und was aus unserem Traum geworden ist.

Glauben Sie, dass sich Ihr Traum verwirklichen lässt?

Ob mein Traum durch TruemanTV zu verwirklichen ist, weiß ich nicht. Dass ich ihn verwirklichen werde, steht außer Frage. Dafür gebe ich mein Leben her, wie man unschwer erkennen kann. Auch meine Freunde arbeiten daran. Ob es sich lohnt, ein anderes Leben aufzubauen, das weiß ich nicht. Aber diese Erfahrung möchte ich selber machen. Ein Zurück gibt es für mich erstmal nicht.

Interview: Matthias Lauerer
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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.