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Ebay: Schnäppchen-Tricks von Profi-Käufern

Powershopper, die viel bei Ebay einkaufen, haben ganz besondere Strategien, um gute Geschäfte zu machen. Hier verraten erfahrene Käufer ihre persönlichen Sparmaßnahmen.

Wer viel über Ebay kauft, entwickelt irgendwann aus Erfahrung eigene Strategien, um möglichst günstige Schnäppchen zu erkennen und zu ersteigern. Elf Power-Shopper verraten ihre persönlichen Tricks zum Geldsparen.

Im Wesentlichen lassen sich die Empfehlungen so zusammenfassen: flexibel sein, zur Not einige Mühe auf sich nehmen und sich anders verhalten als die Masse. Wie diese Grundregeln umgesetzt werden können, schildern erfahrene Ebay-Nutzer, die jeden Trick kennen.

Protokolle: Christoph Henn

Schlechter Text, guter Preis

Benedikt Schmidt, 22, Bad Neustadt:

"Als Kunde freut man sich ja, wenn in der Auktion die Ware genau beschrieben und auf Fotos gut zu sehen ist. Aber für Schnäppchen kann es sich lohnen, gezielt nach Auktionen zu suchen, bei denen genau das nicht der Fall ist. Ich hatte mit dieser Strategie schon mehrmals Glück. Mein bester Griff war ein Schreibtisch der Designermöbel-Marke Vitra, der neu etwa 2000 Euro kostet: Der war bei Ebay ohne ein einziges Bild und mit einer grottenschlechten Beschreibung eingestellt. Natürlich ist es immer ein Risiko, auf etwas zu bieten, das man nicht sieht und über das wenig erklärt wird. Ich tat es trotzdem - und bekam dieses Wahnsinns- Teil für läppische 50 Euro!"

Günstiger shoppen in Übersee

Sandy Sawilla, 31, Oldenburg:

"Wenn der Zoll in Deutschland nicht so streng wäre, würde ich überhaupt nur noch bei Ebay USA einkaufen. So wie der Dollar momentan steht, ist dort einfach fast alles billiger als bei uns. Das gilt vor allem für amerikanische Marken- Klamotten, die es hier zum Teil gar nicht oder nur deutlich teurer gibt. Für manche Jeans des Luxus-Labels 7 For All Mankind müsste ich in Deutschland 270 Euro hinblättern - über Ebay.com zahle ich dafür maximal 80 bis 90 Euro. Ein Ed- Hardy-Shirt habe ich vor kurzem gar für 25 Euro bekommen. Und das war keine Fälschung, sondern ein Original. Ich habe mittlerweile einen festen Stamm von Verkäufern in den USA, denen ich in dieser Hinsicht vertrauen kann. Mit einigen dieser Händler sind inzwischen sogar Mailfreundschaften entstanden."

Mehr für weniger kaufen

Mehr für weniger kaufen Hans Büttner, 38, Sulzbach-Rosenberg:

"Ich habe schon mehrfach festgestellt, dass es sich lohnen kann, Dinge im Paket zu kaufen. Bei mir sind das CDs, bei Büchern dürfte es aber genauso funktionieren. Schon wegen der Versandkosten ist es billiger, einen größeren Posten anstatt mehrerer einzelner Artikel zu kaufen. Natürlich sind in einer Kiste mit 20 CDs nur fünf dabei, die ich noch nicht habe oder die mir gefallen. Aber weil mir auch das Verkaufen Spaß macht, stelle ich die 15 CDs einfach wieder ein. Oft komme ich auf diese Weise am Ende null auf null raus - das heißt, die Platten, die ich wollte, hab ich umsonst bekommen."

Der Zeitpunkt zählt

Frank März, 34, Nürnberg:

"Ich halte es für extrem wichtig, im richtigen Moment einzukaufen. Der Sommer ist fürs Schnäppchenmachen viel besser geeignet als der Winter, wahrscheinlich weil dann die Leute - und damit Mitbieter, die die Preise hochtreiben - eher draußen sind als am Computer. Unabhängig von der Jahreszeit biete ich bevorzugt auf Angebote, die zu untypischen Zeiten auslaufen. Wenn man Geduld hat und etwas nicht sofort braucht, was ohnehin die Grundvoraussetzung für günstiges Einkaufen ist, führt diese Strategie auch zum Erfolg - zumindest bei mir: Nach meiner Erfahrung würde ich schätzen, dass ich bei einer Auktion, die um 10 Uhr morgens endet, 30 Prozent Rabatt gegenüber überlaufenen Abendangeboten raushole."

Zugtickets vor dem Verfall retten

Anna Reg, 55, Bamberg:

"Wer es richtig anstellt, kommt über Ebay unschlagbar günstig an Reisen. Die wichtigste Voraussetzung ist, dass man extrem flexibel ist - sowohl beim Ziel als auch beim Zeitpunkt der Reise. Denn die besten Schnäppchen gibt es nicht bei professionellen Anbietern, sondern bei Privatverkäufern, die etwa ein Zugticket für eine bestimmte Strecke an einem bestimmten Tag kurzfristig loswerden müssen. Auf diese Weise sind mein Mann und ich schon für 27 Euro von Bayern nach Hamburg und zurück gefahren. Auch Übernachtungen bekommen wir so regelmäßig zum Spottpreis: Einmal habe ich einen Gutschein für zwei Nächte mit Halbpension für zwei Personen im Ramada- Hotel Leipzig gekauft - für läppische 19 Euro. Weil der Gutschein nur noch wenige Wochen gültig war, wollte der Besitzer ihn unbedingt loswerden. Ich rief nach dem Kauf beim Hotel an, das den Gutschein ohne zu murren um zwei Monate verlängerte. Aber wie gesagt: Die Strategie funktioniert nur, wenn man nicht unbedingt zu einer bestimmten Zeit an einen bestimmten Ort will. Wir richten uns einfach nach dem Angebot und kommen so in Gegenden, an die wir selbst gar nicht gedacht hätten. Den Gutschein für unsere nächste Reise habe ich schon: vier Tage Bad Birnbach in Niederbayern für 100 Euro."

Amateure bevorzugt

Michael Zehetner, 31, München:

"Wir kaufen fast alles, was wir brauchen, bei Ebay: Damenklamotten, Herrenhemden, Spielsachen, Möbel, Instrumente, Geschirr. Damit wir mit überteuerten Angeboten gar nicht erst konfrontiert werden, suchen wir grundsätzlich nur bei Privatverkäufern, indem wir bei der Suche die Option "nur gebrauchte Artikel" aktivieren. Wir tun das aus mehreren Gründen: Erstens sind uns gewerbliche Händler irgendwie suspekt, wir bevorzugen einfach den flohmarktartigen Handel; zweitens finden wir nur bei Privaten Dinge, die man im regulären Handel nicht mehr bekommt, etwa eine Ergänzung zu unserer alten Besteckgarnitur; und drittens lassen sich bei gebrauchten Sachen die besten Schnäppchen machen. Ich trage zum Beispiel am liebsten Hemden von Jacques Britt. Die bekomme ich für 13 bis 15 Euro - zwar getragen, aber fast immer im Top-Zustand - während ich im Handel das Fünffache bezahlen müsste."

Nie zu viel bieten

Hans Büttner, 38, Sulzbach-Rosenberg:

"Günstig einkaufen kann man nur, wenn man den Marktwert einer Ware kennt. Um den herauszufinden, betreibe ich schon ein bisschen Aufwand: Wenn ich ein Album von einer bestimmten Band haben will, gehe ich erst einmal in die erweiterte Suche, tippe den Namen der CD ein und markiere "nur beendete Angebote". Dann sehe ich, in welchem Preiskorridor sich dieser Artikel bei Ebay bewegt, und pendle mich mit meinem Gebot im unteren Drittel dieses Preiskorridors ein. Wenn etwa eine CD bislang bei 25 bis 40 Euro endete, würde ich mir 28 Euro als Limit setzen und dann so oft bei Auktionen mitbieten, bis ich den Zuschlag erhalte - verbunden mit dem schönen Gefühl, weniger gezahlt zu haben als viele andere Interessenten."

Gegen den Strom

Claudia Spranz, 42, Hoffenheim:

"Wenn's geht, versuche ich mich bei Ebay anders zu verhalten als die große Masse der Käufer. Der Klassiker ist natürlich, auf Auktionen zu bieten, die zwischen ein Uhr nachts und sechs Uhr früh enden, wenn kaum Käufer am Computer sitzen. Aber ich gehe noch weiter, um mich von anderen abzuheben: Hohe Versandkosten etwa schrecken viele Käufer ab - aber wenn der Kaufpreis dafür niedriger bleibt, kann es sich lohnen, mehr Porto zu zahlen. Manchmal schaue ich mir auch gezielt die Angebote von Verkäufern mit relativ schlechtem Bewertungsprofil an, bei denen die meisten Mitglieder aus Prinzip nicht kaufen würden. Dann prüfe ich die Kommentare, um zu sehen, warum der Verkäufer negativ bewertet wurde. Oft lese ich nur Kritikpunkte, die mich persönlich nicht stören, etwa "verlangt drei Euro Versandkosten, obwohl er nur 85 Cent draufklebt". In solchen Fällen, wenn es also keine Hinweise auf Betrug oder grobe Unzuverlässigkeit gibt, schlage ich gerne zu."

Zugaben abstauben

Sebastian Deck, 30, München:

"Ein Freund hat mir erzählt, dass es bei Handyverträgen oft Fernseher, Kameras und ähnliche Unterhaltungselektronik als Zugabe gibt. Also hab ich mir die Kategorie bei Ebay angeschaut und bin tatsächlich unschlagbar günstig an eine Wii gekommen: Ich musste dafür zwei Verträge zu je zehn Euro Grundgebühr à 24 Monate abschließen. Als Gegenleistung bekam ich nicht nur die Spielkonsole und zwei Motorola-Handys, sondern auch eine Barauszahlung über 384 Euro, sodass mich die Verträge de facto nur je zwei Euro im Monat kosten. Ein Handy habe ich meiner Freundin geschenkt, das andere verkaufe ich noch. Wenn ich 20 Euro dafür bekomme, hat mich die Wii alles in allem rund 80 Euro gekostet - regulär hätte ich fast das Dreifache gezahlt. Da nehme ich gern in Kauf, dass solche Handy-Geschäfte umständlicher sind, als wenn man direkt das gewünschte Gerät kauft: Ich musste mehrere Extra-Optionen stornieren, durch die zusätzliche Kosten entstanden wären, und darf auf keinen Fall vergessen, die Verträge vor Ende der Laufzeit zu kündigen - sonst wird das Schnäppchen im Nachhinein noch richtig teuer."

Selbst ist der Mann

Jens Leske, 36, Berlin:

"Bei Ebay gibt es eine praktische Funktion namens 'Umkreissuche', die ich oft nutze. Wenn ich Dinge wie Möbel brauche, wo der Versand so viel oder noch mehr als das Produkt selbst kosten würde, gehe ich direkt in die erweiterte Suche und markiere dort 'Artikelstandort 25 km' als Entfernung zu meiner Postleitzahl. So sehe ich nur die Angebote von Verkäufern in meiner Nähe. Nur wenn dabei gar nichts Brauchbares kommt, suche ich ohne Ortseinschränkung. Bei anderen Dingen, die sich leicht verschicken lassen, gehe ich umgekehrt vor: Erst sehe ich mir das komplette Angebot an, dann schaue ich, ob es eine CD oder ein Buch zum selben Preis in meiner Stadt gibt. Da ich in Berlin wohne, ist meine Selbstabholer-Quote recht hoch - und ich konnte so schon viel Versandkosten sparen."

Immer mit der Ruhe

Immer mit der Ruhe Claudia Spranz, 42, Hoffenheim:

"Im Laufe der vielen Jahre, die ich jetzt schon als Sammlerin bei Ebay aktiv bin, habe ich gelernt, dass man nicht immer alles sofort haben muss. Geduld ist die wichtigste Eigenschaft eines Schnäppchenjägers. Ich sammle Katzenbücher und habe bei Ebay mehrere Suchanfragen gespeichert, die mich täglich über neu eingestellte Angebote informieren. Während ich anfangs gewisse Bücher regelrecht gejagt habe, halte ich mich nun bei aktuellen Bestsellern zurück und warte, bis sie nicht mehr von jedem gekauft werden - denn erst dann bekommt man sie zu guten Preisen. Selbst wenn ich etwas schon lange suche, würde ich heute nicht mehr bei der erstbesten Auktion zuschlagen: Nichts ist bei Ebay einmalig, alles kommt wieder ins Angebot."