HOME

Facebooks Imagekampagne: Zuckerberg plant deutsche Charmeoffensive - doch ein Detail verschweigt er

Mit einer breit angelegten Werbekampagne will Facebook in den nächsten Wochen die Deutschen für sich gewinnen. Das wichtigste Thema bleibt außen vor: die Hasskommentare. Dafür braucht man schon viel Chuzpe.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg will die Deutschen mit einer neuen Imagekampagne umgarnen - weicht den wichtigsten Fragen aber aus

Facebook-Chef Mark Zuckerberg will die Deutschen mit einer neuen Imagekampagne umgarnen - weicht den wichtigsten Fragen aber aus

Mark Zuckerberg ist Manager mit Weitsicht. Als einer der Ersten hat er erkannt, dass die digitale Welt auf dem Smartphone ausgespielt wird - und Facebook danach ausgerichtet. Als einer der Ersten hat er auch massiv in die Technik der Virtual Reality investiert, der virtuellen Welten, der Scheinwelten. In Deutschland kann sich Facebook jedoch offenbar nicht aus seiner ganz eigenen Scheinwelt befreien.

Davon zeugt der jüngste Vorstoß des Konzerns: Eine groß angelegte Werbekampagne, eine Imagekampagne, an der in den kommenden sechs Wochen kaum jemand vorbei kommen wird. Ab Montag wird Facebook erstmals Anzeigen im Print schalten, in Tageszeitungen und Zeitschriften, auch Außenwerbung wird es geben. Zwei Wochen später sollen Werbefilme im Fernsehen folgen. Zielgruppe: ganz Deutschland, Motto "Mache Facebook zu deinem Facebook". Offenbar hat Facebook endgültig erkannt, dass das Misstrauen gegenüber dem Konzern hier besonders groß ist - und will nun auch mit Offline-Methoden gegensteuern.

Facebook hört nur, was es hören will

"Deutschland ist uns wichtig. Die Deutschen sind uns wichtig", hieß es bei einer Vorabvorstellung der Kampagne. Mit rund 850 Deutschen habe man deshalb gesprochen, um die "echten Fragen und Sorgen von Menschen aus Deutschland herauszufinden." Von den Gesprächspartnern hat Facebook 31 ausgewählt. Auf Plakaten formulieren die jetzt konkrete Schwierigkeiten bei der Handhabung des sozialen Netzwerks.

So sagt eine Frau: "Ich hab mal etwas gepostet, was ich nie, nie, nie hätte teilen sollen" - und daraufhin erklärt ein kleiner Text, dass Inhalte auf Facebook gelöscht werden können. Ähnliche Motive gibt es zu verwandten Themen: von einer besseren Kontrolle der Privatsphäre bis hin zur Löschung eines Kontos. Auf Facebook sollen auch gezielt Hilfsvideos angeboten werden. 29 Millionen aktive Nutzer hat das soziale Netzwerk in Deutschland.

Dass Facebook eine Kampagne startet, um Menschen zu erklären, wo sie Häkchen setzen müssen, um sich besser zu schützen, ist hilfreich. Erstaunlich ist jedoch, dass bei dieser Kampagne, bei der Facebook Menschen angeblich zugehört hat, das größte Imageproblem des Konzerns außen vor bleibt: die Hasskommentare, die Gülle, die überall aus dem weißen "f" auf die Bildschirme der Laptops und Smartphones quillt.

Der Konzern startet allen Ernstes eine Charmeoffensive - und ignoriert gezielt die Probleme, die derzeit am meisten im Zusammenhang mit Facebook diskutiert werden. Facebook hört vielleicht zu. Aber es hört nur, was es hören will. Das ist die wahre Botschaft dieser Kampagne.

Trump versus Clinton: Wie Facebook den US-Wahlkampf manipuliert

Maas droht mit Maßnahmen

Denn tatsächlich hat das Unternehmen immer noch nicht verraten, wie viele deutschsprachige Mitarbeiter sich genau um beanstandete Kommentare kümmern. Es gibt immer noch massive Beschwerden, dass Facebook rechtlich fragwürdige oder sogar strafbare Posts nicht oder nicht schnell genug löscht, dass es sich sperrt, wenn deutsche Ermittler die Urheber jagen wollen.

Facebook steht in dem Verdacht, sich immer wieder geschickt und mit warmen Worten deutschem Recht zu entziehen. Justizminister Heiko Maas hat erst diese Woche wieder mit gesetzlichen Maßnahmen gedroht. Und dann starten die eine Imagekampagne, in der sie so tun, als gäbe es das Hassthema gar nicht. Dafür braucht man schon viel Chuzpe.

Facebook wirbt mit Gesichtern ohne Identität

Freilich wehren sie sich bei Facebook gegen den Vorwurf. Die Kampagne stehe erst am Anfang. Natürlich hätten sie Hassrede, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus auf dem Schirm, nähmen das sehr ernst, stünden zu ihrer Verantwortung. Nur sei das Thema eben sehr komplex. Man werde "Hassrede und Counterspeech" in den nächsten "Wochen und Monaten" stärker adressieren.

Die Haltung ist genauso erstaunlich wie die Tatsache, dass die "Protagonisten", die Deutschen, die Facebook in seiner Kampagne auftauchen lässt, zwar Gesichter haben, aber keine Namen, kein Alter, keinen Herkunftsort, keinen Beruf. Facebook wirbt mit Menschen mit Gesicht, aber ohne Identität.

Dabei beharrt der Konzern sonst strikt darauf, dass sich dort nur registrieren kann, wer seinen echten Namen angibt. Es ist dem Konzern ungemein wichtig, genau zu wissen, mit wem er es zu tun hat. Es ist so vieles nicht stimmig bei Facebooks Versuch, die Deutschen für sich zu gewinnen. Das macht es nicht leichter, der Weltsicht dieses Konzerns Glauben zu schenken.