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Mozilla will Browser neu erfinden: Ist der Firefox endgültig am Ende?

Der Firefox war lange der beliebteste Browser, seit einigen Jahren stürzt er immer weiter ab. Nun will Entwickler Mozilla den Browser von Grund auf neu erfinden - und setzt dazu ausgerechnet auf Technik des schärfsten Konkurrenten.

Mozilla Firefox

Der Firefox war einst der beliebteste Browser. Dann kamen Chrome und Apps.

Lange Zeit war der Web-Browser der einzige Zugang zum Internet. Und der Firefox war der König der Browser, weit vor dem Internet Explorer. Der war zwar bei Windows vorinstalliert, wurde aber von vielen Nutzern bloß einmal gestartet - um den flinken Fuchs auf den Rechner zu laden. Doch dann kamen Smartphones mit ihren Apps, auf dem Rechner raste Google Chrome an allen vorbei. Und der Marktanteil des Firefox bröckelt immer weiter. Jetzt wollen die Entwickler der Krise endlich ein Ende machen und den Firefox von Grund auf neu erfinden. Dazu muss ausgerechnet die Technik des härtesten Konkurrenten herhalten. Steht der Firefox am Abgrund?

Mit "Projekt Tofino" will der Firefox-Entwickler Mozilla den Browser noch einmal vollkommen neu denken. Denn dessen Rolle hat sich seit den ersten Internet-Programmen vor knapp 20 Jahren drastisch verändert. Früher war er ein Programm von vielen, heute starten viele Nutzer gar keine anderen Programme mehr. Soziale Netzwerke, Mails, Fotobearbeitung, Nachrichten, Navigation, Musik hören und Videos schauen - geht alles im Browser. Die Grundfunktionen und die Bedienung sind aber immer noch dieselbe wie vor 1996, bemängelt der Firefox-Chefdesigner Philipp Sackl in einem Blog-Eintrag. Der Browser ist immer noch so gebaut, wie zu der Zeit, als man damit nur Texte lesen konnte. Und da kommt nun Projekt Tofino ins Spiel.

Endlich ein neuer Browser

Das klare Ziel: Einen Browser zu erfinden, der zur Technik des Jahres 2016 passt, von Grund auf an die neuen Surf-Bedürfnisse angepasst. Klingt super. Nur wie man das anstellt, ist leider nicht so klar. Mozilla will daher erst einmal einfach ein bisschen herumexperimentieren. Und setzt dazu ausgerechnet auf die Technik der Konkurrenz. Statt den Gecko genannten Grundbau des Firefox einzusetzen, baut man jetzt auf Chromium - dem technischen Gerüst des Chrome Browsers. Auf dessen Basis habe man Prototypen entworfen "die beinahe überhaupt nicht mehr wie Firefox wirken und sich auch nicht so anfühlen", wie Firefox-Chef Mark Mayo betont.

Dass der Wechsel auf Chromium nicht gerade ein Signal für die Stärke des Firefox ist, ist den Machern mittlerweile wohl auch aufgefallen. Mayo ist in seiner Ankündigung von Projekt Tofino stark zurückgerudert - und betont, es diene nur zur Erforschung neuer Interface-Ideen. Auch an Gecko werde weiter geforscht und er sei sehr gespannt auf die Zukunft des Unterbaus.

Ist das das Ende des Firefox?

Trotzdem stellt sich die Frage: Wenn der neue Browser so radikal anders ist, warum sollte er dann überhaupt als neue Version des Firefox fungieren? Die treuesten Fans des Feuerfuchses dürften alles andere als begeistert sein, wenn ein Update plötzlich alles über Bord wirft, was über Jahre gelernt wurde. Das wird man auch bei Mozilla wissen. So könnte es also durchaus sein, dass Tofino irgendwann als ganz eigenständiger Browser auf den Markt kommt - und der Firefox wegen mangelnder Weiterentwicklung tatsächlich langsam stirbt. Oder er überlebt seinen potenziellen Nachfolger. Weil die Kunden dann doch nicht zu viel Revolution wollten.