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WWDC: Schneller, smarter, privater: Der Kampf der Browser geht in die nächste Runde

Der Zugang zum Internet ist weiter schwer umkämpft. Nachdem lange Zeit die Geschwindigkeit der entscheidende Faktor war, versuchen nun selbst Browser wie Google Chrome mit Privatsphäre zu punkten - und Apple und Co. legen wieder nach. Werden die Karten nun neu gemischt?

Bei der WWDC zeigte Apples Software-Chef Craig Federighi den neuen Safari-Browser

Bei der WWDC zeigte Apples Software-Chef Craig Federighi den neuen Safari-Browser

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Lange Zeit gab es auf dem Browser-Markt nur eine Währung: Der Browser, der die Webseiten am schnellsten lud, war der König des Internets. Der Internet Explorer verlor so seinen Thron an den Firefox, der sich wiederum vor einigen Jahren Chrome geschlagen geben musste. Jetzt kommt immer mehr der Schutz der Privatsphäre als neues Verkaufsargument dazu. Der Kampf der Browser geht gerade in die nächste Runde.

Wie wichtig das Thema ist, zeigte letzten Monat ausgerechnet Google. Der Konzern ist einer der größten Datensammler der Welt, füttert mit seinen unzähligen Diensten die Datenbanken für seine personalisierte Werbung. Dass nun im Mai selbst Googles Chrome mit neuen Datenschutz-Funktionen punkten wollte, zeigt, dass die Kunden für das Thema deutlich sensibler geworden sind.

Datensammler bekommen es schwerer gemacht

Dabei fielen die Google-Maßnahmen recht zaghaft aus. Im Privaten Modus können Nutzer es nun verhindern, dass Webseiten Cookies setzen und sie auch über das Beenden des Modus hinaus mit Trackern verfolgen, kündigte Google im Rahmen der großen Chrome-Privacy-Offensive an. Die Krux der Kampagne: Viele Nutzer hatten dieses Verhalten im Privaten Modus ohnehin für gegeben gehalten, dürften also eher einen negativen Eindruck vom Google-Browser bekommen haben.

Wie es besser geht, zeigen seit Jahren Apples Safari und der Mozilla Firefox. Der große Vorteil der populären Underdogs: Anders als bei Google gehört das Datensammeln nicht zum Geschäftsmodell, der Schutz der Kunden ist für sie kein Interessenkonflikt. Während Mozilla als gemeinnützige, Spenden-finanzierte Stiftung den Schutz der Privatsphäre glaubwürdig zum Kernthema erhoben hat, entdeckte Apple das Thema vor einigen Jahren als Verkaufsargument für seine Hardware. Tim Cook und sein Team mögen den Kampf um die Privatsphäre auch aus idealistischen Gründen führen, dass er dem Geschäft nicht schadet sondern sogar hilft, dürfte trotzdem ein entscheidender Faktor für Apples immer stärkeres Engagement für die Privatsphäre sein.

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Starke Position für Apple

Und Apples Marktmacht erlaubt es dem Konzern, den Kurs auch gegen Widerstände durchzudrücken. Als Apple das Nachverfolgen von Nutzern durch sogenanntes Fingerprinting erschwerte, erschütterte das die Werbeszene. Unternehmen konnte sie nichts: Mit knapp 19 Prozent weltweit über alle Plattformen hinweg ist Apples Safari-Browser der zweitbeliebteste Browser der Welt. In einigen Märkten wie den USA erreicht Apple im Mobilbereich dank der Beliebtheit des iPhones sogar über 50 Prozent. Eine solche Entscheidung des Konzerns hat für den Markt also spürbare Folgen.

Und auch die jüngsten Ankündigungen anlässlich der gerade laufenden Messe WWDC dürften in der Branche Wellen schlagen: Ab dem Erscheinen der neuen Systeme im Herbst können Safari-Nutzer mit nur einem Klick sehen, welche Trackingdienste eine Webseite ihnen so auf den Hals hetzt. So manche zu neugierige Webseite wird es sich dann dreimal überlegen, ob der dreißigste Tracker auch noch gebraucht wird.

Mehr Kontrolle für die Nutzer

Vor allem gibt Apple den Nutzern deutlich mehr Kontrolle über den Browser. Um das Angebot an Erweiterungen anzukurbeln, setzt Apple nun auf Webkit. So sollen Extensions für andere Browser sich schneller für Safari nutzbar machen lassen. Wie die sich verhalten, kontrolliert der Nutzer: Die Berechtigungen der teils mächtigen Extensions lassen sich für einzelne Seiten, für einen einzelnen Besuch oder für einen einzelnen Tag geben. So soll der mögliche Missbrauch durch die Betreiber der Erweiterungen minimiert werden. Um den Zugang zu wichtigen Webseiten zu schützen, prüft Safari dann zudem selbstständig, ob die Zugangsdaten wie Passwörter in Datenlecks aufgetaucht sind und damit kompromittiert sind. Davor warnt auch Google Chrome seit einiger Zeit.

Trotzdem verliert Apple den für viele Nutzer weiter wichtigsten Faktor nicht aus den Augen: Der neue Safari sei 50 Prozent schneller als Google Chrome, versprach Apples Software-Chef Craig Federighi bei der Präsentation. Das wäre beeindruckend. 

Geschwindigkeit ist nicht (mehr) alles

Dass Geschwindigkeit alleine nicht ausreicht, musste Konkurrent Microsoft gerade erst auf die harte Tour lernen. Mit dem Nachfolger des Internet Explorer, dem mit Windows 10 eingeführten Browser Edge, wollte der Konzern seine einst unschlagbare Position im Browsermarkt zurückerobern. Edge war schlanker und schneller als der Internet Explorer - den Nutzern aber leider genauso egal.

Das konnte auch eine aufsehenerregende Maßnahme Anfang des Jahres nicht ändern: Seit Januar läuft Edge auf dem Unterbau Chromium - und damit auf der Basis von Google Chrome. Der Schritt ist letztlich logisch. Nachdem der Internet Explorer jahrelang mit seiner Übermacht den Standard der Internetseiten-Darstellung definierte, kommt diese Rolle eben nun Chrome zu. Wollte Microsoft die Performance des Konkurrenten erreichen, musste sich der Konzern anpassen.

Doch auch wenn Edge tatsächlich deutlich besser läuft, als das am Anfang der Fall war, konnte Microsoft die verlorenen Kunden nicht mehr erreichen. Weltweit kommt Edge aktuell auf einen Marktanteil von nur 2 Prozent. Selbst auf dem Desktopmarkt, auf dem Windows immer noch die unangefochtene Nummer eins ist, nutzen nur 4 Prozent den Browser. 

Browserwechsel als Ausnahme

Microsoft ist mit seiner Situation allerdings alleine. Auf Smartphones und Mac-Rechnern scheinen die Nutzer deutlich weniger wechselwillig zu sein. Stets sind vorinstallierte Browser die erste Wahl. Selbst der nur für Smartphones verfügbare Samsung-Browser kommt so mit 3 Prozent der weltweiten Nutzer auf einen höheren Wert als Edge.

Unter dieser Situation leidet auch der Firefox: Die einst beliebteste Alternative zum Internet Explorer schaffte es nicht, sich auch auf dem Smartphone durchzusetzen, verlor gleichzeitig aber auch auf dem Desktop immer weiter gegen Chrome. Mit einem gigantischen Umbau unter der Haube und vielen Privacy-Features wollte Firefox im Herbst 2017 den Neustart schaffen. Bei den Nutzern kam das aber nicht an: Die Schwankungen im Marktanteil liegen seit 2017 unter einem Prozent.

Ein wichtiger Grund für die Wechselunwilligkeit auf dem Smartphone dürfte zumindest auf dem iPhone auch gewesen sein, dass Apple es bisher nicht erlaubt, den Standardbrowser zu wechseln. Genau das soll nun aber mit iOS 14 möglich werden. Dann wird der Wettbewerb auf dem iPhone noch einmal spannend. Der größte Profiteur der Änderung dürfte aber eher nicht der Firefox oder gar der ebenfalls für das iPhone verfügbare Edge sein - sondern Google Chrome. Doch genau das sollen die neuen Safari-Features ja verhindern.

Quellen: Apple, Statcounter