HOME

Kritik an Nackt-Inhalten: Youtube und die Macht der sexuellen Reize

Immer mehr Youtuberinnen setzen zur Steigerung ihrer Reichweite auf das Thema Pornografie. So wie auch die 19 Jahre alte Leipzigerin Katja Krasavice, deren Kanal Hunderttausende Abonnenten hat. Darf man Kindern und Jugendlichen so etwas zeigen?

Von Kim Schwarz

Youtuberin Katja Krasavice: Mit nackter Haut zum Erfolg

Youtuberin Katja Krasavice: Mit nackter Haut zum Erfolg

"Broadcast yourself", das ist das Motto von Youtube. Zu Deutsch etwa: Sende dich selbst. Auch in Deutschland gibt es mittlerweile zahlreiche Youtuber, die sich mit ihren Kanälen auf der Videoplattform etabliert haben. Doch die Konkurrenz wird immer größer, egal ob zu den Themen Beauty, Gaming oder Comedy, das Angebot steigt stetig. Was macht man also, um in der weiten Youtube-Landschaft nicht unterzugehen?

Ein paar Stunden surfen auf Youtube zeigen: Die Plattform hat sich im Vergleich zu früher stark verändert. Extreme Inhalte sind immer häufiger zu finden - sie bringen Klicks und Reichweite. "Ekel Faktor!!!!!", steht gefühlt in jedem zweiten Videotitel. Aktuell schmieren sich junge Menschen für die "100 Schichten"-Challenge Kleber, Haarspray oder Nutella ins Gesicht oder lassen sich in Frischhaltefolie einwickeln. Auch mit dem Thema Sex gehen Youtuber immer expliziter um.

Youtube-Star "Sexy Julia": Die Daniela Katzenberger des Webs


"OHA! So sahen meine Titten mit 12 aus"

Für Diskussionen sorgt seit längerem die 19 Jahre alte Katja Krasavice aus Leipzig. Ihr Youtube-Kanal zählt mittlerweile mehr als 680.000 Abonnenten - und die gebürtige Tschechin hat ein einfaches, aber offenbar wirkungsvolles Konzept: Knapp bekleidet hält sie ihre Brüste in die Kamera, fasst sich an und redet über Sex. "DAMIT mach ich's mir IN DER WANNE", "OHA! So sahen meine Titten mit 12 aus", "So kriegt man MICH ins BETT", lauten einige ihrer Titel.

Die Videos sind nicht sehr aufwändig produziert: Meist ist Krasavice in ihrer Wohnung zu sehen und erzählt. Doch sie erreicht Klickzahlen, von denen viele andere nur träumen können. Fast jedes ihrer Videos hat mehr als eine Million Aufrufe. 

Krasavices Kanal gehört damit zu den erfolgreichsten in Deutschland. Doch im Netz ist sie umstritten: Was hat eine Frau, die sich vor der Kamera auszieht und eindeutig auf die sexuellen Phantasien ihrer jungen Zielgruppe setzt, auf Youtube zu suchen - einer Plattform, auf der sich nachweislich viele Kinder und Jugendliche tummeln?

An den Grenzen der Youtube-Richtlinien

"Immer mehr Youtuberinnen setzen zur Steigerung ihrer Bekanntheit auf das Thema Pornografie", sagte Anja Zimmermann vom Portal jugendschutz.net zum stern. "Ziel ist es, durch hohe Klickzahlen zum Youtube-Star zu avancieren und so an Werbeverträge zu gelangen." Konkrete Jugendschutzverstöße sieht sie aber nicht. "Oft wird mehr versprochen, als tatsächlich passiert. Die Grenzen der Youtube-Richtlinien werden zwar oft ausgereizt, aber nur selten überschritten."

Instagram-Trend #Fishbras: Wieso Menschen ihre Brust mit Fischen bedecken

In den Richtlinien heißt es unter anderem: "Videos mit sexuell provokativen Inhalten werden von Youtube häufig abgelehnt." Tatsächlich löscht Youtube die Videos von Krasavice nicht, sondern versieht sie höchstens mit einer Altersbeschränkung - und das auch nur bei den wenigsten Videos. Als Nutzer muss man sich dann mit einem Konto anmelden, bei dem man zuvor bestätigt hat, mindestens 18 Jahre alt zu sein. Ob das Alter stimmt, prüft Youtube allerdings nicht nach.

Tatsächlich sind die Thumbnails von Krasavices Videos oft reißerischer als der Inhalt selbst. Grenzwertig ist es in vielen Fällen trotzdem. In einem Video hockt die 19-Jährige auf dem Boden und lässt sich eine weiße Flüssigkeit in den Mund spritzen - Milch, klar. Aber mit den männlichen Zuschauern geht die Phantasie durch, dazu genügt ein einziger Blick auf die Kommentare. 

"Die macht das ganze hier zu Youporn"

Laut dem Vorsitzenden der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM), Andreas Fischer, liegen zum Kanal von Katja Krasavice Nutzerbeschwerden vor. Auf "change.org" gibt es sogar eine Petition, die fordert, Katja Krasavice von Youtube zu verbannen, da sie "Videos mit sexuellen Inhalten" produziere. 

Unter anderen Youtubern genießt Krasavice zum Teil einen sehr schlechten Ruf: Auf der Plattform gibt es diverse "Hater"-Videos, in denen die Leipzigerin scharf angegriffen wird. "Für mich ist das eindeutig sexueller Inhalt. Rein theoretisch müsste Youtube ihren Kanal direkt löschen, weil es gegen die Richtlinien ist", findet Youtuber "KuchenTV".  "Aber sie hat nun mal einiges an Reichweite und für diese Youtuber gibt es so gut wie keine Regeln für Google, ist leider so." 

In einem anderen Video beschwert sich Youtuber "SomeOne": "Was macht Katja Krasavice auf ihrem Kanal? Kleine Kinder aufgeilen. Ich dachte Youtube ist Youtube. Die macht das ganze hier zu Youporn." 

Virtual Reality Porno

Google verweist auf Jugendschutz-Einstellungen

Laut Anja Zimmermann von jugendschutz.net ist es die Aufgabe von Youtube beziehungsweise Google, jüngere Zielgruppen vor ungeeigneten Inhalten zu schützen. "Betreiber, deren Plattformen auch von Kindern und Jugendlichen genutzt werden, sind in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass ihr Angebot nicht zur Verbreitung von jugendgefährdenden Inhalten missbraucht wird."

Google teilte auf Anfrage des stern mit, dass man zu einzelnen Videos oder Kanälen grundsätzlich keine Stellung nehme. Ein Sprecher des Unternehmens verwies auf diverse Einstellungsmöglichkeiten, mit denen jüngere Internetnutzer vor bestimmten Inhalten geschützt werden können.

Dazu gehören zum Beispiel die bereits erwähnte Altersbeschränkung, mit der entsprechende Videos nur von eingeloggten Nutzern eingesehen werden können. Des Weiteren kann man mit einem sogenannten eingeschränkten Modus auf Youtube surfen, in dem potenziell unangemessene Inhalte ausgeblendet werden.

Wie sehr können Eltern ihre Kinder kontrollieren?

Es ist jedoch fraglich, ob die jüngeren Youtube-Nutzer solche Möglichkeiten überhaupt nutzen. Es wird Fälle geben, in denen die Eltern das Nutzungsverhalten der Kinder regeln - doch auch die müssen die Einstellungsmöglichkeiten erst einmal kennen. "Der Bekanntheits- und Verbreitungsgrad von Jugendschutzprogrammen und weiteren technischen Schutzoptionen muss noch erhöht werden", gibt Andreas Fischer von der KJM zu. Bei dem nächsten Austauschgespräch mit Google wolle man das Thema ansprechen, hieß es. In der Zwischenzeit wird der Streit um Fälle wie Katja Krasavice einfach weiter in den Kommentarspalten von Youtube ausgetragen.