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Kauf von Spezialfirma Skybox Warum Google 500 Millionen Dollar für Satelliten ausgibt


Google schaut in dem Himmel: Eine halbe Milliarde Dollar gibt der Konzern für Skybox aus, einen Spezialisten für hochauflösende Satellitenbilder. Aber was will Google mit dem Startup aus Kalifornien?
Von Timo Brücken

Googles Einkaufstour geht weiter. Nächstes Objekt der Begierde: das kalifornische Startup Skybox, für eine halbe Milliarde US-Dollar, umgerechnet rund 370 Millionen Euro. Die Firma aus Mountain View nahe San Francisco, wo auch Google seinen Sitz hat, ist auf das Schießen von hochauflösenden Satellitenbildern spezialisiert. Was will Google mit so einem Unternehmen? Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum 500-Millionen-Dollar Deal:

Wen kauft Google da eigentlich?

Skybox bietet seinen Kunden das Beobachten gewünschter Gebiete per Satellit an, entweder mit sehr detailreichen Fotos oder anhand von 90 Sekunden langen Videos. So sollen zum Beispiel Felder auf Insektenbefall überwacht werden können oder Energie-Pipelines auf Schäden. Auch die Auswertung der Container-Bewegungen in Häfen, der Aktivität auf Flughäfen oder der Bestände auf Parkplätzen von Autohändlern soll möglich sein. Die Satelliten, die Skybox dazu benutzt, gelten als vergleichsweise klein und leicht, was es recht günstig macht, sie ins All zu bringen. 24 von ihnen will das Unternehmen insgesamt in die Umlaufbahn schießen, der erste startete im November. Im Dezember warb das Unternehmen dann damit, das weltweit erste HD-Video von einem kommerziellen, ferngesteuerten Satelliten aus gedreht zu haben.

Wie passen Google und Skybox zusammen?

Skybox-Mitgründer Dan Berkenstock hat die Vision seiner Firma einmal so beschrieben: jedem die Möglichkeit geben, jederzeit zu sehen, was überall auf der Welt passiert. Google hat hingegen den Anspruch, "die Informationen der Welt zu organisieren und für alle zu jeder Zeit zugänglich und nützlich zu machen". Die Ziele beider Firmen sind sich also gar nicht so unähnlich. Skybox' Satelliten sind bloß ein weiteres Bauteil in Googles Datenverarbeitungsmaschinerie.

Was hat Google konkret vor?

Sicher ist, das die Satelliten helfen sollen, die Dienste "Google Maps" und "Google Earth" zu verbessern. Deren Karten und Bilder lassen sich besser auf dem neuesten Stand halten, wenn man eigene Satelliten hat statt auf fremde Dienstleister angewiesen zu sein. Außerdem hofft Google, so die Versorgung mit Internetzugängen in entlegenen Gebieten der Erde und die Hilfe bei Unglücken und Naturkatastrophen verbessern zu können. Aus dem gleichen Grund hat der Konzern im vergangenen Jahr schon mit Ballons experimentiert und im April den Drohnenhersteller Titan Aerospace gekauft.

Der Tech-Journalist Robinson Meyer glaubt, dass es noch einen dritten Grund für den Kauf gibt: Mit all den Daten über die Erde, die Skybox-Satelliten irgendwann sammeln werden, ließe sich ein riesiges Informationsarchiv anlegen. Mit Wetterdaten und Satellitenbildern, die zum Beispiel für Agrar- oder Logistikunternehmen sehr interessant sein könnten. Und diesen "Cloud-Service mit Daten über die Erde" wolle sich Google unter den Nagel reißen, bevor es die Konkurrenz tut.

Man müsse gar nicht bis in den Weltraum schauen, um den Skybox-Deal zu verstehen, schreibt Meyer: "Die wirkliche Antwort liegt in der Wolke."

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mit DPA

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