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Chile Auf dieser einsamen Insel lebte einst der echte Robinson Crusoe - jetzt soll das Homeoffice sie retten

Die Robinson Crusoe Insel gehört zu den abgelegensten Orten der Welt
Die Insel Robinson Crusoe gehört zu den abgelegensten Orten der Welt
© Fred Bruemmer/OKAPIA/ / Picture Alliance
Auf einer abgelegenen Pazifikinsel soll das mobile Arbeiten einen völlig neuen Ansatz geben, die dortige Umwelt zu retten. Hier lebte nämlich nicht nur das Vorbild für die berühmte Romanfigur Robinson Crusoe – sondern bald auch Remote-Arbeiter aus der ganzen Welt.

Leben und arbeiten, wo man will - das ist der wohl größte Vorteil des Homeoffice. Kein Wunder, dass immer mehr Menschen beim Jobwechsel nicht mehr unbedingt an den neuen Standort umziehen oder gleich überlegen, ob nicht das Landleben eine Alternative zur teuren Stadt ist. Für flexible Arbeiter aus der ganzen Welt bietet sich nun eine noch viel weiter gehende Idee: Sie können für eine Weile auf einer der abgelegensten Inseln der Welt weiterarbeiten. Und nebenbei die dortige Flora und Fauna schützen.

Die Idee klingt gleichzeitig einleuchtend und überraschend: Wenn man an jedem Ort der Welt arbeiten kann, ist das auch dort möglich, wo Freiwillige gebraucht werden, um die Natur zu schützen und die lokale Bevölkerung zu unterstützen. Genau das soll das Projekt "Work for Humankind" bewirken. Es wirbt um zehn Freiwillige, die ihren normalen Job in die Natur verlagern, um dann in ihrer Freizeit Unterstützung für Umweltschutz- und Nachhaltigkeitsprojekte vor Ort bieten zu können.

Auf Arbeitsreise ins Paradies

Konkret geht es um die Insel Robinson Crusoe, die als Teil der Juan-Fernández-Inseln knapp 600 Kilometer vor der Küste von Chile im Pazifik liegt. Die winzigen Inseln zählen zu den abgelegensten Orten der Welt und bieten einem einmaligen Ökosystem aus Pflanzen und Tieren sowie einer kleinen lokalen Gemeinschaft Heimat. Und bald eben noch zehn Freiwilligen aus der ganzen Welt.

Gestartet wurde das Projekt von Lenovo. Um die Vorteile des mobilen Arbeitens zeigen zu können, suchte der Konzern einen Ort, an dem man mit den aktuellen technischen Möglichkeiten Freiwillige anlocken konnte, ohne dass die ihren bisherigen Job aufgeben mussten. Gemeinsam mit der Naturschutz-Gruppe Island Conservation und der chilenischen Regierung wird nun das Projekt in Angriff genommen. Aus der ganzen Welt können sich nun Freiwillige auf den sechswöchigen Aufenthalt auf dem aus drei Inseln bestehenden Archipel bewerben. Geleitet und geplant wird das Projekt von Island Conservation, Lenovo stellt nur die technische Ausstattung zur Verfügung.

Robinson Crusoe Italiens verdrückt eine Träne, als er seine Insel nach 30 Jahren verlassen muss.

Sinnbild der einsamen Insel

Die Insel Robinson Crusoe ist nicht aus Zufall nach dem berühmtesten Schiffbrüchigen der Welt benannt. Tatsächlich wurde dort im Jahr 1704 der schottische Seemann Alexander Selkirk zur Strafe von einem Schiff ausgesetzt - und überlebte über vier Jahre völlig alleine auf der Insel. In die Heimat zurückgekehrt, erzählte er in einer Kneipe Daniel Defoe seine Geschichte. Der sie daraufhin im weltberühmten Roman verarbeitete, nach dem die Insel heute heißt.

Die abgelegene Lage macht das Leben auf der Insel noch heute zur Herausforderung. Alle paar Wochen liefert ein Boot Lebensmittel, Benzin und Drogerieprodukte. Die größtenteils vom Hummerfang lebenden etwa 900 Einwohner sind weitgehend auf sich selbst gestellt. Mit teils dramatischen Folgen: Als ein Erdbeben in Chile 2010 einen Tsunami auslöste, wurde schlicht vergessen, die Eiländer zu warnen. Die Folge war eine weitgehende Zerstörung der einzigen Stadt San Juan Bautista.

Der Juan-Fernandez-Kolibri ist stark gefährdet
Der Juan-Fernandez-Kolibri ist stark gefährdet
© Picture Alliance

Der Mensch brachte die Gefahr

Trotz der abgelegenen Lage ist die Natur auf der Insel stark gefährdet. Der nur auf einem Raum von elf Quadratkilometern nistende Juan-Fernandez-Kolibri gilt etwa als akut gefährdet. Hintergrund ist die Lebensweise der Vögel: Sie nisten nur in einer bestimmten Baumart, ernähren sich vom Nektar einer weiteren Art. Beide kommen durch die Verbreitung eingeführter Pflanzen und die von Menschen mitgebrachte Nutztiere wie Ziegen und Hasen immer seltener vor. Hinzu kommt die Gefahr durch die ebenfalls eingeführten Katzen und Ratten, die Jagd auf die Vögel machen und Nester plündern. Weitere Umweltprobleme entstehen durch Überfischung sowie von Schiffen angespülte Plastikreste, die sich am Strand sammeln.

Schutzprogramme für die fragile Umwelt der Inseln gibt es schon seit einigen Jahren, viele etablierte Maßnahmen scheitern aber an der fehlenden Infrastruktur vor Ort, klagt der Innovationsleiter von Island Conservation, David Will. Daher habe man sich zur Zusammenarbeit mit dem Technologie-Konzern entschieden. "Die Innovation wird uns in die Lage versetzen, dringend benötigte Konnektivitätslösungen zu entwickeln, die es uns ermöglichen werden, bewährte Schutzmaßnahmen schneller umzusetzen." Vor allem die Kommunikation mit der Bevölkerung vor Ort müsse dringend verbessert werden. Wie gering die technische Infrastruktur ist, zeigt eine Zahl: Mit einem neuen Rechenzentrum will Lenovo die Internetverbindung auf der Insel erheblich steigern - auf mindestens 10 MBit die Sekunde. Zum Vergleich: In Deutschland liegt der aktuelle Durchschnitt laut Statista bei 65 MBit, in Großstädten lassen sich teilweise auch 1000 Mbit buchen.

Die Freiwilligen können sich bis zum Ende des Monats für die für März und April des nächsten Jahres geplante Kampagne bewerben. Bei der Auswahl achte man besonders auf Fähigkeiten, die bei der Konservierung der Natur sowie der Unterstützung der lokalen Gemeinde helfen. In den sechs Wochen vor Ort geht es darum, eine Grundlage zu schaffen, auf der die lokale Gemeinde das Projekt dann selbstständig weiter betreiben kann. So soll die Natur den Raum bekommen, sich selbst wieder heilen zu können.


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