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Werbung mal anders: Sex, Kündigung, Erbe: Für 29 Dollar manipuliert diese Firma gezielt Menschen für Sie

Jeden Tag werden wir von Werbung beeinflusst. Warum sollte das nur Firmen vorbehalten sein? Ein neues Geschäftsmodell soll nun die Menschen in unserem Umfeld manipulieren - und sie in unserem Sinne handeln lassen.

Mit gezielten Kampagnen sollen einzelne Menschen angesprochen werden (Symboldbild)

Mit gezielten Kampagnen sollen einzelne Menschen angesprochen werden (Symboldbild)

Getty Images

Werbung funktioniert, ob wir das wollen oder nicht. Egal wie stark wir sind, wie sehr wir uns bewusst machen, dass man uns manipuliert: Am Ende dringt das stetige Rieseln doch in unser Unterbewusstsein ein - und beeinflusst unser Kaufverhalten. Ein neuer Dienst will nun Entscheidungen bei viel alltäglicheren Dingen steuern - und das bei ganz gezielten Personen.

Schließlich gibt es da genügend Möglichkeiten. Ob mehr Zärtlichkeiten in der Ehe, die Kündigung eines ungeliebten Kollegen oder Überzeugungshilfe des Bruders, dass das geerbte Elternhaus lieber verkauft werden sollte: Das Unternehmen "The Spinner" gibt manipulative Alltagshilfe, berichtet "Forbes". Alle oben genannten Beispiele will das Unternehmen bereits im Auftrag von Kunden umgesetzt haben, teils gleich mehrfach, erklärte Gründer Elliot Sheffler gegenüber dem Magazin.

29 Dollar für eine andere Meinung

Besonders beliebt sei - erwartungsgemäß - das Sex-Paket. Doch auch andere Themen würden gerne gebucht. 146.000 Kunden, vor allem aus den USA und Kanada sollen die mit 29 Dollar Einstiegspreis erstaunlich günstigen Manipulationsdienste seit der Gründung im letzten Frühjahr genutzt haben.

Doch wie funktioniert die Beeinflussung? The Spinner fährt regelrechte Werbekampagnen auf, ganz wie man es von Facebook und klassischen Webseiten kennt. Statt eine bestimmte Kundengruppe ansprechen zu wollen, hat man allerdings eine einzelne Person gezielt im Visier, die vom Kunden des Unternehmens ausgewählt wurde. 

"Es war extrem merkwürdig"

Diese Person bekommt dann ständig ausgewählte Artikel angezeigt, wo auch immer sie sich im Internet herumtreibt. "Es war extrem merkwürdig", erzählt Rich Leigh gegenüber "Forbes": Der PR-Experte hatte als Test das Sex-Paket für sich selbst gebucht. Schon kurz darauf tauchten für ihn beim Surfen ständig Artikel auf, in denen Tricks für das Anbahnen von Zärtlichkeiten gegeben wurden. Bei Facebook erschienen sie etwa in Form von Sponsored Posts.

Damit diese Posts die richtige Person treffen, muss The Spinner nur einen passenden Cookie setzen. Der wird hinter einem harmlosen Link versteckt, den der Kunde dem Ziel der Kampagne schickt. Da die meisten Menschen Cookies ohne zu zögern annehmen, haben die Manipulatoren danach einfaches Spiel. 180 Artikel bekommen die Ziele einer Standard-Kampagne im Laufe von zwei Monaten angezeigt, so Sheffler. Sie werden nicht für die Kampagne verfasst, The Spinner sammelt nur bereits vorhandene Artikel zusammen.

Ein lohnendes Geschäft

Da außer dem Setzen des Cookie und dem Schnüren des Artikel-Pakets kaum Arbeit anfällt, dürfte sich das Geschäft trotz der vergleichsweise geringen Gebühr mächtig lohnen. Wer etwas Aufwändigeres möchte, zahlt auch mehr. Als Beispiel nennt Shefffler einen Mann, der seine Frau überzeugen wollte, dass zehn Stunden Videospiele die Woche völlig normal seien. Was er dafür zahlen musste, verriet er aber nicht. Insgesamt soll The Spinner im letzten Jahr gut fünf Millionen Dollar eingenommen haben.

+++ Lesen Sie auch: Virenschutz als Wanze - der Vertraute Feind +++

Ob die Manipulation einen Effekt hat, weiß auch Sheffler nicht. "Ich weiß nicht, ob es funktioniert", sagte er gegenüber "Forbes" völlig offen. "Ich verspreche nur, die Artikel bereitzustellen und zu sichern, dass sie gesehen werden." Auch klassische Werbung kann schließlich keine Ergebnisse versprechen. Ärger von Kunden fürchtet er trotzdem nicht. "Wer sollte sich beschweren? Man ist schließlich Teil einer Verschwörung."

Wer nun befürchtet, von seinen Nachbarn, Freunden oder Partnern mit manipulativer Werbung bombardiert zu werden, kann beruhigt sein: The Spinner bietet seine Dienste nicht in Europa an. Der einfache Grund: Die gesetzten Cookies sind nach der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) schlicht verboten.

Quelle: Forbes

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