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Starthilfe: Kontakt halten in Corona-Zeiten: So machen Sie Oma die Videotelefonie besonders leicht

Gerade ältere Menschen sind durch das Coronavirus oft von ihrer Familie abgeschnitten. Die  technischen Optionen überfordern aber viele. Hier erfahren Sie, wie sie Oma trotzdem zur Videotelefonie bekommen.

Viele Senioren gehen problemlos mit Technik um - andere brauchen Einstiegshilfe (Symbolbild)

Viele Senioren gehen problemlos mit Technik um - andere brauchen Einstiegshilfe (Symbolbild)

Getty Images

Seit Wochen kein Besuch, Freunde und Familie darf man nicht sehen: Die Corona-Isolation  ist ein erheblichen Einschnitt in das Sozialleben. Doch gerade der besonders gefährdeten älteren Generation sind die technischen Kontaktmöglichkeiten über Smartphones und Tablets noch suspekt. Warum also nicht die größte Hürde nehmen – und Oma mit einem fertig eingerichteten Gerät zum Videotelefonat befähigen?

Dabei gibt es eine ganze Reihe von Optionen. Je nach den selbst genutzten Geräten kann man ein Tablet mit Android oder iOS oder auch einen Sprachlautsprecher mit Bildschirm benutzen, um sich endlich mal wieder zu Gesicht zu bekommen. Alle Varianten haben dabei Vor- und Nachteile die weiter unten erläutert werden und je nach Ausgangslage ausschlaggebend sein dürften.

Hürden abbauen

Der wichtigste Tipp: Muten Sie den Neunutzern nicht zu viel zu. Im Idealfall sollten Sie ihnen ein Paket zukommen lassen, in dem ein fertig eingerichtetes Gerät steckt, mit dem man sofort und unkompliziert loslegen kann. Das bedeutet:

  • Das Gerät ist vollständig eingerichtet, inklusive eines eigenen Accounts, auf den der Versender im Notfall Zugriff hat
  • Geräte mit Akku sind voll aufgeladen und bereits eingeschaltet, wenn sie ins Paket kommen
  • Es gibt keine Pin-Sperre oder ähnliches
  • Der Internetzugang funktioniert bereits beim auspacken

Die Crux mit dem Netz

Gerade letzteres ist eine große Hürde: Gibt es Zuhause Wlan? Was für uns selbstverständlich erscheint, ist es in Rentnerwohnungen und Altenheimen längst nicht. Wlan erhöht die Auswahl an Geräten deutlich, zudem ist es in der Regel günstiger als ein zusätzlicher Mobiltarif.

Auch ohne lässt sich aber Videotelefonie einrichten. Etwa indem man ein Gerät mit Sim-Kartenslot benutzt oder einen mobilen Router einrichtet. In beiden Fällen muss noch ein entsprechender Tarif gebucht werden. Wichtig: Der Tarif sollte genug Datenvolumen enthalten. Sowohl bei Wlan als auch bei Mobilfunk lässt sich das Internet schon vor dem Versand einrichten, das senkt die Benutzungshürde. 

Alexa, ruf Oma an

Eine wichtige Entscheidung ist auch das passende Gerät und dessen Einrichtung. Die sicher einfachste Variante ist ein Sprachlautsprecher mit Bildschirm. Von den beiden großen Herstellern Amazon und Google bietet aktuell nur Amazon in Deutschland mit dem Echo Show und seinen kleineren (wegen des kleinen Displays weniger zu empfehlenden) Modellen Geräte an, die Dank Kamera und Display Videotelefonie-tauglich sind, aber quasi vollständig mit der Stimme bedient werden können.

Der große Vorteil: Hat man den Echo Show eingerichtet, muss man ihn nur verschicken und am neuen Standort in Betrieb nehmen. Da sich das auf die Wahl eines Aufstellortes und das Einstecken eines Kabels beschränkt, ist es auch für unerfahrene Personen leicht umsetzbar. Und schon muss man nur noch per Sprachbefehl darum bitten, die Kinder oder Enkel anzurufen.

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So richten Sie den Echo am besten ein

Die Einrichtung eines Echos kann man einfach vorher über die Alexa-App vornehmen. Das geht sogar dann, wenn er später in einem anderen Wlan funktionieren soll. Dazu bedient man sich am besten eines einfachen Tricks: Wechseln sie den Namen und das Passwort des eigenen Netzwerks während der Einrichtung auf die Daten, die der Echo später gespeichert haben muss. So funktioniert er nach dem Aufstellen sofort. Nach Ende der Einrichtung können Sie das Passwort an Ihrem Router zurück ändern.

Wichtig ist es auch, für die Einrichtung einen separaten Amazon-Account anzulegen und den eigenen Account als Kontakt zu speichern. So weiß der Echo, wen er anrufen soll. Um selbst für den Echo-Besitzer erreichbar zu sein, braucht man nicht mal einen eigenen Echo: Die Alexa-App macht das Smartphone zum Echo - und lässt sich auch anrufen. Bei dem Gerät sollte zudem "Drop In" aktiviert werden – zu finden unter den Einstellungen, "Geräte-Einstellungen", dem Namen des Echo und dann "Kommunikation". Die Funktion erlaubt es, im Notfall einfach ein Gespräch anfangen zu können, ohne dass das Gegenüber den Anruf dazu annehmen muss.

Es gibt beim Echo allerdings wichtige Einschränkungen: Der Echo funktioniert nur im Raum in dem er steht – und er benötigt ein Wlan. Sollte keines vorhanden sein, ist also die Anschaffung eines mobilen Routers und der entsprechende Datentarif nötig. Diese Variante ist allerdings nicht ideal: Da der Echo eine Standleitung erwartet, gibt er sich keine Mühe, Daten zu sparen und verbraucht womöglich schnell das gebuchte Datenvolumen mit Updates und ähnlichem.

Tablets sind mobiler

Ohne Wlan ist deshalb ein Tablet tauglicher. Aber auch wenn es ein Funknetzwerk gibt, kann wegen der größeren Mobilität viel für ein Tablet sprechen. Vor der Entscheidung für ein Gerät sollte man sich fragen, wie viel Eigenständigkeit man dem Elternteil bei der Nutzung zumuten kann und wofür genau sie das Gerät nutzen sollen. Ist man mit den eigenen Geräten im Apple-Universum unterwegs, kann man ein iPad erwägen, sonst empfiehlt sich in der Regel ein Android-Tablet.

Bei der Einrichtung des Tablets gilt es einiges zu beachten. Für einen Technik-Anfänger kann eine zu große Auswahl an Apps überfordern. Nicht benötigte Apps sollte man daher gleich zu Anfang entfernen, die Auswahl sollte zunächst auf sehr wenigen ausgewählten Anwendungen liegen, empfiehlt "Senirorenfreundlich.de" – vor allem natürlich auf der Videotelefonie-App. 

Welche Videotelefonie-App soll es sein?

Besorgt man ein iPad und ist selbst Apple-Nutzer, ist natürlich der vorinstallierte Dienst Facetime zu empfehlen. Der funktioniert sehr unkompliziert und erlaubt auch Anrufe per Siri, also über Sprachsteuerung. Allerdings muss man die korrekte Phrase benutzen: "Ruf X bei Facetime an." Das muss man dann natürlich entsprechend einüben.

Bei Android-Modellen kann man auf Skype, den Google-Messenger Duo oder andere Dienste zurückgreifen. Skype bietet unter Android in den Einstellungen die Option, Anrufe automatisch anzunehmen, also nicht auf ein Abheben zu warten. Das nimmt Druck. Ein Nachteil der App: Laut Nutzerberichten loggt sie gelegentlich den Nutzer aus – und würde viele betagte Nutzer so vor eine Herausforderung stellen. Skype sollte deshalb nur mit einer weiteren Videoapp als Notlösung genutzt werden.

Egal für welches Programm Sie sich entscheiden: Der eigene Kontakt muss in der entsprechenden App und dem Adressbuch bereits einprogrammiert werden, sodass der Angerufene stets weiß, wer da gerade anklingelt.

Weitere Tipps

Bei sehschwächeren Personen kann es helfen, die Schriftgröße zu erhöhen. Das geht in beiden Betriebssystemen in den Einstellungen unter "Bedienungshilfen". Bei Android gibt es unter dem Menüpunkt "Bildschirm" zudem die Option, die App-Icons zu vergrößern. Die Bildschirmlupe einzurichten ist dagegen weniger empfehlenswert. Sie dürfte gerade neue Nutzer eher verwirren, als ihnen zu helfen. 

Android-Tablets erlauben es, mit Team-Viewer eine Fernwartung einzurichten. Das ist allerdings nicht immer zuverlässig. Als möglicher Rettungsanker kann es aber trotzdem nützlich sein. Eine Chance, Probleme eventuell aus der Ferne lösen zu können, ist schließlich besser, als es sicher nicht zu können.