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Webbrowser: Auf der Suche nach dem Gral

Der Internetbrowser Firefox hat den Kampf gegen den Marktführer Microsoft aufgenommen. Der "Anführer" des Firefox-Projektes ist noch ein Teenager.

Blake Ross ist die treibende Kraft bei der Entwicklung des neuen Internet-Browsers Mozilla Firefox. Ross ist 19 Jahre alt. Im gleichen Alter hat Bill Gates zusammen mit Paul Allen Microsoft gegründet und eine Karriere gestartet, die ihn zu einem der reichsten Männer der Welt gemacht hat. Aber "darum kümmere ich mich wirklich nicht", sagt Ross. "Ich will einfach nur einen guten Browser machen."

Seit der Veröffentlicbung der Version 1.0 Ende vergangenen Jahres ist der als Open-Source-Software kostenlos erhältliche "Feuerfuchs" mehr als 20 Millionen Mal heruntergeladen worden. Der Browser wird wegen seiner hohen Geschwindigkeit und seiner einfachen Bedienung gelobt.

Vor allem jedoch punktet das Programm mit seiner hohen Sicherheit im Verlgeich zum Microsoft-Konkurrenten. Fast jeden Monat werden neue Sicherheitslücken des Explorers bekannt. Darunter einige, mit denen Hacker die Kontrolle fremder Computer übernehmen können. Viele Nutzer sind ganz daher umgestiegen und verwenden den Internet Explorer nur noch gelegentlich. Jüngsten Umfragen zufolge hat der Firefox einen Marktanteil von fünf Prozent - mit dem großen Konkurrenten sind etwa 90 Prozent aller PC-Nutzer im Web unterwegs.

"Programmieren hat etwas von einem Rausch"

Mehr als der unerwartete Erfolg beschäftigt den Studenten der Computerwissenschaften im zweiten Studenjahr an der Stanford University aber seine nächste Prüfung und die Weiterentwicklung des Programms. "Programmieren hat etwas von einem Rausch an sich, das schwer zu erklären ist", sagt Ross in seinem Zimmer in der elterlichen Wohnung in Key Biscane. "Es ist diese Suche nach dem Gral, die mich vorantreibt."

Die ersten Schritte für das Programmieren lernte Ross mit zehn Jahren. Nach der Gestaltung eigener Web-Seiten kaufte er sich Bücher über Programmiersprachen wie C++ und begann, auf eigene Faust zu lernen. Als er 14 war, begann er damit, am häuslichen PC Programmfehler (englisch "bug") im Netscape-Browser zu bereinigen. Ein paar Monate später überraschte er seine Eltern mit der Erklärung, dass er ein Job-Angebot bekommen habe. "Im Geschäft um die Ecke?" fragte damals sein Vater David Ross. Aber die Anfrage kam von Netscape, die das "Bug-Fixing" des Teenagers von seinen Programmierfähigkeiten überzeugt hatte.

So mieteten seine Eltern für die Sommerferien eine Wohnung in der Nähe der Netscape-Zentrale im Silicon Valley, und seine Mutter fuhr ihn jeden Tag zur Arbeit. Wieder zurück in Florida arbeitete Blake daheim an Aufträgen von Netscape. An der Gulliver Preparatory School stürmte er durch die Informatik-Klassen und erledigte Aufgaben an einem Tag, für die andere zwei Wochen brauchten, wie sich einer seiner Lehrer erinnert. "Er war kein bisschen arrogant", sagt der für Computerwissenschaften zuständige Fachbereichsleiter Dean Morell. "Es hat ihm Spaß gemacht, den anderen zu helfen."

Siegeszug des Internet Explorers

Nach der Übernahme von Netscape durch AOL im Jahr 1999 begann für Ross eine neue Herausforderung. Damals hatten bereits Millionen von Internet-Nutzern den Netscape-Browser durch den Internet Explorer von Microsoft ersetzt - dieser war schon in Windows integriert und konnte viele Web-Seiten schneller darstellen. Der "Browser-Krieg" war verloren.

Zwar versuchte AOL, den Netscape-Browser mit allerlei Erweiterungen attraktiver zu machen. Aber das Programm wurde dadurch immer schwerfälliger. "Wir spürten damals den Einfluss von AOL, und die Sache verlor ihren Reiz", erinnert sich Ross. Zusammen mit einem anderen Netscape-Programmierer, David Hyatt, startete er ein neues Projekt. Sie wollten Netscape auf seine Wurzeln zurückführen, den Browser schneller machen und die Anforderungen an Arbeitsspeicher und Prozessor reduzieren.

Im Juli 2003 beschlossen AOL und Netscape, sich von ihrem Browser-Projekt zu trennen. Ross und Hyatt führten ihr Projekt unter dem Namen Mozilla weiter und sprangen auf den Open-Source-Zug auf: Der Programmcode wird für alle offengelegt, so dass jeder daran mitarbeiten kann. Der überarbeitete Code muss wiederum allen anderen frei zur Verfügung gestellt werden.

Erste Version von Firefox

Der technische Direktor von Mozilla, Chris Hofmann, erinnert sich, dass ältere Programmierer von Blakes Fähigkeiten beeindruckt waren. Viele von ihnen hatten zunächst nur online Kontakt zu Ross und waren dann überrascht, bei der ersten Begegnung "ein schlaksiges 15-jähriges Kind" vor sich zu haben. Hyatt trennte sich schließlich vom Mozilla-Projekt, um den Apple-Browser Safari mitzuentwickeln. Aber andere Freiwillige stießen dazu, brachten ihre Ideen für den Code ein und sorgten dafür, dass am 9. November die Version 1.0 von Mozilla Firefox vorgestellt werden konnte.

Mit Hilfe von Spendern aus aller Welt, darunter auch viele engagierte Unterstützer in Deutschland, wurden Zeitungsanzeigen geschaltet, um den neuen Browser bekannt zu machen. Mehrere Sicherheitsexperten haben den Firefox empfohlen, weil er offenbar weniger anfällig für Viren, Spyware und andere Schadprogramme ist. Zwar ist zu erwarten, dass es bei wachsender Verbreitung auch Versuche geben wird, Schwachstellen von Firefox aufzudecken und für Attacken auszunutzen. Aber Ross und die Open-Source-Community arbeiten bereits an der Version 2.0.

Marktanteile gewonnen

Nach Erhebungen des Browser-Fachdienstes WebSideStory wurde der Firefox Anfang Januar von 4,6 Prozent aller Internet-Nutzer eingesetzt. Bis Mitte des Jahres wird ein Anstieg auf rund zehn Prozent für möglich gehalten. Der Marktanteil des Internet Explorers ist bereits von 95,5 Prozent im Juni 2004 auf 90,6 Prozent zurückgegangen.

Ross hat nach eigenen Angaben noch keinen Dollar aus der Firefox-Arbeit eingenommen. Erste Einkünfte erhält das Projekt aber bereits durch die Integration entsprechender Eingabeformulare von Google, Amazon.com und anderen. Und Ross hat auch ein eigenes Startup-Unternehmen gegründet, zusammen mit Joe Hewitt, ebenfalls ein Veteran aus Netscape-Zeiten.

Der Erfolg hat allerdings auch Nachteile. "Alle meine Professoren erwarten glatte A-Noten von mir, selbst in Fächern, die nichts mit dem Internet zu tun haben." Und wie sieht es mit den kalifornischen Mädchen aus? "Das sind die, die am wenigsten beeindruckt sind", sagt der Firefox-Entwickler lachend.

John Pain/AP / AP