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Google und Yelp Wegen Impfpflicht: Impfgegner attackieren Lokale mit schlechten Bewertungen

Mensch klickt bei einer 5-Stern-bewertung auf nur einen Stern
Ein-Stern-Bewertungen können besonders für kleinere Unternehmen sehr schädlich sein
© Tero Vesalainen / Getty Images
Viele europäische Impfgegner lassen im Netz ihrem Unmut über amerikanische Restaurants und Bars freien Lauf, in denen eine Impfung verlangt wird. Ein Vorgehen, das für die Gastronomen verheerende Folgen haben kann.

Nicht überall in der Welt ist es verpflichtend, gegen das Coronavirus geimpft, getestet oder genesen zu sein, um wieder am öffentlichen Leben teilnehmen zu können. Manche Lokale, etwa in den USA, setzen dennoch auf Maßnahmen, um das Infektionsgeschehen einzudämmen. Hier dürfen beispielsweise nur Geimpfte im Innenbereich einer Bar sitzen, andere müssen draußen bleiben.

Das trifft bei Impfgegnern aus aller Welt auf Unverständnis. Sie greifen auf eine bewährte Technik zurück, um ihren Unmut über die dort praktizierte Impfpflicht kundzutun: sogenanntes Review-Bombing. 

Europäische Impfgegner gehen auf amerikanische Bar los

Am ersten heißen Wochenende des Sommers stellte Richard Knapp ein Schild vor seine Bar "Mother’s Ruin" in Manhattan, New York. Das Schild zeigte zwei Pfeile und verdeutlichte: Geimpfte dürfen drinnen sitzen, Ungeimpfte nur draußen oder To-Go bestellen.

Ein Instagram-Post mit dem Schild ging daraufhin viral unter europäischen Impfgegnern auf der Plattform Reddit. Knapp schildert gegenüber dem "MIT Technology Review", dass es mit Hass-Mails begann. Doch es trudelten nicht nur beleidigende E-Mails ein, kurze Zeit später erhielt seine Bar viele Ein-Stern-Rezensionen bei Yelp und Google von Accounts aus Europa. 

Folgen von Review-Bombing

Die Rezensionen mit negativen – meist falschen – Nachrichten zu fluten, ist kein neues Phänomen. Zu Beginn der Pandemie wurde die Taktik ebenfalls angewandt, um Bars und Restaurants mit Maskenpflicht zu attackieren.

Diese negativen Rezensionen können für Unternehmen sehr schädlich sein. So zeigen die meisten Review-Portale die Rezensionen in chronologischer Reihenfolge an – die Neusten ganz oben. Spam-Attacken sind demnach das erste, was interessierte Kunden angezeigt bekommen und lesen. Gleichzeitig ziehen die Bewertungen mit nur einem Stern die sonst meist guten Bewertungen mit vier bis fünf Sternen runter. Das kann dazu führen, dass etwaige Konkurrenz besser dasteht als die eigene Bar.

Angeblich Haare im Essen gesehen

Ein großes Problem einer Attacke mit negativen Bewertungen: Nutzerinnen und Nutzer wissen heutzutage, dass viele Plattformen Algorithmen benutzen, die problematische Wörter entdecken und markieren, sodass Rezensionen mit solchen Wörtern meist nicht online bleiben, sondern gelöscht werden.

Deshalb haben die Spammer eine neue Taktik entwickelt: Sie tarnen ihre Kritik und werfen dem Restaurant beispielsweise schlechten Service vor. Manche schreiben von Haaren im Essen oder Kakerlaken. Diese gerissenen Kommentare sind von Plattformen wie Yelp oder Google schwieriger als falsch zu identifizieren.

Ungewöhnliche Aktivitäten

Die Bewertungs-Plattform Yelp hat einen Weg gefunden, Spam zu verhindern und zu stoppen. Bing Liu, Professor für Informatik an der University of Illnois in Chicago, merkt bei der "MIT Technology Review" jedoch an, dass das Unternehmen niemandem verrate, wie die Spam-Erkennung funktioniere.

Nach der plötzlichen Flut negativer Bewertungen auf ein Restaurant, über das vorher nur Gutes geschrieben wurde, wurde eine Warnung von ungewöhnlichen Aktivitäten ausgelöst. Laut "MIT Technology Review" prüfte Yelp danach die Bewertungen einzeln. Noorie Malik, Mitarbeiterin von Yelp erklärte demnach: "Wenn wir einen dramatischen Rückgang oder ein Ende der Aktivität feststellen, bereinigen wir die Seite, so dass nur noch Erfahrungen von Verbrauchern aus erster Hand wiedergegeben werden." 

Negative Bewertungen nehmen zu

Laut dem Trust & Safety Report 2020 von Yelp verzeichnete das Unternehmen einen Anstieg der Warnmeldungen für ungewöhnliche Aktivitäten um 206 Prozent gegenüber 2019. Der Alarm wurde durch Unmut in der Pandemie demnach häufiger ausgelöst als vorher. Wie Yelp berichtet, seien einige dieser Warnungen auf Impfpflichten von Restaurants oder Bars zurückzuführen.

Keines der vom "MIT Technology Review" kontaktierten Unternehmen hatte Erfolg in der Zusammenarbeit mit Google bezüglich gefälschter Bewertungen. Demnach hatte der Internet-Riese nicht auf mehrere Anfragen reagiert, entfernte jedoch einige der schlechten Bewertungen. "Man sollte meinen, Google würde sagen: 'Hier ist etwas faul'", sagt Richard Knapp aus Manhatten gegenüber dem MIT. "Das sind IP-Adressen aus Übersee. Es untergräbt wirklich die Bewertungsplattform, wenn sie Dinge wie diese passieren lassen." Viele Gastronomen beschreiben die Erfahrung als frustrierend, weil sie nichts Effektives gegen Review-Bombing tun können.

Quelle: MIT Technology Review

eli

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