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Daten-Sammlung Staatliche Überwachung per App: Apple und Google sperren Schnüffel-Software X-Mode

Viele der neuen Funktionen in iOS 14 erschließen sich nicht so leicht wie gewohnt (Symbolbild)
Viele Menschen ahnen nicht, wie viel ihr Smartphone über sie verrät
© FG Trade / Getty Images
Apps auf unseren Smartphones können unzählige Daten über uns sammeln – und an Dritte verkaufen. Darunter können auch Behörden und Geheimdienste sein. Die Firma X-Mode wurde nun dafür gesperrt.

Zwei bis sechs Kameras, GPS, Bankdaten und quasi unser ganzes Privatleben: Unser Smartphone bietet jede Menge Gelegenheit, Daten zu unserem Leben zu sammeln. Und viele Apps tun das auch fleißig. Der Handel mit den Daten floriert entsprechend. Nun setzen Google und Apple eine klare Grenze - und verbieten die Schnittstelle des Unternehmens X-Mode.

Apple und Google traten diese Woche an zahlreiche Entwickler heran, die in ihren Apps diese Schnittstelle benutzen, berichtet das "Wall Street Journal". Die Entwickler bekamen eine Frist gesetzt, bis zu der die Datensammlung beendet werden muss. Sonst droht die Sperrung der Apps in App Store und Play Store. Apple gewährte zwei Wochen Zeit für den Umbau, bei Google ist gar nur eine Woche Zeit. Auf besonderen Antrag kann die Frist auf 30 Tage verlängert werden.

Datenhandel als Geschäftsmodell

Der Hintergrund ist der Umgang von X-Mode mit den gesammelten Daten. Beide Unternehmen haben das Vorgehen gegenüber dem US-Senator Ron Wyden bestätigt. Er ermittelt für einen Ausschuss zum Verkauf von Standort-Daten an Regierungs-Behörden. X-Mode war in den letzten Monaten mehrfach in die Schlagzeilen geraten, weil der Konzern seine Daten nicht nur Werbeunternehmen, sondern auch an staatliche Stellen zum Zwecke der Inneren Sicherheit, der Terrorbekämpfung oder für Pandemiemaßnahmen zur Verfügung gestellt hatte. Natürlich gegen Gebühren.

Die Datensammlung selbst ist nichts neues, genauso wenig wie das Geschäft damit. Die Möglichkeit, über das Smartphone auf die zahlreichen Daten der Nutzer zuzugreifen, wurde sehr schnell als Geschäftsmöglichkeit entdeckt. Von Werbekunden bis zu Versicherungen gibt es ein großes Interesse, die Nutzer bis ins kleinste Detail zu kennen. Während Anfangs die Datensammelei noch selbst entwickelt wurde, gibt es mittlerweile eine Reihe von Unternehmen, die ähnlich wie X-Mode arbeiten. Sie stellen eine Schnittstelle zur Verfügung, die dann in anderen Apps eingebaut werden kann. Die App-Betreiber erhalten im Gegenzug die darüber gesammelten Daten.

Heraus sticht X-Mode wegen seiner Arbeit für staatliche Stellen hervor. Obwohl die meisten Kunden des Unternehmens aus dem privaten Sektor stammen, gibt es einige äußert fragwürdige Partnerschaften mit dem Geheimdienst- und Militärsektor. So soll das Unternehmen Signalframe Daten zur Verfügung gestellt bekommen haben. Eine Firma, die sich aktiv um Verträge mit Bezug zur nationalen Sicherheit der USA bewirbt. Pikant: Einige der Apps, aus denen X-Mode seine Daten sammelt, haben eine sehr spitze Zielgruppe und erlauben so genaue Informationen zu bestimmten Menschengruppen. Laut einem "Vice"-Bericht gehören die Gebets-App Muslim Prayer sowie die Dating-App Muslim Mingle, die sich gezielt an Menschen muslimischen Glaubens richten, dazu.

Lob von der Politik

X-Mode selbst fühlt sich zu Unrecht herausgehoben. Man sammle ähnliche Daten wie viele andere Firmen auch, erklärte die Firma dem "Wall Street Journal", zudem sei in Verträgen mit den Kunden festgehalten, dass es keine Möglichkeit gäbe, die Geräte mit konkreten persönlichen Daten wie dem Name oder der Adresse zu verbinden. Allerdings sicherte das Unternehmen zu, seine Arbeit mit Behörden zu überdenken. Auch einige mit X-Mode zusammenarbeitende Unternehmen warben um eine Rücknahme des Banns.

Lob für den Schritt der Betriebssystembetreiber gab es dagegen von Senator Wyden. "Apple und Google verdienen Lob dafür, das Richtige getan zu haben", findet er. "Aber es muss noch viel mehr unternommen werden, um die Privatsphäre zu schützen." Dazu gehöre auch, noch weitere Datenquellen der Händler stillzulegen, ist der Politiker überzeugt.

Datenschutz als Geschäftsmodell

Tatsächlich gehen Apple und Google deutlich härter gegen die Datensammelei vor, als das lange der Fall war. Zu Anfang der Smartphone-Zeit war es für die Nutzer noch fast unmöglich, die Sammlung von Daten zu unterbinden, seit einigen Jahren baut vor allem Apple immer mehr Optionen dafür ein, Google zieht mittlerweile nach. Apple ist dabei glaubwürdiger als Google. Anders als der Werbekonzern sammelt der iPhone-Hersteller selbst keine Datenberge, das Geschäftsmodell sind nicht Werbeerlöse sondern der Verkauf von Hardware, die durch das Datenschutz-Versprechen wiederum aufgewertet wird.

So gibt es etwa seit dem im Herbst erschienenen iOS 14 eine klare Anzeige, wenn Apps die Kamera oder das Mikrofon einschalten, der Zugriff auf Bilder erfasst nicht mehr automatisch sämtliche Fotos die je geknippst werden. Und auch bei Werbetrackern will Apple demnächst noch härter durchgreifen. Dann dürfen Nutzer nicht mehr über mehrere Apps hinaus verfolgt werden, wie es jetzt noch teilweise möglich ist.

Erst am Dienstag hatte Apple klargestellt, dass es den Schritt trotz Gegenwind aus der Werbebranche gehen will. Nachdem die Sperrung von Trackern mit iOS 14 im Sommer angekündigt worden war, hatten viele Entwickler über die zu kurze Implementierungszeit bis zum Release des Systems im September beklagt. Apple hatte deshalb die Übergangszeit bis Anfang nächsten Jahres erweitert. Hoffnungen der Werbeindustrie, der Konzern würde ganz darauf verzichten, hatte Apples Software-Chef Craig Federighi allerdings am Dienstag zunichte gemacht. Bei einer Konferenz bekräftige er die Pläne des Konzerns gegen den "Daten-Industriellen Komplex". "So wie die Apps gestaltet sind, wissen die Nutzer gar nicht, was sie da weggeben." Und in wessen Händen es am Ende landet.

Quellen: Wall Street Journal, Vice, The Register


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