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Mobilfunk: Netzagentur verordnet Preissenkung

Die Bundesnetzagentur hat den deutschen Mobilfunkbetreibern erstmals Preise für die Durchleitung von Telefonaten in die Handynetze vorgeschrieben. Für den Verbraucher könnten Preissenkungen anstehen.

Für den Verbraucher ist diese Nachricht von der Bundesnetzagentur eine gute Nachricht: Die Tarife für Telefonate mit dem Handy oder vom Festnetz zum Mobiltelefon können weiter sinken. Die oberste Aufsichtsbehörde über den Telekommunikationsmarkt hat den Betreibern erstmals die Preise für die Durchleitung von Gesprächen in Mobilfunknetze veordnet. Danach wird der Marktführer T-Mobile für die so genannte Terminierung nur noch 8,8 Cent je Minute und E-Plus und O2 ein Entgelt von 9,9 Cent verlangen dürfen.

"Wir korrigieren mit der Entscheidung eine Schieflage im Wettbewerb, die zwischen Mobilfunk und dem Festnetz besteht", sagte Behördenchef Matthias Kurth. Die abgesenkten Entgelte sollen am 23. November in Kraft treten und bis zum 30. November 2007 gültig sein. Die Terminierungsentgelte für Vodafone D2 werden wegen veränderter Fristen voraussichtlich in der kommenden Woche bekannt gegeben. Aller Voraussicht nach werden sie wie bei T-Mobile 8,8 Cent betragen.

Mittelfristig weitere Senkungen angestrebt

Für den Chefregulierer Kurth sind die verordneten Entgelte noch längst nicht das Ende der Fahnenstange. Mittelfristig werden fünf bis sechs Cent angestrebt. Denn die Handytarife für Endkunden gelten wegen der hohen Terminierungsentgelte immer noch als stark überteuert. Auch die EU-Kommission hat mehrfach eine Absenkung beziehungsweise ein Einschreiten der nationalen Regulierer angemahnt.

Vor allem den Festnetzbetreibern wie Arcor, HanseNet oder Netcologne sind die hohen Durchleitungspreise ein Dorn im Auge. Der Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko) nannte die Entscheidung eine herbe Enttäuschung. Eine Größenordnung von fünf Cent sei möglich gewesen. "Was wir jetzt sehen, ist ein völlig unnötiger Kniefall vor den großen Mobilfunkbetreibern", erklärte Breko-Chef Peer Knauer. Die Festnetzbetreiber sehen sich durch den aggressiven Angriff der Mobilfunker auf das Festnetz bedrängt.

Solche Kritik halten die Mobilfunker indes nur für begrenzt glaubwürdig. "Im Festnetz werden die größten Margen erzielt", sagt beispielsweise Stefan Zuber von T-Mobile. Für Telefonate in die Handynetze kassierten die Betreiber Preise, die zum Teil mehr als 200 Prozent der Kosten für die Netzdurchleitung betragen.

Auswirkungen abwarten

Für die Verbraucher wird sich noch zeigen müssen, wann und wie schnell sich die Entscheidung der Bundesnetzagentur in den Endkundenpreisen niederschlägt. "Wir hoffen, dass die Preise sinken werden und appellieren an die Betreiber", sagt Patrick von Braunmühl, Leiter das Fachbereichs Wirtschaftsfragen beim Bundesverband der Verbraucherzentrale. Eine Absenkung der Entgelte sei längst überfällig gewesen.

Tatsächlich ist und bleibt die Terminierung für die Betreiber ein lukratives Geschäft. Schließlich wurden in den vergangenen Jahren Milliarden-Erlöse auf diesem Wege erzielt. Branchenexperten taxieren sie auf 10 bis 20 Prozent des Umsatzes. Dass die Betreiber über das Bonner Diktat jetzt wenig erfreut sind, versteht sich von selbst: Sie schauen vor allem auf den Verfall ihrer Margen.

Diese sind ohnehin schon seit geraumer Zeit durch den aggressiven Auftritt der Mobilfunkdiscounter und die gesättigten Märkte unter Druck geraten. In Europa lägen die Entgelte für die Durchleitung viel höher, beklagt Presse-Chef Zuber von T-Mobile. Unzufriedenheit herrscht auch beim Anbieter E-Plus, der auf eine größere Spreizung der Entgelte - weniger für die D-Netze, mehr für die E-Netze - setzte, aber kein Gehör fand. Doch was jetzt erreicht wurde, verspricht Catrin Glücksmann, das soll an die Verbraucher weiter gegeben werden.

Peter Lessmann/DPA / DPA