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Strom und Gas So wechseln Sie den Anbieter


Eine Milliarde Euro sollen Stromanbieter von ihren Kunden zu viel kassiert haben, hat eine Studie der Grünen ergeben. stern.de gibt Ihnen Tipps, wie Sie den Anbieter wechseln können.
Von Roman Heflik

Die Stromkonzerne kassieren in diesem Jahr offenbar eine Milliarde Euro zu viel bei ihren Kunden ab. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Bündnis 90/Die Grünen. Danach sind die Preise an der Leipziger Strombörse seit 2008 um 30 bis 40 Prozent gesunken.

Doch auf die entsprechenden Strompreissenkungen warten die Endverbraucher weiter vergeblich: Durchschnittlich 0,8 Cent pro Kilowattstunde an geringeren Beschaffungskosten hätten die Konzerne nicht an ihre Kunden weitergegeben. Bei einem gesamten Absatz in Deutschland von rund 131 Milliarden Kilowattstunden ergebe sich daraus "eine Summe von einer Milliarde Euro", die den Verbrauchern vorenthalten werde. Zugleich seien Preiserhöhungen "nicht gerechtfertigt" gewesen.

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Bärbel Höhn, forderte die Energiekonzerne auf, die Kunden endlich von den stark gefallenen Einkaufspreisen an der Strombörse profitieren zu lassen. Offenbar sei bisher die Wechselbereitschaft der Verbraucher noch nicht groß genug, "sonst würde die Weitergabe von Preissenkungen besser funktionieren", sagte Höhn der "Saarbrücker Zeitung".

Schuld daran könnte die alte Mär sein, dass man bei einem Wechsel erstmal ohne Licht oder Heizung auskommen muss. Oder der Irrglauben, dass es keinen großen Unterschied mache, wer nun den Strom nach Hause liefert.

Bei Preiserhöhungen: Anbieterwechsel

Energieexperte Holger Krawinkel vom Bundesverband Verbraucherzentrale rät bei Preiserhöhungen lieber zum Anbieterwechsel. "Klar ist, dass ein Boykott mit einem größeren Aufwand verbunden ist", sagt Krawinkel. "Ein Wechsel ist relativ einfach." Schließlich habe der Kunde bei jeder Preiserhöhung ein Sonderkündigungsrecht. Für den Wechsel genügen fünf Schritte:

1. Sich schlau machen

Informieren Sie sich darüber, wie viel Sie eigentlich verbrauchen und was es Sie kostet. 85 Prozent der Deutschen kennen beispielsweise weder den Strompreis, den sie für die Kilowattstunde zahlen, noch die Gesamtmenge, die sie an Strom verbrauchen. Ein Blick auf den eigenen Vertrag und die letzte Abrechnung genügt, um Klarheit über die verbrauchten Kilowattstunden zu bekommen.

2. Daten vergleichen

Unter Umständen können Sie einige Euro bei einem günstigeren Anbieter sparen. Nehmen Sie sich Ihre letzte Stromrechnung zur Hand. Zusammen mit der eigenen Postleitzahl müssen Sie dann den Stromverbrauch beim Vergleichsrechner eintragen. Innerhalb von Sekunden lässt sich so ablesen, wie günstig der bisherige Anbieter tatsächlich ist und wie viel Sie durch einen Wechsel einsparen könnten.

3. Billigtarife nutzen

Fallen Sie nicht auf jedes scheinbare Schnäppchen herein. Viele große Anbieter haben auf die neue Konkurrenz reagiert und bieten Billigtarife an. Unter Verbraucherschützer gelten aber viele dieser Angebote wegen ihrer schwer zu durchschauenden Kostenstruktur als Mogelpackung. Vorsicht ist auch bei manchen Versorgern angesagt, die Vorauskasse verlangen. Einige Anbieter werben auch mit extrem billigen Verträgen, die dann aber für mehrere Jahre gelten sollen - ein Wechsel zu einem anderen, noch günstigeren Tarif ist damit aber für lange Zeit blockiert. Weitere Informationen und Beratungen bieten die Verbraucherzentralen der einzelnen Bundesländer.

4. Unkompliziert wechseln

Wenn Ihnen ein Angebot zusagt, können Sie meist problemlos wechseln. Das geht in der Regel im Internet oder mit einem Telefonanruf. Der neue Anbieter übernimmt dann die Formalitäten. Das neue Unternehmen meldet Sie dann auch bei Ihrem alten Versorger automatisch ab. Allerdings muss beim alten Vertrag die Restlaufzeit oder Sonderkündigungsfrist beachtet werden.

5. Auf die Post warten

Entspannen Sie sich: Die nächste Rechnung kommt dann vom neuen Anbieter. Technisch muss nichts umgestellt werden. Man müsse sich auch nicht sorgen, beispielsweise bei einer Pleite des neuen Anbieters plötzlich ohne Strom und Gas im Dunklen und Kalten sitzen zu müssen, versichern Verbraucherschützer. In so einem Fall ist nämlich der Grundversorger, also der größte Lieferant vor Ort, gesetzlich verpflichtet, wieder einzuspringen.


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