Mobilfunk UMTS - Das Warten geht weiter


Weihnachten 2002 war als Starttermin genannt für die neue Mobilfunkwelt, dann Weihnachten 2003. Daraus wurde auch nichts. Statt superschneller Datenübertragung per Handy produziert UMTS bisher nur weiteres Warten.

Weihnachten 2002 war als Starttermin genannt für die neue Mobilfunkwelt, dann Weihnachten 2003. Daraus wurde auch nichts. Statt superschneller Datenübertragung per Handy produziert die Übertragungstechnik UMTS bisher nur weiteres Warten.

Nur O2 rückt einen Starttermin heraus

Inzwischen will sich nur noch einer der vier bisher in Deutschland überlebenden Lizenznehmer auf einen Starttermin festlegen: Zur Computermesse Cebit im März 2004 will der Münchner Anbieter O2 mit einem ersten Angebot an die Kunden gehen, wie Sprecherin Nadine Kleinert sagte. Die Konkurrenten T-Mobile, Vodafone und E-Plus wollen noch nicht einmal so weit gehen, einen konkreten Starttermin zu nennen. Irgendwann im nächsten Jahr werde es so weit sein.

Fast 51 Milliarden Euro hatten im Sommer 2000 damals sechs Konkurrenten bei der Versteigerung der UMTS-Lizenzen aufgebracht, eine Summe, die sich nur mit der damaligen allgemeinen Überschätzung von allem, was mit Internet und mobiler Kommunikation zu tun hat, erklären lässt. Inzwischen sind zwei der damaligen Wettbewerber, MobilCom und Quam, auf der Strecke geblieben. Die übrigen Netzbetreiber haben Milliardensummen in den Aufbau der Netze gesteckt und beteuern übereinstimmend, dass die Lizenzbedingung erfüllt sei, bis Ende 2003 rund 25 Prozent der Bevölkerung versorgen zu können.

Nicht mehr als ein Testobjekt

Nur - in den Laden gehen und ein UMTS-Handy oder eine Datenkarte für den Laptop kaufen kann bisher noch niemand. Über Tests mit, wie es die Betreiber nennen, "freundlichen Anwendern" ist UMTS noch nicht hinaus gekommen. Anfang Dezember verkündete Vodafone den Start eines solchen Versuchs, bei dem ausgewählte Unternehmen und wohl auch einzelne Journalisten ein paar Hundert Datenkarten in die Hand gedrückt bekommen, um auszuprobieren, wie sich das Netz benimmt, wenn mehr als nur eine Hand voll Labormitarbeiter es in Anspruch nehmen. Bei der Telekom läuft ein entsprechender Feldversuch nach Aussage eines Sprechers schon seit Juni.

"Irgendwann nach der Cebit"

Aber eine UMTS-Offensive auf breiter Front lässt weiter auf sich warten. "Irgendwann nach der Cebit" sollten die ersten Geräte auf den deutschen Markt kommen, sagte E-Plus-Pressereferent Jörg Müller. Noch gar keinen Termin wollte T-Mobile-Sprecher Christian Schwolow nennen.

Ein Problem aus Sicht der Anbieter ist offenbar immer noch die mangelnde Verfügbarkeit von UMTS-Handys. Erst wenn es genügend Endgeräte gebe und auch die Qualität stimme, sei es so weit mit UMTS, sagte Schwolow. Auch Müller sprach von einem Engpass bei vermarktbaren Endgeräten.

Neue Technik bleibt eher im Hintergrund

Ein anderes Problem ist netztechnischer Natur: Der Übergang von UMTS auf die herkömmliche Mobilfunktechnik GSM beziehungsweise deren schnellere GPRS-Variante und wieder zurück machte Schwierigkeiten, heißt es bei den Betreibern. Das Funktionieren beider Techniken mit ein- und demselben Gerät ist aber von entscheidender Bedeutung, denn ein wirklich flächendeckender Ausbau der UMTS-Netze ist zumindest auf absehbare Zeit nicht zu erwarten. Die Erreichbarkeit von 25 Prozent der Bevölkerung bis Ende 2003 entspricht einer Flächenabdeckung von nur 2,8 Prozent der Bundesrepublik. Selbst wenn Ende 2005 laut Lizenzvorgabe 50 Prozent der Bevölkerung in einem mit UMTS versorgten Gebiet leben müssen, deckt das nur 8,5 Prozent der Fläche Deutschlands ab.

An die Bandbreite angepasste Nutzung

Eigentlich werde man von einem Start in üblichen Sinn ohnehin nicht sprechen können, heißt es bei der Telekom. Auch E-Plus sieht UMTS weniger als eigenes Netz denn als Transporteur mit höherer Leistung. Die neue Technik, zunächst mit einer Übertragungsrate von maximal 384 Kilobit pro Sekunde und damit der halben Geschwindigkeit des DSL-Basisangebots, soll nach dieser Vorstellung mehr im Hintergrund werkeln. "Wenn der Kunde seine E-Mail in München abruft, bekommt er sie mit allen Dateianhängen, im Bayerischen Wald eben ohne", beschreibt ein hoher Telekom-Manager eine an die je nach Ort verfügbare Bandbreite angepasste Nutzung.

Ganz unauffällig wird die Einführung von UMTS dennoch nicht laufen. Dafür werden schon die Hersteller von Handys und Datenkarten sorgen, die für ihre neuen und zunächst voraussichtlich relativ teuren Produkte entsprechend trommeln müssen.

Joachim Sondermann, AP AP DPA

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