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Mode 8500 Euro für ein virtuelles Kleidchen, das niemand anziehen kann

8500 Euro  hat dieses hübsche Kleid gekostet.
8500 Euro  hat dieses hübsche Kleid gekostet.
© The Fabricant / PR
The Fabricant verkauft Kleider, die nur im Computer existieren. Die Designerin Amber Jae Slooten glaubt an eine virtuelle Mode, die Klima und Ressourcen schont und die man nur durch eine VR-Brille sehen kann.

Virtuelle Kleider für echtes Geld kaufen. In den Hochzeiten von Second Life galt das als Geschäftsmodell der Zukunft. Wirklich durchgesetzt hatte es sich nicht – außer im Bereich von Onlinespielen, in denen Spieler sich hilfreiche Gegenstände zukaufen können.

Doch in diesem Jahr wurde virtuelle Kleidung an echte Kunden verkauft. Richard Ma, CEO eines Sicherheitsunternehmens, kauft für umgerechnet 8500 Dollar ein Kleid für seine Frau, das nur virtuell existiert.

Schneider des Virtuellen

Das niederländische Modehaus The Fabricant arbeitet wie ein Schneider – allerdings mit dem Computer. Grundlage der Kleider sind zweidimensionale Mustervorlagen – der Stoff – und diese werden mit einer 3D-Software in Form gebracht. Um das Kleid zu tragen, bedarf es nur eines Fotos. Dort wird das 3D-Kleid dann angezogen. Man kann also sagen: So macht man das teuerste Instagram-Bild der Welt. "Es ist definitiv sehr teuer, aber es ist auch wie eine Investition", so der stolze Käufer. "In 10 Jahren wird jeder Mensch digitale Mode 'tragen'. Es ist ein einzigartiges Andenken. Es ist ein Zeichen der Zeit." Verblüffend: Die Gattin hat das Bild nie auf einer öffentlichen Plattform gezeigt.

Die Idee hinter The Fabricant geht aber viel weiter, sagte die Designerin Amber Jae Slooten im Interview zu FreundevonFreunden.com. Denn virtuelle Mode schont die Ressourcen. Hier ist verschwenderische Pracht möglich, ohne den Planeten zu plündern.

Ressourcenfreie Mode

Van Sloten kam dazu, 3D-Designtools einzusetzen, weil sie die Mengen an Stoffabfälle beim Entwerfen echter Kleidung entsetzten. Sie stellt sich vor, dass in der Zukunft die Funktionalität der Kleidung von ihrem Aussehen getrennt wird. Geht es nach ihr, würden wir in "echt" einen unscheinbaren Overall tragen, der uns wärmt und  schützt. Für einen berauschenden Auftritt wäre die virtuellen Kleidung zuständig, die man allerdings nur mit einer VR-Brille sehen kann.

Das hört sich heute nach einer nerdigen Fantasie an, doch in Zeiten der begrenzten Ressourcen könnte die virtuelle Mode doch Realität werden. Praxisnäher dürfte jedoch eine Art von Maßanfertigung sein, bei der ein virtueller Entwurf exakt auf ein dreidimensionales Modell des Körpers angepasst wird, bevor das Ganze dann in echtem Stoff realisiert wird. "Alles passiert auf dem Computerbildschirm", erklärt Slooten ihre Arbeit. "Alle Farben, Drucke und Stoffarten sind nur einen Klick entfernt. Ich kann auch sofort sehen, wie sich ein Kleidungsstück bewegt, indem ich Animationen eingebe und Bewegungen simuliere."

The Fabricant veröffentlicht jeden Monat digitale Kleidung auf seiner Website. Die zahlenden Käufer heute sind allerdings keine Endkunden, die sich für eine virtuelle Realität schick machen wollen, sondern Handelsketten und Modemarken, die die virtuelle Mode für eigene Portale und Apps verwenden. Wenn man zum Beispiel ein virtuelles Anprobierzimmer in seinem Modeportal anbieten will, muss die echte Mode zunächst digitalisiert werden.

Quelle: BBCFreunde von Freunden

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