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Airbus A380: Runter mit dem Tuch

In einer pompösen Multimedia-Show ist der neue Super-Airbus A380 enthüllt worden. Getauft wurde er von den Staats- und Regierungschefs Frankreichs, Deutschlands, Spaniens und Englands - nur einen Namen bekam der Flieger doch nicht.

Zuerst erhob sich libellengleich eine einfache Flugmaschine in die Luft. Traumwandlerisch erzählte ein spitzbärtiger Weiser in der großen, dunklen Halle "Jean Luc Lagardere" auf dem Airbus-Gelände in Toulouse die Geschichte des Fliegens von Dädalus und Ikarus bis zur Concorde. Licht- und Wasserspiele begleiteten internationale Künstler, die alle nur ein Thema hatten: den ewigen Wunsch des Menschen, fliegen zu können. Draußen heulte der Sturm sein Lied dazu.

Der Traum hatte eine neue Dimension bekommen. Dazu passte die Multimediashow von olympischen Ausmaßen. Unter den Augen der Staats- und Regierungschefs der Airbus-Nationen Frankreich, Deutschland, Großbritannien und Spanien sowie 5.000 geladener Gäste wurde das größte und technologisch fortschrittlichste Passagierflugzeug der Welt, der A380, feierlich enthüllt.

Das "gute, alte Europa"

Es war gleichzeitig ein Triumph des "guten, alten Europas" mit seiner kulturellen Tradition, das noch Raum für Kreativität und Teilhabe lasse, wie Bundeskanzler Gerhard Schröder anspielungsreich formulierte. Er zeigte sich besonders beeindruckt von den vier großen Figuren, die in der Multimediashow die vier Länder symbolisierten. Auf ihnen waren einige der Größten der jeweiligen Länder aufgedruckt. Goethe, Bach und Einstein beispielsweise.

Alle Beteiligten erweckten den Eindruck, eine sehr erfolgreiche Familiengeschichte fortzuschreiben. Zugleich ergingen sie sich in lange nicht mehr so unbescheiden formulierten Superlativen. Airbus-Chef Noel Forgeard sprach von einem "großen Moment in der Geschichte Europas". Präsident Jacques Chirac war sichtlich stolz, dass das Ereignis in der Grande Nation stattfand. Er meinte, der Tag kröne ein 35-jähriges Abenteuer europäischer Luftfahrtgeschichte. Aber er sagte auch an die Adresse der Airbus-Mitarbeiter aus 85 Nationen, die an dem Projekt beteiligt waren: "Ihr seid alle hier zu Hause."

Auf friedlichem Weg verwirklicht

Der britische Premierminister Tony Blair hielt sich da mit seinem Stolz auf den "britischen Beitrag" nicht zurück und nannte den Riesen-Vogel den "Beweis, dass wir zusammen auf dem globalen Markt siegen können". Spaniens Ministerpräsident Jose Luis Zapatero machte auf einen zu selten gehörten Aspekt des Airbus-"Traums" aufmerksam: "Noch nie ist ein Projekt solchen Ausmaßes auf friedlichem Weg verwirklicht worden." Schon gar nicht in Europa, dachten sich die Gäste dazu, unter ihnen die versammelten Spitzen der kontinentalen Rüstungsindustrie.

Mehr Passagiere, weniger Verbrauch

Der Riesen-Vogel nimmt es mit einem einstigen Prestigeprojekt der Amerikaner nicht nur auf. Er lässt es weit hinter sich. Der A380 kann mit 555 bis 800 Passagieren 35 Prozent mehr befördern als der Boeing-Jumbo 747. Er verbraucht dabei 13 Prozent weniger Kerosin. Die Verantwortlichen sprechen von einem Verbrauch von rund 2,9 Liter pro Passagier auf 100 Kilometer. Globale Umweltpolitik greift hier: Zwar mahnte Chirac, vermutlich aus Wettbewerbsgründen, internationale Emissions-Grenzwerte an. Tatsächlich aber stehen globale Fluggesellschaften hier bereits im Zugzwang, wenn sich nur ein bedeutendes Luftfahrtland entschließt, seine Flughafengebühren nach Schadstoffklassen zu staffeln.

Die Feier bekam nach der feierlichen Taufe des Riesenvogels wirklich familiäre Züge: Schröder, Chirac, Blair und Zapatero mischten sich unter die Gäste. Hier ein Schwätzchen mit Lufthansa-Aufsichtsratschef Jürgen Weber, dort mit dem luftfahrterfahrenen Exrennfahrer Niki Lauda. Dann wieder ein Small-Talk mit EU-Kommissar Günther Verheugen oder ein Foto im Gewühl mit einem zehnjährigen Mädchen, das mit vielen anderen Kindern für die Zukunft des Projektes stand.

Nur einen Namen bekam der große Vogel bei seiner Taufe noch nicht. Ob sie sich nicht hatten einigen können?

Thomas Rietig/AP / AP