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Bertrand Piccard: Zur Sonne, zur Freiheit

Der Schweizer Abenteurer Bertrand Piccard will die Erde allein mit Sonnenkraft umfliegen. Jetzt baut er den ersten Prototyp seines Rekordflugzeugs.

Von Thomas Borchert und Maximilian Geyer

Bertrand Piccards Familie liebt das Abenteuer: Schon sein Großvater flog mit Ballons bis hinauf in die Stratosphäre und entwickelte Tauchboote; sein Vater hält den Tieftauchrekord von 10.910 Metern. Bertrand umrundete 1999 zusammen mit einem Copiloten als Erster die Erde in einem Ballon. Aber bei seinem neuen Projekt hat er ein besonderes Problem: Nachts ist es dunkel. Denn Bertrand Piccard will mit einem Solarflugzeug um die Welt fliegen, das von nichts als Sonnenkraft angetrieben wird. "Solar Impulse" nennt er das Vorhaben. Kein Treibstoff ist an Bord. Und irgendwann unterwegs wird die Sonne untergehen. "Die Batterien sind unser großes Problem", sagt Piccard. Aus Gewichtsgründen kann nur eine begrenzte Menge der Stromspeicher an Bord. Die muss reichen, um das Flugzeug durch die Nacht zu tragen, bis am Morgen die Solarzellen auf den Flügeln wieder Strom liefern.

Dass so etwas überhaupt machbar ist, soll das erste Flugzeug des Projekts beweisen. Die Konstruktion ist in vollem Gang, im Herbst 2008 soll HB-SIA, so das Kennzeichen, 36 Stunden ununterbrochen in der Luft bleiben - also inklusive einer vollen Nacht. Erst danach wird das Weltumrundungsflugzeug gebaut: noch größer, mit über 80 Meter Spannweite und einer Druckkabine für den Piloten, damit es bis zu 13 Kilometer hoch fliegen kann. 2011 soll es die Welt umrunden – mit Zwischenstopps, weil der Pilot es kaum länger als fünf Tage in der engen Kabine aushalten wird. Mit seinem Kompagnon André Borschberg will sich Piccard abwechseln. Denn die Reise wird Wochen dauern. Mit unglaublichen 45 Kilometern pro Stunde wird der Prototyp HB-SIA durch die Luft schleichen. Das geht, weil die Tragflächen 61 Meter Spannweite haben. Dadurch segelt der 1.500-Kilogramm-Flieger gut und verbraucht weniger Energie. Ebenso wichtig: Oben auf den Flügeln ist viel Platz für Solarzellen. Vier Elektromotoren mit je nur zehn PS treiben Propeller von 3,5 Meter Länge an. Alles ist auf Sparsamkeit und Effizienz ausgelegt, Tempo spielt keine Rolle. Was das Wetter mit so einem großen, aber leichten Fluggerät anstellt, ist allerdings unklar.

Ein einziger Mensch in einem Flugzeug mit der Spannweite eines Airbus 340 - vom solargetriebenen Passagierflug in den Sommerurlaub ist "Solar Impulse" weit entfernt. Was also soll das alles? Piccard scheut sich nicht vor großen Vergleichen: "Die Mondlandung hat die Menschheit streng genommen auch nicht weitergebracht. Aber die Forschung dazu hat jede Menge Ideen hervorgebracht, von denen wir bis heute profitieren." Tatsächlich konzentrieren sich bei "Solar Impulse" viele Probleme, die alternative Energien haben: etwa dauerhafte Verfügbarkeit und maximale Effizienz. So hat das Projekt genug gesellschaftliche Bedeutung, um Sponsoren anzuziehen: Die Deutsche Bank sieht "Solar Impulse" als Teil ihres Umweltengagements und beteiligt sich als Hauptpartner mit knapp neun Millionen Euro. Das Geld geht in Hightech, die dafür sorgen soll, dass nachts, wenn es dunkel wird, Bertrand Piccard sicher sein kann, dass der Strom reicht. Fürs Abenteuer bleiben ihm dann immer noch das Wetter, die übrigen Systeme des Flugzeugs und all die anderen Unwägbarkeiten eines Solarflugs rund um die Welt.

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