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Flaggschiff "Admiral Kuznetsov": Blamage für Putin – russischer Flugzeugträger verliert eine MiG 29

Das war kein Paukenschlag: Gerade vor Syrien angekommen, aber noch vor dem ersten echten Kampfeinsatz hat der einzige Flugzeugträger Russlands, die Admiral Kuznetsov, schon einen Kampfjet verloren.

Das Flugdeck des einzigen russischen Trägers

Das Flugdeck des einzigen russischen Trägers

Seit Wochen beschäftigt die russische Task Force mit dem Flaggschiff "Admiral Kuznetsov" die westlichen Medien, die mit einer Mischung von Furcht und Spott auf die Kampfgruppe blicken. Tatsächlich versammeln die russischen Schiffe eine beeindruckende Feuerkraft. Das Flaggschiff, die Admiral Kuznetsov, gilt allerdings auch als Unglücks- oder Pannenschiff. Bisher waren jedoch alle Pannenanzeichen, über die vor allem die britische Presse herzog, PR-Enten. Der schwere Qualm, den der Träger ausstößt, deutet wohl nicht auf einen Maschinenschaden hin, sondern auf die Art von Schweröl, die die Russen verbrennen. Eine vermeintliche Havarie, bei der die Kuznetsov angeblich mit dem Heck voran abgeschleppt wurde, stellte sich als Auftank-Stopp heraus.

Prompte Bestätigung

Der Verlust des Kampfjets vom Modell MiG-29KUBR Fulcrum-D wurde allerdings sofort vom russischen Ministerium bestätigt. "Ein Zwischenfall mit einer trägergestützten MiG-29K ereignete sich während eines Trainingfluges beim Anflug wenige Kilometer von der Admiral Kuznetsov entfernt. Ursache ist ein technischer Fehler", lautet die offizielle Erklärung. Der Pilot habe sich mit dem Schleudersitz retten können. "Ein Rettungstrupp brachte ihn an Bord der Admiral Kuznetsov. Der Pilot ist unverletzt und wird seinen Dienst fortsetzen."


Schwierige Starts von der Rampe

Sollte sich der Unfall so abgespielt haben, hat er nichts mit den erwarteten Problemen der Kuznetsov zu tun. Tatsächlich handelt es sich bei dem Schiff nicht um einen Flugzeugträger, wie die USA ihn bauen, sondern um einen gewaltigen Schlachtkreuzer mit einem Flugdeck. Anders als die USA verzichten die Russen bei ihrem ersten und einzigen Träger auf einen Katapult-Start. Die Flugzeuge starten mit Hilfe einer Schanze. Diese Starts sind für die Piloten allerdings schwieriger zu meistern – insbesondere wenn die Maschinen mit Kampfgewicht abheben. Da die MiG beim Landeanflug weit vor dem Träger abstürzte, kann der Start hier nicht das Problem gewesen sein.
Mikhail Barabanov, Chefredakteur des Moscow Defense Brief, sagte der Fachzeitschrift Nationalinterest. "Das Hauptproblem mit der MiG-29KR ist der Mangel an ausgebildeten Piloten für diesen Typ und nicht irgendwelche technischen Problemen."

Blamage ohne praktische Bedeutung

Mit dem Absturz hat die Kuznetsov einen von nur vier MiG 29 Multirole-Fightern verloren. Psychologisch ist das ein Problem. Es wurde von pro-russischen Militär-Blogs allgemein erwartet, dass die maritime Kampfgruppe mit einem gewaltigen Schlag eine Offensive der Assad-Truppen einleiten würde. Statt des Paukenschlags fiel nun ein Jet ins Wasser. Ein wenig glorreicher Auftakt.


Tatsächlich sind weder die MiGs noch die zehn Su-33s an Bord der Kuznetsov Flugzeuge, die zum Angriff an Bodenziele optimiert worden sind. Der Absturz führte allerdings nicht zu einem Abbruch des Einsatzes. Am 15.11 begannen die Su-33 des Trägers damit Ziele in Syrien anzugreifen, so Verteidigungsminister Shoigu. Gleichzeitig hat die Fregatte Admiral Grigorovic Cruise Missiles abgefeuert.

Letztlich hat der Absturz also keine Auswirkungen. Ohne die PR-Wirkung hätte ihn kaum jemand bemerkt. So wie auch der Absturz zweier F/A-18 Hornets der US-Marine in der Nähe von San Diego in der vergangenen Woche kaum aufgegriffen wurde.


Gernot Kramper