HOME

Eskalation im Nahen Osten: Putin schickt seinen einzigen Flugzeugträger nach Syrien

Russlands einziger Flugzeugträger hat sich in Begleitung eines schweren Schlachtkreuzers auf den Weg nach Syrien gemacht. Damit stärkt Russland seine Luftmacht in der Region beträchtlich.

Der Flugzeugträger lag noch vor wenigen Tagen im Dock.

Der Flugzeugträger lag noch vor wenigen Tagen im Dock.

Vor zwei Tagen ist die Admiral Kuznetsov in See gestochen und hat den Heimathafen Severomorsk am Nordmeer verlassen. Das Flaggschiff der Flotte ist zugleich der einzige Flugzeugträger Russlands. Konzipiert wurde der Träger noch zu Sowjetzeiten. Er unterscheidet sich durch sein hochgebogenes Start- und Landedeck schon äußerlich von seinen amerikanischen Gegenstücken. Vor allem ist die Admiral Kuznetsov wesentlich kleiner als die US-Träger der Nimitz-Klasse. Über das Konzept dieser Mischung aus Lenkwaffenkreuzer und Flugzeugträger wurde seit seinem Bau stets spekuliert. An Bord befinden sich jetzt Su-33 und Mig-29K/KU Jets und Ka-52K Kampfhubschrauber. Russland hat keine Erfahrungen im Einsatz des kürzlich modernisierten Trägers. Vor der Total-Renovierung fiel die Kuznetsov vor allem durch Pannen auf.

Russische Präsenz im Mittelmeer

Sollten die Probleme des Schiffes behoben sein, ist das Schiff ein geeignetes Instrument für die Politik des Kreml. Seit Jahren kreuzen stets mehrere russische Schiffe vor der Küste Syriens. Gelegentlich haben sie mit Lenkwaffen in die Kämpfe am Boden eingegriffen. Diese Einsätze dienten vor allem dazu, die militärischen Möglichkeiten der russischen Marine zu demonstrieren. 

Drei Flugzeuge können gleichzeitig starten.

Drei Flugzeuge können gleichzeitig starten.

Die eigentliche Bedeutung der Flotte ist aber eine andere: Mit den Schiffen vor Syrien neutralisiert Russland die überwältigenden Seestreitkräfte der USA. Ihre Präsenz macht jeden Gedanken an eine Seeblockade des Landes illusorisch. Die versammelten Luftabwehrkapazitäten würden auch einen westlichen Luftschlag auf Syrien schwer, wenn nicht sogar unmöglich machen. Überdies fungiert die Flotte als Frühwarnsystem. In vergleichbaren Auseinandersetzungen haben die USA vor Luftangriffen zunächst mit einem Schwarm von Marschflugkörpern den Feind überrascht und so seine Luftverteidigung ausgeschaltet. Eine Überraschung in Gegenwart der russischen Schiffe kann nicht gelingen. Schon der Start der ersten Missile würde von den Russen bemerkt werden.

Auch wenn die russischen Schiffe der versammelten US-Macht nicht lange standhalten könnten, wäre eine direkte Konfrontation extrem risikoreich - und unwahrscheinlich. Denn Moskau hat nuklear bewaffnete Schlachtkreuzer vor Syrien stationiert. Zu dieser Flotte stößt nun die  Admiral Kuznetsov mit ihren Begleitschiffen. Der Träger wird vom Schlachtkreuzer Pyotr Veliky, einem Zerstörer und großen U-Boot Jägern begleitet. Insgesamt besteht er aus acht Schiffen. Es wird angenommen, dass der Flugzeugträger außerdem von U-Booten begleitet wird. Auch wenn die Kuznetsov nur ein kleiner Träger ist, verstärken die Flugzeuge an Bord die russischen Luftstreitkräfte in der Region gewaltig. Der Verband des Flaggschiffes trifft im Rahmen einer normalen Ablösung ein. Doch mit ihm wird die russische Mittelmeerflotte so stark wie nie zuvor. 

Route durch den Ärmelkanal

Für besondere Aufregung in den NATO-Staaten sorgt die Route des Verbandes. Es wird angenommen, dass die Schiffe den Ärmelkanal durchqueren werden. Ein britischer Marineoffizier sagte dem "Telegraph": "Sie werden uns nicht überraschen, wir arbeiten daran. Vermutlich gehen sie ein die Nordsee, dann durch die Straße von Dover und den Englischen Kanal." Vermutlich werde die Admiral Kuznetsov in der Nordsee noch einen Manöverstopp einlegen. Für die britische Marine scheint es eine Frage der Ehre zu sein, den russischen Verband einzuholen und ihn mit eigenen Schiffen durch den Kanal zu begleiten. In den Zeiten der Satellitenüberwachung dürfte es allerdings kein großes Problem sein, die russischen Schiffe einzuholen. Das Problem der Briten liegt aber vermutlich woanders: Angesichts der Feuerkraft der Russen ist es nicht so leicht, eine eindrucksvolle Eskorte  zusammenzustellen. Denn es soll wohl nicht der Eindruck enstehen, dass der russische Bär von einem britischen Schäfchen bewacht wird.