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Windenergie Diese Wind-Pyramide reitet auf den Wellen und kann Strom im tiefen Meer erzeugen

Die große Frage ist: Bleibt diese Pyramide auch bei schwerer See aufrecht stehen?
Die große Frage ist: Bleibt diese Pyramide auch bei schwerer See aufrecht stehen?
© pr
Ohne feste Verankerung ließe sich Windenergie sehr viel billiger auf dem Meer erzeugen. Schwimmende Plattformen kann man im tiefen Wasser einsetzen. Eine französische Firma baut nun einen Prototypen mit 5 Megawatt Leistung.

Windenergie auf dem Meer, das Konzept löst viele Probleme – vor allem die Akzeptanz. Auf dem Wasser gibt es keine störrischen Nachbarn, die sich von den Industrie-Großbauten gestört fühlen. Die meisten Rotoren auf See ähneln im Aufbau den Turbinen an Land: Auf einem einzelnen hohen Mast wird der Rotor montiert und am Meeresboden wird der Mast in einem Fundament verankert.

Mit diesem Konzept will das französische Unternehmen Eolink komplett brechen. Dessen Windturbinen bauen auf einem Gerüst in Form einer Pyramide auf und schwimmen auf den Wellen. Sie werden nicht am Boden montiert.

Weniger Konstruktionsaufwand 

Im Vergleich zum Land ist der Mast der konventionellen Anlagen auf dem Wasser länger und aufwendiger. Die Strecke unter der Oberfläche kommt hinzu und sie muss so ausgelegt sein, dass sie der Gewalt des Wassers standhält. Das geht nur in flachen Zonen auf dem Meer, in tiefer See sind solche Konstruktionen nicht möglich. Die schwimmende Turbine soll das Dilemma lösen. Weil sie keine Unterwasserstruktur und kein Fundament benötigt, braucht man 30 Prozent weniger Material, um sie zu produzieren. Hinzu kommt, dass die Meeresregionen, in denen man den meisten Wind ernten kann, zu tief für eine Bodenverankerung sind.

Bau einer Anlage mit 5 Megawatt 

An solchen schwimmenden Modellen arbeiten mehrere Firmen. Eolink baut aber bereits einen großen Demonstrator mit 5 Megawatt Leistung. Die Plattform wird mit einem Kabel am Boden verankert und dreht sich dadurch automatisch optimal in den Wind. Der Rotor selbst kann daher starr auf dem Tragegestell montiert werden. Vier Grundträger bilden die Form einer Pyramide, auf dem Kopf sitzt der Rotor, am unteren Ende der Streben befinden sich Ballasttanks, die die Insel ausbalancieren.

Bessere Statik

Wegen des Pyramiden-Designs werden die schrägen Stützmasten deutlich weniger belastet als bei einer senkrechten Konstruktion. Dazu gibt es eine Besonderheit: Der Rotor bewegt sich nicht wie bei einer alten Windmühle außerhalb der Konstruktion, sondern dreht sich im Innenraum an der Spitze der Pyramide. Je zwei Streben bilden eine v-förmige Aufhängung, zwischen beiden hängt der Rotor. Das bringt folgenden Vorteil: Die Streben bewegen sich vom Rotor weg. Bei starkem Wind kann er sich viel stärker durchbiegen als ein Rotor, der an einem senkrechten Mast befestigt ist. Das spart teures Material und verringert die Massenträgheit des Propellers.

Eolink gibt an, dass die Beladung der Tanks mit Pumpen dynamisch gesteuert werden kann, um so auch schwierigen Wind- und Strömungsverhältnissen begegnen zu können.

Der Bau und die Wartung solcher mobilen Anlagen sind schon im Prinzip wesentlich einfacher, als bei auf dem Meer montierten Windanlagen. Die ganze Konstruktion kann in einer Werft zusammengesetzt werden und muss dann nur zum Einsatzort geschleppt werden. Auch eine umfangreiche Revision kann wieder in der Werft vorgenommen werden.

Wird die Pyramide dem Meer trotzen? 

Eolink hat 23 Millionen US-Dollar erhalten, um mit der Herstellung eines Prototypen in Originalgröße zu beginnen. Die Pyramide hat eine untere Kantenlänge von 52 Metern und wiegt 1100 Tonnen. Schon 2024 soll sie in Betrieb genommen werden. Laut Eolink können diese Anlagen auf 20 Megawatt hochskaliert werden. Die Herstellungskosten des Stroms sollen 20 bis 25 Prozent geringer sein als bei konventioneller Bauweise. Der Preis drückt den Hauptvorteil des Konzepts nicht aus. Schwimmende Anlagen können dort Strom produzieren, wo man keine verankerten Masten errichten kann. Der Prototyp muss beweisen, dass die schwimmende Pyramide auch schwere See überstehen kann.

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