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Waschprogramme: Experten erklären: Das machen wir beim Wäschewaschen alle falsch

Waschmaschinen spülen jede Menge Mikrofasern ins Meer. Britische Forscher empfehlen, nur 30 Minuten mit 25 Grad zu waschen. Moderne Waschmittel machen die Wäsche auch dann sauber, bestätigt ein Waschmittelhersteller.

Auch kurze Waschprogramme sind sauber und hygienisch.

Auch kurze Waschprogramme sind sauber und hygienisch.

Getty Images

Programme von Waschmaschinen verändern das Waschergebnis je nach Temperatur, Dauer und Bewegung der Trommel. Dabei sollen sie verschiedene Ziele erreichen, die sich häufig widersprechen. Die Maschine sollte möglichst wenig Wasser und Strom verbrauchen, sonst droht eine Runterstufung im Verbrauchsranking. Wegen der Belastung des Abwassers muss die Maschine auch mit dem Waschmittel sparsam umgehen. Dennoch soll die Wäsche makellos sauber werden und nicht zu sehr strapaziert werden.

Als wäre das nicht schon kompliziert genug, ist in den letzten Jahren ein neues Problem in Bewusstsein gedrungen: die Mikrofasern. Denn ein guter Teil der kleinen Partikel stammt aus der Wäsche. Durch die Belastung beim Waschen lösen sich die Teilchen und geraten dann zuerst ins Abwasser und schließlich ins Meer.

Kürzer ist besser

Experten der Universität Leeds und des Waschmittelgiganten Proctor & Gamble haben eine Studie veröffentlicht, die untersucht, wie man nachhaltiger waschen könnte. Der Schlüssel dazu sei ein schonender Waschgang, sagt die Hauptautorin Lucy Cotton von der Universität Leeds. Schnell weggeworfene Fast Fashion belaste die Umwelt immer stärker. Junge Konsumenten werfen Kleidungsstücke weg, wenn sie nicht mehr wie neu aussehen. Und das geschieht sehr schnell. "Wir wissen, dass Verbraucher behaupten, ihre Kleidung würde nach weniger als fünf Waschgängen ihre Passform, Weichheit und Farbe verlieren." Das bedeutete, dass sie diese Kleidungsstücke wegwerfen, lange bevor sie wirklich abgenutzt sind.

Für die Studie wurden sowohl Labortests und echte Waschgänge von wirklichen Haushalten verwendet. Die Forscher wuschen jeweils acht bunte und zwölf dunkle T-Shirts in herkömmlichen, haushaltsüblichen Waschmaschinen mit einem Flüssigwaschmittel. Beigefügt wurden weiße Stoffstücke, um die Farbechtheit zu überprüfen. Die Tests wurden zusätzlich mit authentischen Wäscheladungen aus britischen Haushalten wiederholt. Die Wäscheproben wurden dann jeweils 16-mal gewaschen. Die eine Probe mit nur 30 Minuten bei 25 Grad, die zweite wurde 85 Minuten bei 40 Grad gewaschen. Geschleudert wurde immer mit 1600 Umdrehungen.

Haltbarer und weniger belastend

In der anschließenden Analyse stellte sich heraus, dass der kurze und kühlere Waschgang weitaus schonender mit der Wäsche umging. Die Farbstoffübertragung wurde um 74 Prozent verringert. Das bedeutet, dass Verfärbungen anderer Wäschestücke zurückgehen und die Eigenfarbe wesentlich länger im vollen Glanz erhalten bleibt. Außerdem wurden bis zu 52 Prozent weniger schädliche Mikrofasern in das Abwasser der Waschmaschine abgegeben. "Unsere Erkenntnisse können helfen, das Problem der 'unsichtbaren' Kunststoffe in der Umwelt anzugehen", so der Mitautor Richard Blackburn von der der Universität Leeds. "Die Verbraucher können die Anzahl der Mikrofasern, die aus ihrer eigenen Kleidung freigesetzt werden, aktiv reduzieren, indem sie sie einfach in schnelleren und kühleren Waschgängen waschen."

Neil Lant von Procter&Gamble zerstreut Befürchtungen, die Wäsche würde bei 25 Grad nicht sauber werden. Er sagt, Fortschritte in der Waschmitteltechnologie, insbesondere bei Inhaltsstoffen wie Enzymen, würden heute beste Reinigungsergebnisse auch in kälteren und schnelleren Waschgängen erzielen.

Quelle: Dyes and Pigments

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