FERNSEHER & PROJEKTOREN Die Größe macht die Gefühle


Breite Fernseher, Plasmaschirme und Projektoren sorgen auch im Wohnzimmer für Kinokribbeln. Alles eine Frage des Preises.

Größe ist eben doch wichtig. Gegen die metergroßen Leinwände im Cinemaxx kommt ein herkömmlicher Fernseher mit 70 Zentimeter Bildschirmdiagonale nicht an. Ein bisschen mehr wäre auch im heimischen Wohnzimmer schön - aber wie viel Breitwand ist bezahlbar?

Brillant und scharf: die Bildröhre

Drei Wege führen zum Fernseh- und Filmgenuss im XXL-Format: Großbild-TV-Geräte, Plasma-Flachbildschirme und Videoprojektoren. Großbild-Röhren-Fernseher mit einer Bildschirmdiagonale von bis zu einem Meter kosten zwischen 3.000 und 5.000 Euro. Ihre Vorteile: Sie sind vollwertige Fernsehgeräte, also mit allem Komfort ausgestattet, den auch kleinere Apparate mitbringen. Was Brillanz und Konturenschärfe angeht, ist die gläserne Bildröhre nach wie vor unübertroffen. Zudem zeigt sie auch bei Tageslicht ein klares Bild. Das ist wichtig, wenn sich der Raum nicht richtig abdunkeln lässt.

Die Nachteile: Fernsehgeräte mit derart großen Bildröhren sind sehr schwer (um die 70 Kilo) und sperrig - die Gehäuse sind bis zu 60 Zentimeter tief. Außerdem will wirkliches Kinogefühl auch mit den sperrigsten Großbild-Glotzen noch nicht aufkommen.

Extrem flach, extrem teuer: Plasmabildschirme

Eine Alternative sind die so genannten Plasma-Flachbildschirme. Sie messen in der Diagonale mindestens 82 Zentimeter und kosten in der kleinsten Größe etwa 4.000 bis 5.000 Euro. Fürs Heimkino sollte man allerdings wenigstens die nächstgrößere Klasse mit 1,06 Meter Diagonale in Erwägung ziehen. Die gibt es ab rund 6.000 Euro. Die Preis-Obergrenze liegt derzeit bei etwa 10.000 Euro.

Kein Rumstehen mehr

Die Flachschirme sind nur rund zehn Zentimeter dick und lassen sich wie ein Bild an die Wand hängen. In Sachen Helligkeit ziehen sie mit Bildröhren gleich, taugen also für den Einsatz bei Tageslicht. Die flachen Schönlinge gibt es als vollwertige Fernseher - mit integriertem Empfänger für Kabel-TV, Videotext und den TV-üblichen Anschlüssen oder als reine Monitore, also nur mit Video- und bestenfalls Computeranschlüssen versehen.

Hersteller wie Thomson oder Panasonic bieten die Empfangstechnik als Zusatzbox zu den Plasmamonitoren an. Heim-Cineasten mögen auf den ersten Blick damit zufrieden sein, erst recht, wenn sie ihre TV-Bilder ohnehin mit dem Satelliten-Receiver empfangen oder das Gerät gar nicht zum Fernsehen benutzen. Doch Vorsicht: Oft steckt in den Empfangsboxen auch Zusatztechnik, um Videobilder optimal an die Flachschirme anzupassen. Schließt man beispielsweise einen DVD-Player direkt an den Bildschirm an, kann das Bild deutlich schlechter sein als beim Umweg über die Empfangsbox.

Kinderkrankheiten noch nicht ausgestanden

Neben diesen Besonderheiten einiger Hersteller haben manche der teuren Plasmaflachschirme immer noch lästige Kinderkrankheiten: In dunklen Bildpartien zeigt sich gelegentlich buntes Schneegestöber (Pixelrauschen), je nach Bildinhalt können die Farben umkippen (Solarisationseffekte). Und gleich, ob mit oder ohne Anschlussbox: Wenn die Elektronik die ankommenden Bilder schlecht an die Bildschirme anpasst, zeigen sich ruckelnde Bewegungen und so genannte Treppenstufen (etwa als ausgefranste Silhouette einer Person).

Brauchen's dunkel: Videoprojektoren

Den günstigsten Weg zu großen Bildern weist ein Videoprojektor. Es gibt sie ab 2.200 Euro, Top-Modelle können 10.000 Euro und mehr kosten. Sie zaubern Bilder von etwa 2,50 Meter bis zu über fünf Meter Diagonale. Ohne Verdunkelung lassen sich die Bildwerfer aber kaum nutzen, und auch die Raufasertapete sollte man nur zur Not als Leinwand benutzen.

Drei Bauarten

Drei Bauarten sind bei Projektoren zu unterscheiden: Röhren, Mikrospiegel und Flüssigkristall. Röhrenprojektoren (ab etwa 4.000 Euro) sind groß und schwer und müssen fest installiert werden. Dafür verwöhnen sie mit dem natürlichsten und harmonischsten Bild. Mikrospiegel-Projektoren, auch DLP (Digital Light Processing) genannt und Flüssigkristallmodelle (LCD, Liquid Crystal Display) gibt es ab 2.200 Euro. Sie sind kleiner als mancher Diaprojektor und in Sekunden aufgestellt. Aktuelle, fürs Heimkino optimierte Typen stehen Röhrenprojektoren in puncto Bildqualität kaum noch nach. Ideal für Filmfans sind Projektoren mit Bildwandlern im Breitbildformat 16:9.

Lüfterlärm ist bei LCD- und DLP-Geräten noch allzu oft ein Ärgernis - manche Geräte sind fürs Heimkino schlicht zu laut. Fast alle DLP-Projektoren zeigen zudem - unterschiedlich ausgeprägt - Farbringe und -flackern in hellen Flächen und bewegten Objekten. Jeder Betrachter reagiert anders auf den Effekt - manche stört's gar nicht, andere sind schon nach wenigen Minuten Betrachtungsdauer genervt. Hier schafft nur ein Sichttest im abgedunkelten Vorführraum Klarheit.

Laufende Kosten nicht vergessen

Ebenfalls lohnt sich vor dem Kauf ein Blick auf die durchschnittliche Lebensdauer der Projektionslampe. Bei Preisen von 300 bis 500 Euro für eine Leistung von 1.000 bis 5.000 Stunden kostet das Heimkino immerhin bis zu 30 Cent Eintritt pro Stunde. Popcorn und Cola gehen natürlich extra.

Karl-Gerhard Haas


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