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Google Doodle zum 100. Geburtstag: Computerpionier Konrad Zuse war zu faul zum Rechnen

Die einen tippen auf Bill Gates, andere zucken mit den Achseln: Wer den Computer erfunden hat, wissen selbst manch technikbegeisterte Menschen hierzulande nicht auf Anhieb zu sagen. Dabei war es ein Berliner, der das Zeitalter der Rechentechnik einläutete. Zu seinem 100. Geburtstag ehrt Google Computerpionier Konrad Zuse mit einem Doodle.

Die einen tippen auf Bill Gates, andere zucken mit den Achseln: Wer den Computer erfunden hat, wissen selbst manch technikbegeisterte Menschen hierzulande nicht auf Anhieb zu sagen. Dabei war es ein Berliner, der das Zeitalter der Rechentechnik einläutete. Am (morgigen) Dienstag wäre Computerpionier Konrad Zuse 100 Jahre alte geworden.

Im Kindesalter spielte er mit dem Stabilbaukasten und zeigte frühzeitig auch Talent zum Gestalten und Zeichnen. Nach seinem Abitur in Hoyerswerda und einem Bauingenieur-Studium in Berlin machte der Sohn eines Postbeamten sich dann mit Mitte 20 daran, im elterlichen Wohnzimmer in Berlin-Kreuzberg seine erste vollautomatische Rechenmaschine zu bauen. Der junge Bauingenieur hatte keine Lust mehr auf die eintönigen Berechnungen per Hand. "Ich war zu faul zum Rechnen", gestand er später einmal.

Der rein mechanisch arbeitende Computer "Z1", fertiggestellt 1938 und fast so groß wie das Zimmer selbst, ähnelte von seiner grundlegenden Funktionsweise her bereits heutigen Rechnern. Allerdings war er mit gelochtem Filmstreifen als Programm und einem Speicherwerk aus mehreren tausend zurechtgesägten Blechen viel zu störanfällig. Zuse ließ sich jedoch nicht unterkriegen. 1941 stellte er schließlich den legendären "Z3" vor.

Die Mechanik hatte er durch rund 2.000 Relais ersetzt. Der neue Rechner, ungefähr so groß wie drei Kleiderschränke, gilt heute als der erste funktionsfähige weltweit. Ein nachgebautes Exemplar befindet sich im Deutschen Museum in München. Das Original war bei einem Bombenangriff auf Berlin zerstört worden. Weil er nur noch die Patentanmeldung hatte, war Zuse lange in Beweisnot und suchte sogar Augenzeugen, die seine Maschine hatten arbeiten sehen. Erst in den 1960er Jahren konnte er endlich belegen, dass er mit seiner Erfindung drei Jahre schneller war als der US-Amerikaner Howard Aiken, der 1944 eine funktionsfähige Rechenmaschine vorgeführt hatte.

Von Zuse stammt nicht nur der erste Rechner, sondern auch die erste höhere Programmiersprache "Plankalkül". Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete er 1949 die erste Computerfirma in Deutschland, die Zuse KG im hessischen Neukirchen. Das Unternehmen war zunächst sehr erfolgreich, musste sich dann aber der schnell stärker werdenden Konkurrenz geschlagen geben, unter anderem IBM in den USA. Notgedrungen verkaufte Zuse sein Unternehmen 1967 an Siemens.

Dies habe seinen Vater schwer getroffen, sagte sein Sohn Horst Zuse dem Deutschlandradio. "Das war ein Riesenschock für ihn." Nach seinen Angaben rührte er auch nie einen Personalcomputer an. "Ich denke, er hat seine eigenen Maschinen mehr geliebt als diesen PC." Horst Zuse, der selbst Informatik-Professor ist, beschrieb seinen Vater als in sich gekehrt, kreativ und visionär. Small-Talk habe er hingegen nicht beherrscht.

Computers-Pionier Zuse wurde mit seiner Entwicklung zwar nicht reich, wie sein Sohn Horst dem DAPD sagte. Immerhin heimste er jede Menge Anerkennung und Auszeichnungen ein, darunter das Bundesverdienstkreuz. Zu seinen Ehren erschien vor wenigen Tagen auch eine Sonderbriefmarke. In mehreren Museen wird bundesweit an sein Leben und Werk erinnert. Aus der Krise befreite er sich, in dem er zum Pinsel griff und malte, wie sein Sohn berichtete. Für seinen Vater sei bis zu seinem Tode am 18. Dezember 1995 die Malerei die wichtigste Leidenschaft gewesen.

Lars Rischke, DPA / DPA