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Aufrüstung Kims "Monster": Nordkorea zeigt neue gigantische Interkontinentalrakete

Die neue Rakete erhielt auch eine neue mobile Startanlage  - offenbar aus heimischer Produktion.
Die neue Rakete erhielt auch eine neue mobile Startanlage  - offenbar aus heimischer Produktion.
© AFP
Bei der letzten Parade führte Koreas Diktator Kim Jong-un eine neue Waffe vor. Sie kann jeden Punkt der USA mit mehreren Nuklearsprengköpfen angreifen.

Anlässlich des 75-jährigen Bestehens der regierenden nordkoreanischen Arbeiterpartei veranstaltete das Land eine Militärparade mit großem Auftritt des Diktators. Kim Jong-un weinte sogar. Und natürlich gab es jede Menge Waffen zu sehen – etwa einen zumindest optischen Nachbau von Russlands Kampfpanzer T-14. Alarmiert wurde der Westen von einer neuen Interkontinentalrakete des Diktators. Sie ist größer und stärker als alle bisher gezeigten Raketen Nordkoreas. Und fast noch beunruhigender als die Rakete ist das Transportfahrzeug.

Zur Rakete: Nordkorea besitzt bereits zwei getestete Interkontinentalraketen. Die Hwasong-14 wurde 2017 zweimal getestet und kann mit einer Reichweite von 10.000 km fast ganz Westeuropa und etwa die Hälfte des US-Festlandes mit einem Nuklearsprengkopf erreichen. Die größere Hwasong-15 wurde ebenfalls 2017 gestartet, sie hat eine Reichweite von 13.000 km. Ihr Nuklearsprengkopf könnte jedes Ziel auf dem US-Festland erreichen.

Rakete für mehrere Gefechtsköpfe

Die nun gezeigte Interkontinentalrakete wurde noch nicht gestartet und getestet. Wie Hwasong-14 und -15 handelt es sich um eine zweistufige Rakete, die mit Flüssigtreibstoff angetrieben werden. Sie ist allerdings länger und besitzt einen größeren Durchmesser als die Hwasong-15. Der neue Durchmesser zeigt an, dass es sich nicht lediglich um eine lang gestreckte Version der bisherigen Raketen handelt. Es ist zu befürchten, dass aus der neuen Rakete eine ganze Generation von Waffen entstehen könnte.

Michael Elleman, Direktor des International Institute for Strategic Studies, schätzt den Durchmesser der Rakete auf einen Wert zwischen 2,5 und 2,9 m Meter. Daraus ergibt sich eine Abflugmasse der Rakete von 100-150 Tonnen. Beim Mittelwert von 2,7 Meter Durchmesser kommt er auf eine Masse von 125 Tonnen. Die Triebwerke dürften dann einen Startschub von 160 Tonnen erreichen. Sollten diese Annahmen stimmen, könnte die Waffe ein Gewicht von 2000 -3500 Kilogramm auf jeden Punkt des US-Territoriums bringen, schätzt Elleman. "Diese Rakete ist ein Monster", staunte Melissa Hanham, stellvertretende Direktorin des Open Nuclear Network.

Schon mit Hwasong-15 besaß Nordkorea eine Waffe mit genügend Reichweite, um einen Nuklearsprengkopf auf jedes Ziel in den USA abzuschießen. Wozu also eine größere Rakete? Grundsätzlich könnte die neue Waffe wohl auch jeden Punkt auf dem Planeten erreichen. Wahrscheinlicher ist es aber, dass Nordkorea daran arbeitet, das Wurfgewicht der Raketen zu erhöhen, um mehrere Sprengköpfe transportieren können. Mit einer Rakete könnte Kim dann mehrere Ziele nuklear vernichtet. Es ist aber auch denkbar, dass ein Nuklearsprengkopf von anderen Objekten begleitet wird, die die Raketenabwehr der USA täuschen solle. Das große Wurfgewicht eröffnet weiterhin die Option, einen lenkbaren Wiedereintrittskörper zu verwenden. Mit einer Rakete, die mehrere Sprengköpfe transportieren kann, betritt Nord-Korea den High-End-Klub der Raketentechnik.

Nordkoreas hat das Startrampenproblem gelöst

Fast noch besorgniserregender ist der Transporter der Rakete. Bislang schätzen die USA, dass Nordkorea maximal zwölf Interkontinentalraketen starten kann. Das Land verfügte nur über sechs mobile Abschussrampe der nötigen Größe. Basis für die Starter sind umgebaute und illegal importierte Fahrzeuge aus China. Die USA schätzten, dass jede Rampe im Kriegsfall maximal einmal nachladen könnte, bevor sie außer Gefecht gesetzt wird.

Auf dieser Parade waren erstmals mehr als sechs, nämlich ganze acht Starter zu sehen. Die Lkws wurden stark modifiziert, für die neuen Raketen wurden zwei zusätzliche Reifenpaare eingebaut. Der neue TEL (Transporter Erector Launcher) besitzt elf Achsen, zwei mehr als die TELs der Hwasong-15, die etwa 22 Meter lang sind. Diese Fahrzeuge sind modular aufgebaut, wenn zwei zusätzliche Achsen von etwa 1,8-2,0 Metern Länge eingebaut wurden, ergibt sich eine neue Länge von 25-26 Metern. Unklar ist, ob Korea erneut das Embargo umgehen konnte, oder ob die Startanlagen im Wesentlichen aus eigener Produktion stammen. Minimale Modifikationen etwa an den Felgen deuten etwa darauf hin, dass es sich um nordkoreanische Nachbauten handelt. Das strenge Embargo ist offenbar nicht in der Lage, eine weitere Aufrüstung zu verhindern.

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