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Oled-Bildschirme: Flacher, schärfer, billiger

Die Bildschirme der Zukunft basieren auf organischen Leuchtdioden. Die Hersteller starten schon jetzt den kostspieligen Wettlauf um Marktanteile.

Von Matthias Lambrecht

In Japan ist der XEL-1 mit dem superflachen Elf-Zoll-Bildschirm aus organischen Leuchtdioden bereits seit vergangenem Jahr im Handel, in den USA kann das Fernsehgerät mit der Display-Technik der Zukunft seit einigen Monaten für rund 2500 US-Dollar erworben werden. Wann die ersten so genannten Oled-Geräte auf den europäischen Markt kommen, verriet der japanische Hersteller Sony auch auf der Ifa nicht, wo er das Gerät erstmals in Deutschland zeigte.

Konzernchef Howard Stringer hat sich längst auf die neue Technologie festgelegt, und der Marktstart in Europa ist für 2009 bereits angekündigt. Rund 140 Mio. Euro will Stringer in die Entwicklung der neuen Bildschirmtechnik investieren. Sony soll wieder Innovationsführer werden und nicht noch einmal - wie bei LCD-Fernsehern oder MP3-Playern - der Konkurrenz hinterherlaufen.

Denn Sony setzte mit seinem Vorstoß die großen Rivalen unter Druck. Wer im Wettbewerb nicht zurückfallen will, muss nachziehen - auch wenn sich die Milliardeninvestitionen der Branche in die Entwicklung der LCD- oder Plasmabildschirme noch lange nicht amortisiert haben. "Das ist die Technologie des kommenden Jahrzehnts", sagt Panasonic-Europachef Joachim Reinhart. Der Sony-Rivale will in drei Jahren mit einem 37-Zoll-Gerät auf dem Markt sein. Samsung hat ein 14-Zoll-TV bis zum Jahresende angekündigt

Die Hektik der Hersteller belegt das Potenzial der neuen Technologie, die zunächst bei kleineren Displays für Handys oder tragbare Musik- und Videoabspielgeräte eine Rolle spielen wird. Die auf organischen halbleitenden Polymeren (Oleds) basierenden Bildschirme bieten nicht nur ein kontrastreicheres, schärferes, brillanteres Bild als die herkömmlichen Flachfernseher. Sie lassen sich auch viel dünner herstellen. Der Bildschirm des ersten marktreifen Geräts von Sony ist gerade einmal drei Millimeter dick - ein Zehntel des Durchmessers der bislang flachsten LCD-Fernseher.

Zudem verbrauchen die neuen Displays nur etwa ein Viertel des Stroms eines LCD-Monitors. Der Grund: Die Oleds leuchten selbst, wenn man Spannung an sie anlegt - wie ein Glühwürmchen. Bei ihrer Herstellung werden zwischen zwei dünne Glasscheiben lediglich eine hauchdünne Schicht aus leuchtfähigen und eine zweite Schicht aus leitfähigen Polymeren aufgetragen, die durch über Kreuz verlaufende transparente Anoden und Kathoden zum Leuchten gebracht werden. LCD-Monitore hingegen benötigen eine Hintergrundbeleuchtung und Plasmazellen Elektroden hinter jedem Pixel, weil Flüssigkristalle und Plasma nicht selbst leuchten können.

Kinderkrankheiten

Noch aber kämpfen die Hersteller mit den Kinderkrankheiten der neuen Technik. So ist die Haltbarkeit der Oleds nur begrenzt. Die Stoffe verlieren ihre Leuchtkraft nicht nur schneller als Flüssigkristalle oder Plasmazellen, die Zeiträume sind zudem je nach Farbe unterschiedlich. Daher wurden Farben nach einiger Zeit im Dauerbetrieb falsch dargestellt. Lediglich bei Handys und Digitalkameras, deren Displays nicht lange leuchten, sind diese Probleme bislang beherrschbar.

Sobald die Technologie massenmarktfähig ist, dürften nach Einschätzung von Managern aus der Branche auch die Produktionskosten deutlich niedriger ausfallen. Bislang ist die Produktion der Oled-Geräte aber noch kein profitables Geschäft. Derzeit ist die Produktionstechnik für die Serienherstellung von großen Displays nicht ausgereift, während die zwei bis drei Milliarden Euro teuren Megawerke von den verbliebenen Großproduzenten um Sharp, Panasonic und Samsung mehrere Millionen LCDs und Plasmabildschirme jährlich produzieren.

Unterstützung von der Regierung

Um die enormen Kosten in die neue Technik zu bewältigen, reorganisiert sich die Industrie. In Japan haben sich neben Sony und Sharp etwa im Dezember Hitachi und Canon unter Panasonics Führung zusammengetan, um gemeinsam Oleds zu entwickeln. Allein bei Panasonic arbeiten bereits mehr als 100 Ingenieure daran, die Produktionstechnik reif für die Großproduktion zu machen. Unterstützt werden die japanischen Hersteller mit Millionensubventionen von der japanischen Regierung, die die heimische Industrie im globalen Wettbewerb stärken will. Nach einer Einschätzung der Wirtschaftszeitung "Nikkei" könnte der Preis der Superflachfernseher bereits bis 2016 auf das Niveau heute gängiger Modelle fallen.

Die Marktforscher von Display Search gehen davon aus, dass im kommenden Jahr 200.000 und 2012 bereits rund drei Millionen Oled-TVs verkauft werden - gemessen an den dann voraussichtlich verkauften 180 Millionen LCD-Geräten wäre das aber immer noch eine überschaubare Zahl.

FTD