Polen 25-Millionen-Euro-Schlag gegen Raubkopierer


Jahrelang weigerten sich internationale Künstler im "Raubkopiererparadies" Polen aufzutreten. Jetzt können die dortigen Behörden erste Erfolge bei der Bekämpfung des digitalen Datenklaus vorweisen.

Nach ersten Geldstafen gegen "Musikpiraten" in Deutschland und Frankreich bemühen sich auch andere europäische Länder mit zunehmender Kraft um die Eindämmung der Verbreitung von Raubkopien. Polizei und Zoll haben im vergangenen Jahr in Polen Datenträger mit Musik, Filmen und Computerspielen im Wert von mehr als 100 Millionen Zloty (25 Millionen Euro) sichergestellt. Damit sei ein Durchbruch erreicht, sagte der polnische Kulturminister Waldemar Dabrowski in Warschau.

Zwar gebe es noch immer große Probleme mit dem Schutz der Urheberrechte von CDs und Filmen. Polen gehöre aber nicht mehr zur Spitzengruppe der Staaten, die von internationalen Plattenverlagen als die größten "Übeltäter" in diesem Bereich aufgelistet würden. Dabrowski sah dennoch weiter Handlungsbedarf: "Der Diebstahl künstlerischen Eigentums wird nicht so ernst gesehen wie der Diebstahl einer Brieftasche."

"Piratenware" nervt auch Künstler

In der Vergangenheit hatten Verbände der Musikindustrie Polen wiederholt zum energischen Vorgehen gegen Raubkopien und das illegale Vervielfältigen aufgefordert. Mehrere internationale Künstler traten jahrelang nicht in Polen auf, um gegen die massenhafte Verbreitung ihrer Musik als "Piratenware" zu protestieren.

Der illegale Handel mit billig gebrannter Ware blühte in den letzten Jahren, weil die Kopien teurer Import-CD's von Künstler wie Eminem, Linkin Park oder Britney Spears zu Schleuderpreisen verkauft wurden. Ob am Bahnhofskiosk oder beim fliegenden Händler - die Nachfrage nach illegalen Musik- und Filmdatenträgern bleibt groß, weil findige Kopierer in Polen sogar MP3-Anthologien mit selbstgedruckten Booklets anbieten, die es in keinem Kaufhaus gibt.

ni

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