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RoboCup 2006: Öl, Schweiß und Emotionen

Selbst gegen eine Kindergartenauswahl hätten sie keine Chance. Das Fußballspiel der Roboter wirkt mechanisch, müde und unkoordiniert. Und doch sind es Höchstleitungen, die beim "RoboCup" bestaunt werden können.

Am 14 Juni ist Anpfiff zur großen Roboterfußball-Weltmeisterschaft, dem "RoboCup" in Bremen. Das Interesse ist trotz der "realen" WM riesig: rund 40.000 Zuschauer erwartet der Veranstalter. Das Programm ist entsprechend spektakulär: 440 Wissenschaftler-Teams schicken High-Tech-Wunderwerke beim "RoboCup" aufs Spielfeld. Dann bolzen "Robotinhos" und "Dribbling Dackels" auf dem Grün - der Roboter-Kick ist eine technische Höchstleitung. Ziel des Spiels: die Weiterentwicklung der Technik.

Zu den Favoriten beim Kick der Maschinen zählen nicht nur die roboterbegeisterten Asiaten, sondern auch Deutschland und der Iran. "Die Deutschen haben die WM 2005 in Osaka dominiert und mehrere Titel geholt", sagt der organisatorische Leiter des "RoboCup", Ubbo Visser. Jedes fünfte Team bei der WM kommt aus dem Iran - mehr als aus jedem anderen Land. "Dort ist das allgemeine Fußballfieber voll auf die Roboterbastler übergeschlagen", sagte Visser.

Simulierte Abseitsfalle

Die Roboter treten in elf verschiedenen Wettbewerben gegeneinander an. Neben der Königsklasse der menschenähnlichen Roboter spielen auch beräderte Blechbüchsen, Roboter-Hunde und sogar virtuelle Roboter - also reine Computerprogramme. "Die mechanischen Fähigkeiten der Roboter sind noch sehr begrenzt", räumt Visser ein. "Strategisches Geschick lässt sich daher am besten im Duell der Simulationsprogramme messen - die können sogar eine Abseitsfalle aufstellen."

Live lassen sich die Kämpfe der stählernen Helden im ZDF-Fernsehen miterleben, das die viertägige Veranstaltung mit zahlreichen Sondersendungen begleitet.

In einem halben Jahrhundert sollen die Maschinen ihre Defizite gegenüber den echten Ronaldinhos, Beckhams und Ballacks ausgeglichen haben. "Die Vision ist es, dass 2050 eine Roboter-Elf gegen die besten Fußballspieler der Welt gewinnt", sagt Visser. "Voraussetzung ist aber, dass die Forschungsförderung auf heutigem Niveau bleibt." Allein die Deutsche Forschungsgemeinschaft gibt sieben Millionen Euro im Jahr.

Roboter zur Unfall- oder Stauvermeidung

Bis sich ein Lehmann vor Maschinen-Stürmern fürchten muss, ist noch viel Entwicklungsarbeit zu leisten - die auch Alltagsanwendungen zugute kommt. "In einem Fußballspiel gibt es viele bewegte Objekte und wenig Zeit für Entscheidungen", erklärt der Freiburger Robotik-Experte Wolfram Burgard. Das ist im Straßenverkehr ähnlich. Dort können die für kickende Roboter entwickelten Programme einmal zur Unfall- oder Stauvermeidung eingesetzt werden.

Die auf dem "Rasen" wichtige Fähigkeit eines Roboters, Situationen einzuschätzen und sich klug zu bewegen, ist auch für Rettungsroboter unabdingbar. Die kommen bei Großbränden oder in eingestürzten Häusern zum Einsatz - ein eigener Wettbewerb zeigt in Bremen den Stand der Technik.

Sehen und Sprechen noch Zukunftsmusik

Roboter für den Hausgebrauch profitieren von den für Robotinho & Co entwickelten Seh-Systemen. "Die Identifizierung von Objekten stellt Entwickler bislang noch vor größte Probleme und ist ein wichtiger Grund, warum Roboter sich im Alltag noch nicht durchgesetzt haben", erklärt Burgard. Die Spracherkennung ist ein weiteres ungelöstes Problem.

Der Markt für Roboter ist noch klein, wächst aber schnell. Die Zahl der in Europa eingesetzten Roboter wird sich binnen drei Jahren auf mehr als sieben Millionen verdreifachen, was einem Umsatz von elf Milliarden Dollar entspricht, glauben die Experten des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft. Während der Großteil noch als automatischer Staubsauger, Rasenmäher oder Spielzeugroboter auf den Markt kommen wird, sehen Experten in sozialen Bereichen wie Altenpflege und Kinderbetreuung auf lange Sicht viel Potenzial. In den kommenden Jahren seien einzelne Vorreiterprojekte zu erwarten, sagt Burgard. "Bis Service-Roboter etabliert sind, dauert das noch mindestens zehn bis 20 Jahre."

Arno Schütze/Reuters / Reuters