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Schiffswrack mit 200 Tonnen Silber entdeckt: Der Schatz der "SS Gairsoppa"

Ein deutsches U-Boot versenkte 1941 die "SS Gairsoppa". Mit an Bord waren 200 Tonnen Silber. 70 Jahre später haben Schatzsucher das Wrack entdeckt - gelingt die Bergung, sind sie reich.

Von Gernot Kramper

Die 81 Männer der Dampfschiffes "SS Gairsoppa" sollten im Februar 1941 eine wertvolle Ladung von Indien nach England transportieren. Sieben Millionen Unzen Silber lagerten im Bauch des britischen Schiffes. Der damalige Wert der rund 200 Tonnen schweren Fracht lag bei 600.000 Pfund. Ein deutsches U-Boot beendete die Mission in der irischen See. Eigentlich sollte das Schiff mit einem Konvoi Liverpool anlaufen. Treibstoffknappheit zwang den Kapitän jedoch, kurz vor Erreichen des Ziels aus dem schützenden Geleit auszuscheren. Der Kapitän versuchte, auf eigene Faust die irische Küste bei Galway zu erreichen. Dabei lief die "SS Gairsoppa" dem deutschen U-Boot Kapitän Ernst Mengersen vor das Sehrohr und wurde mit einem einzigen Torpedo von U 101 versenkt. Es gab nur einen Überlebenden: Der zweite Offizier des Frachters trieb 13 Tage in einem Rettungsboot in der See.

Seitdem ruhte der Schatz mit einem heutigen Wert von 170 Millionen Euro unerreichbar in 4700 Meter Tiefe. Bis jetzt: Die US-Schatzsucher von Odyssey Marine Exploration aus Florida haben das etwa 125 Meter lange Wrack gefunden und planen nun die Bergung. Über ein Jahr lang haben die Schatzprofis nach dem Wrack gesucht. Wichtige Anhaltspunkte, um die Suche einzugrenzen, bekamen die Bergungsspezialisten durch Informationen aus dem Logbuch des U-Bootes und durch die Aussagen des einzigen Überlebenden der "Gairsoppa", der 1992 in Cornwall gestorben war.

Roboter erkundet das Wrack

An der Suche nach dem Wrack beteiligten sich zwei Schiffe: Zusätzlich zum eigenen Schiff, der "Odyssey Explorer", hatte die Firma die russische "Yuzhmorgeologiya" gechartet – ein echtes Forschungsschiff vollgestopft mit Labors, Werkstätten und elektronischer Suchgeräten.

Gefunden wurde das Silberschiff dann auch durch ein Spezialsonar der "Yuzhmorgeologiya". Danach erkundete die "Odyssey Explorer" mit dem Tauchroboter "Zeus" viereinhalb Stunden lang das Wrack. Auf den von dem Roboter gemachten Bildern ist von dem Silberschatz zwar bislang nichts zu sehen. Allerdings können Teekisten erkannt werden, die ebenfalls auf der Liste der Fracht der "Gairsoppa" standen. Die eigentliche Bergung des Silbers soll erst im nächsten Frühjahr beginnen.

Leicht wird die Bergung des Schatzes in 4700 Metern Tiefe nicht, aber den sicheren Gewinn vor Augen wird Odyssey Marine Exploration keine Ausgaben scheuen, um auch an das Silber zu kommen. Teile des Teams sollen bereits über Erfahrungen mit militärischen Bergungen in über 6000 Meter Tiefe verfügen.

Trotz der ungeheuren Tiefe ist Greg Stemm, der Chef von Odyssey, optimistisch: "Einige Leute mögen sich über die potenzielle Komplexität einer Bergung aus solcher Tiefe wundern, aber wir haben bereits eine ausführliche Analyse der besten Werkzeuge und Techniken, um diese Operation auszuführen, unternommen und sind sehr zuversichtlich."

Zudem sind die Vorrausetzungen günstig: "Wir hatten das Glück, das Schiff mit dem Kiel auf dem Grund zu finden. Mit den Aufbauten oben ist der Zugriff einfacher", so Stemm. "Das sollte es uns ermöglichen, das Silber einfach durch die Luken zu entladen, fast so, als läge das Schiff am Kai."

Bergungsvertrag mit der Regierung

Um von den gefunden Schatz profitieren zu können, hat das Bergungsunternehmen einen Vertrag mit der britischen Regierung abgeschlossen: 80 Prozent des Fundes soll demnach den Schatzsuchern gehören. Den legalen Gewinn können die Schatzsucher gut gebrauchen. Ein Gericht in den USA hatte erst vor Kurzem entscheiden, dass sie einen anderen Schatz, den sie gehoben hatten, an Spanien übergeben mussten. Dabei handelt es sich Silber- und Goldmünzen aus der spanischen "Nuestra Senora de las Mercedes", die 1804 versenkt wurde. Schätzwert: 370 Millionen Euro.

Für die Schatzsucher soll der jetzige Kriegsfund erst der Beginn einer ganzen Serie sein. "Die neue Technologie eröffnet uns große Möglichkeiten", sagte Greg Stemm. "Wie viele Schiffe sind im Ersten und Zweiten Weltkrieg gesunken? Dort unten liegen noch Millionen von Silberunzen und Tausende Tonnen wertvoller Metalle und Kupfer."

mit DPA