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Wolken-Autobahnen So will Peking das Wetter kontrollieren und den Himmel zähmen

Peking will die Wolken über Tibet umleiten. 
Peking will die Wolken über Tibet umleiten. 
© Getty Images
Regen auf Knopfdruck und Autobahnen für Wolken: Peking will mit neuer Technik die Herausforderungen des Klimawandels meistern. 2025 soll das System fertig sein.

Auch das Wetter muss sich dem Willen der Partei beugen. Das hat Peking schon 2008 bei den Olympischen Spielen demonstriert. Damals wurden Wolken vorsorglich geimpft, sodass sie vor Beginn der Veranstaltung abregneten und während der Eröffnungszeremonie ohne störende Nässe gefeiert werden konnte. Diese Impfung bringt Substanzen in die Wolken, um die herum sich Flüssigkeit ansammelt. In der Wolke bilden sich unzählige Mikrokerne mit hoher Konzentration an Feuchtigkeit, bis es schließlich beginnt zu regnen oder zu schneien.

Nun hat Peking Größeres im Sinn, nämlich eine Art von "Wetter nach Fünf-Jahres-Plan". Die Zone des Systems soll 5,5 Millionen Quadratkilometer abdecken. Das wäre ein Riegel von 1000 Kilometer Breite und 5500 Kilometer Länge. Die Bundesrepublik misst keine 360.000 Quadratkilometer – die Zone ist 15 Mal so groß. Hier soll der Regen kontrolliert einsetzen. Auf einer kleineren Fläche von 580.000 Quadratkilometer soll zudem Hagel verhindert werden.

In den letzten zehn Jahren hat Peking Milliarden in die Wetterveränderung investiert, schon jetzt arbeiten 35.000 Mitarbeiter in dem Programm. Die angekündigte Erweiterung soll bereits 2025 in Betrieb gehen. Ziel des Programms ist es, Naturkatastrophen abzustellen, die mit Regenfällen zusammenhängen, die Landwirtschaft optimal mit Wasser zu versorgen und Ökosysteme im trockenen Norden Chinas zu revitalisieren.

Wolkentransport 

Das neue Programm geht weit über das bloße Anzapfen von Wolken hinaus. Chinesische Wissenschaftler wollen Wolkenströme lenken, das Programm nennt sich die "Zähmung des Himmels". Das kann geschehen, indem über Gebieten, in denen sich Wolken bilden, das Aufsteigen der feuchten Luftmassen manipuliert wird und sie so geschickt in die gewünschten Strömungen gelenkt werden. In etwa so, wie ein Heißluftballon seine Route im begrenzten Maß beeinflussen kann. Chinesische Wissenschaftler haben am Rand der Troposphäre Kanäle gefunden, die jährlich fünf Milliarden Kubikmeter Wasser transportieren könnten. Das wären die neuen Wolken-Autobahnen.

Wo fehlt das Wasser?

Besonders dieser Punkt ist umstritten. Wolken, die so auf den Weg gebracht werden, dass sie Chinas Felder bewässern, folgen nicht mehr ihrem natürlichen Weg. Die Befürchtung besteht, dass diese Wassermengen dem Nachbarn Indien entzogen werden. Am Himmel würden dann die Konflikte entstehen, wie man sie kennt, wenn große Flüsse aufgestaut werden, um in einem Land Wasser zu entnehmen, welches dann im nächsten flussabwärtsgelegenen Land fehlt. Pekings Augen richten sich auf das Tibet-Plateau, Asiens größtes Süßwasserreservat. Chinesische Wissenschaftler arbeiten außerdem an einem Plan, den Wasserdampf vom Jangtse-Becken nach Norden umzuleiten.

Technik gegen den Klimawandel

Von den politischen Komponenten abgesehen, gehört die groß angelegte Wettermodifikation zu den Versuchen, mit technischen Mitteln die Folgen des Klimawandels zu lindern oder in den Griff zu bekommen. So gibt es etwa die Theorie, dass autonome Schiffe künstlich Wolken erzeugen könnten, um die Erwärmung des Planeten zu dämpfen ("Verrückter Plan oder geniale Vision? Können Wolkenschiffe den Klimawandel aufhalten?"). Für große Flächenstaaten wie Russland – über 17 Millionen Quadratkilometer - und China – fast 10 Millionen Quadratkilometer - sind die Möglichkeiten der Technik besonders verlockend.


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