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Eigenheim Solaranlage im Mietmodell – ökologisch ohne Risiko

Gutes Gewissen  ohne Risiko, versprechen Firmen wie Enpal.
Gutes Gewissen ohne Risiko, versprechen Firmen wie Enpal.
© Andreas Weber / Getty Images
Grünere Energie wollen alle – aber die Kosten und das Risiko einer eigenen Solaranlage schrecken viele ab. Für sie gibt es Mietmodelle, die Solaranlagen im "Rundum-Sorglos-Paket anbieten.

Solarenergie wird die Energieform der Zukunft. Die Studie World Energy Outlook der internationalen Energieagentur (IEA) prognostiziert, dass Solarstrom zur günstigsten Energiequelle der Welt wird. Schon sind die Erstellungskosten von Strom aus Solarenergie in vielen Ländern günstiger als Strom aus Kohle- oder Gaskraftwerken. Bei dieser Berechnung werden allerdings die Probleme von Zwischenspeicherung und Ausfallsicherung nicht betrachtet. 

Lange Amortisierungszeiten

Eigentlich spricht alles für Solaranlagen, dennoch gibt es einen Hemmschuh. So eine Anlage kostet zunächst Geld und es dauert, bis die Kosten durch Ersparnisse in der Stromrechnung wieder eingespielt sind. Abschreckend wirkt für viele, dass sich Solaranlagen erst nach 11 bis 13 Jahre amortisieren. Bei einer Betriebsdauer von über 30 Jahren ist das dennoch ein gutes Geschäft. Doch muss man eben 11 bis 13 Jahre lang in Vorleistung gehen. Im Geschäftsleben ist das normal, im privaten Bereich eher ungewöhnlich. Mietmodelle, wie sie Firmen wie Enpal oder DZ-4 anbieten, umgehen das Problem, in dem diese Firmen die Solaranlage installieren und bereitstellen. Der Kunde zahlt die Miete und hat dafür eine geringere Stromrechnung. Außerdem trägt er kein Risiko für die Anlage. Vor Unterschrift wird zudem eine durchschnittliche Stromausbeute der Anlagen garantiert, diese Berechnung basiert auf den konkreten Bedingungen der Installation.

Bei Unternehmen wie Enpal sind Wartung, Reparatur, Versicherung und Service in der Miete enthalten. Geld verdient der "Solar-Mieter" mit dem Modell zunächst nicht, dafür hat er das gute Gewissen, den eigenen grünen Strom zu produzieren. Finanziell interessant wird es nach 20 Jahren, dann kann die Anlage für einen Euro übernommen werden. Dann endet zwar auch das bisherige Rundumsorglos-Paket des Anbieters. Dafür erhält man aber ohne Zuzahlung eine gebrauchte Solaranlage, die noch 15 bis 20 Jahre lang betrieben werden kann. Enpal rechnet mit einer durchschnittlichen Ersparnis einer Familie von 18.000 Euro über 35 Jahre Lebensdauer.

Anlagen werden billiger

Gegenüber anderen regenerativen Energiequellen profitiert die Solarenergie davon, dass sie keine beweglichen und mechanisch beanspruchten Bauteile benötigt. Die Kosten für Unterhalt und Wartung sind daher gering, die Lebensdauer ohne den Austausch wichtiger Teile kann sehr lang sein. Bei modernen Fotovoltaik-Anlagen wird eine Betriebszeit von gut 30 bis 40 Jahren erwartet. Und selbst danach ist die Anlage nicht Schrott, die Energieausbeute sinkt unter 80 Prozent, kann aber weiter betrieben werden.

Hoher Strompreis - sinkende Preise

Richtig ist, dass die Sonnenausbeute in Deutschland geringer ist als in sonnigeren Ländern. Dafür arbeiten die Module bei niedrigeren Temperaturen effizienter als in glühender Hitze. Und auch in Deutschland muss die Modulfläche für einen durchschnittlichen 1-Personen-Haushalt nur acht Quadratmeter betragen. Außerdem muss bei einem Haus nicht unbedingt das Ziel sein, eine komplette Strom-Autarkie zu erreichen, es kann immer noch Energie zugekauft werden.

Zwei Faktoren machen die Investition in eine Solaranlage auch in Deutschland immer attraktiver. Das eine sind die weltweit betrachtet sehr hohen Strompreise ("Solaranlagen – darum lohnen sie sich inzwischen für fast alle Hausbesitzer"). Eine kWh selbst produzierten Solarstroms kostet nur 11 bis 13 Ct/kWh. Netzstrom dagegen ist weitaus teurer – derzeit muss man etwa 29 Ct/kWh kalkulieren. Tendenz: stark steigend. Solarmodule werden zunehmend günstiger, sodass die Kosten für die Anschaffung sinken.

Zwischenspeicher

Grundsätzlich stellt sich bei sinkenden Akkupreisen auch die Frage nach einem eigenen Zwischenspeicher. Ohne Speicher wird man im Schnitt nur 30 Prozent des produzierten Sonnenstroms selbst verbrauchen, der Rest wird ins Netz eingespeist.

Mit Speicher lässt sich die Quote auf über 50 Prozent heben. Dadurch muss man weniger Strom zum hohen Normaltarif aus dem Netz entnehmen. Ein eigener Speicher entkoppelt den Haushalt vom öffentlichen Netz. Allerdings nicht komplett, es ist nicht möglich, den Strom des sonnigen Sommers für die dunklen Wintermonate "aufzubewahren" ("Wann lohnen sich eine Solaranlage und ein Batteriespeicher"), Als Faustformel kann man sagen, der Speicher sollte nicht teurer als 600 Euro (netto) pro Kilowattstunde Speicherkapazität sein - bei einer Lebensdauer von mehr als 12 Jahren.

Fazit

Mietmodelle machen die Entscheidung "Pro Solarstrom" leichter, weil sie Risiko, Versicherung, Wartung und Handwerkerärger vom Kunden fernhalten und weil sie kein Eigenkapital, das womöglich über einen Kredit finanziert werden muss, verlangen. Der Nachteil der "Rundum-Sorglos"-Variante ist, dass sich die Amortisierung auf 20 Jahre verlängert. Wer in Euro denkt und einen maximalen Ertrag anstrebt, sollte eine Solaranlage selbst finanzieren. Wenn aber der Klimawandel und nicht die optimale Rendite im Vordergrund steht, machen Mietmodelle dem Umstieg auf wirklich grünen Strom sehr viel einfacher.

Derzeit hat das 2017 gegründete Berliner Start-up Enpal über 4000 Mietkunden. Gründer Mario Kohle geht davon aus, dass sein Modell von Solarstrom ohne Eigenkapital und Risiko noch viele Hausbesitzer begeistert. Sein Ziel ist es, in den nächsten sieben Jahren fünf Millionen Haushalte mit einer eigenen Solaranlage zu versorgen.

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