Spielwarenmesse Das Spielzeug geht neue Wege


Auf der Spielwarenmesse in Nürnberg präsentieren 2700 Aussteller aus aller Welt ihre Neuheiten und versuchen dabei, ganz neue Trends zu setzen. In einer Branche, die 30 Prozent ihres Umsatzes mit Erwachsenen macht, findet sich da auch einiges, was nicht nur für Kinder interessant ist.

Mögen die täglichen Nachrichten über Rezession und Kurzarbeit auch noch so schlecht sein: Die Spielzeugbranche bleibt von der Wirtschaftskrise bislang weitgehend unbehelligt. «Am Kind wird zuletzt gespart», erklärt der Geschäftsführer des Einkaufsverbunds idee+spiel, Otto Umbach, den vorsichtigen Optimismus der Fachhändler für das Geschäftsjahr 2009. Zumal Eltern eindeutig mehr Wert auf hochwertige Spielwaren und Sicherheit legten, als früher. «Die Megatrends 2009 für den Fachhandel heißen deshalb Qualität, Innovation und Lizenzen», sagte Umbach vor der 60. Internationalen Spielwarenmesse, die vom 5.-10. Februar in Nürnberg stattfindet.

Dort buhlen 2700 Aussteller mit mehr als einer Million Produkte um die Aufmerksamkeit der Besucher. Mit tausenden Neuheiten werben sie um die Gunst der Einkäufer, denn die neuen Produkte machen mehr als die Hälfte des Fachhandelsumsatzes aus. "Von den Neuheiten ist die geschäftliche Zukunft abhängig", unterstreicht Umbach. Ganz wichtig dabei seien nach den Rückrufaktionen der vergangenen Jahre Qualität und Sicherheit der Spielwaren. Die Händler würden aber auch an der Aktualität ihres Sortiments gemessen.

Spielzeug mit technischem Schnnickschnack

Computer- und Videospiele etwa müssten ab dem ersten Verkaufstag in den Regalen liegen, Verzögerungen straften die oft jungen Kunden sofort ab. Umbach ist sich sicher, dass in diesem Bereich der neue Nintendo DSi ein Renner wird. "Er hat zwei Foto- und Videokameras, mit denen man sich selbst in die Spiele einbauen kann, die man direkt aus dem Internet herunterlädt." Auch Brettspiele wie der Cluedo Geheimagent setzen auf Interaktivität: Per SMS bekommen die Spieler Tipps zur Lösung ihres Falls direkt aufs Handy. Selbst vor Puppen für die Kleinen macht dieser Trend nicht halt. So bringt Zapf ein fast säuglingsgroßes Mädchen auf den Markt, das lacht, Küsschen verteilt, von seinen Bauchschmerzen erzählt und die Puppeneltern morgens mit einem Lied aufweckt.

Im Kontrast zur rosa-roten Puppenwelt steht der neue Mystery- Trend. Puzzles mit Figuren in schwarzen Gewändern auf mondbeschienenen Friedhöfen hätten sich die Händler vor wenigen Jahren noch nicht einmal ganz hinten in die Regale gelegt. 2009 hingegen kommen gleich mehrere Bücher und Spiele mit düsteren Motiven auf den Markt. In der Drachenland-Serie von Playmobil können die jüngeren Kinder Abenteuer mit den Märchen-Ungeheuern erleben.

Jeder will sofort spielen

Neue Wege geht auch Lego: Aus den bunten Bausteinchen werden nun Familienspiele. "Zuerst baut man das Spiel, dann spielt man das Spiel, dann baut man es wieder um und am Ende kommt das Spiel wieder in die Schachtel", erklärt Umbach. Überzeugt ist er auch von der 2,4-GHz-Funktechnologie für den Modellsport, bei dem sich die Fernsteuerungen nicht mehr gegenseitig beeinflussen. Den klassischen Modellbau gebe es kaum noch, berichtet der Branchenexperte. "Heute ist "ready to run" angesagt, das heißt auspacken, einschalten und losfliegen." Im vergangenen Jahr hätten sich viele für kleine Zimmerhubschrauber begeistert; mit einem Bundeswehr-Hubschrauber kommt nun ein 64 Zentimeter großes Modell auf den Markt, das auch bei leichtem Wind manövrierfähig bleibe.

Während Kinder 2009 ihren Fuhrpark um eine große Auswahl an Traktoren und anderen landwirtschaftlichen Maschinen erweitern können, freuen sich Erwachsene - mit denen die Branche etwa 30 Prozent ihrer Umsätze macht - über besonders detailreiche Modell- Nachbauten. "Licht, Sound, Warnblinkanlage, Blinker rechts, Blinker links - alles ist möglich", präsentiert Umbach einen Porsche. Wem das nicht genügt, der kann sich eine mit 7668 Swarovski-Kristallen besetzte Sonderedition eines Lamborghini ins Regal stellen. Zu erhalten sind die weltweit nur 550 Exemplare für jeweils 1300 Euro.

DPA DPA

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