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Deutsche Entwicklung Cyborg Unplug: Ein Abwehrmittel gegen "Google-Glass-Ärsche"

Die Datenbrille Google Glass hat nicht nur Fans - für nervige Besitzer wurde eigens der Begriff "Glassholes" kreiert. Ein Berliner hat nun ein Gerät entwickelt, das die Brillenträger blocken soll.

Deutschland ist für Google immer ein schwieriges Pflaster. Deutsche Verleger zerren Google vors Kartellamt, deutsche Hausbesitzer lassen ihre Fassaden verpixeln. Und auch die Datenbrille Google Glass kommt unter Beschuss aus Germany. Noch bevor das Gerät überhaupt in größeren Stückzahlen in hiesige Straßen und Cafés auftaucht, hat ein Berliner bereits ein technisches Gegenmittel entwickelt.

Cyborg Unplug heißt das kleine Datenschutzgerät des Berliner Künstlers Julian Oliver. "Cyborg Unplug ist ein kabelloses Anti-Überwachungssystem für zu Hause und den Arbeitsplatz", schreibt Oliver auf seiner englischsprachigen Seite plugunplug.net. Der Router soll im eigenen Wlan solche Geräte erkennen, die die Privatsphäre gefährden, und diese aus dem Netzwerk schmeißen. Dazu zählten Google Glass, kleine Drohnen und andere Überwachungsgeräte, schreibt Oliver. Das Gerät soll ab Ende September in zwei Varianten erhältlich sein und zwischen 50 und 100 US-Dollar kosten.

Cyborg Unplug erkennt die unerwünschten Geräte anhand ihrer MAC-Adresse und kann sie dann blockieren. Das Prinzip hatte Oliver bereits für sein Programm Glassholes.sh entwickelt, das er vor einigen Wochen vorgestellt hatte. Das Programm hatte in amerikanischen Tech-Kreisen für Aufsehen gesorgt, weil Google Glass in den USA bereits weiter verbreitet ist als bei uns. "Glassholes" werden dort die Datenbrillenträger genannt, die in der Öffentlichkeit mit ihrer Datenbrille sprechen, ihr Gegenüber filmen oder auf andere Weise in der realen Welt unangenehm auffallen.

Dass Google-Glass-Besitzer schnell als Unsympathen dastehen können, hat Google übrigens längst erkannt. Im Februar veröffentlichte der Konzern Benimmregeln für Nutzer, damit diese nicht zum "Glasshole" werden.

Daniel Bakir