VG-Wort Pixel

Gegen Eltern-Diskriminierung im Job "Es hieß, als Schwangere sei ich ein Risiko für das gesamte Unternehmen"

SternTV: Wie Mütter und Väter werden im Job diskriminiert – weil sie Eltern sind
Mütter und Väter werden im Job diskriminiert - weil sie Eltern sind. Wehren können sie sich kaum, denn in den Gesetzen klafft eine Lücke. Die wollen die Zeitschriften BRIGITTE, ELTERN und die Initiative #proparents mit der Kampagne #GleichesRechtfürEltern schließen.

Eine Ärztin, die wegen ihrer Schwangerschaft als "unkollegial" bezeichnet wurde, ein Finanzbuchhalter, dem ein Tag nach Ende der Elternzeit gekündigt wurde – nur zwei von mehr als 300 Fälle, die im Job diskriminierte Mütter und Väter der BRIGITTE erzählt haben. 

Eltern-Diskriminierung ist ein Skandal, aber trauriger Alltag. Um das zu ändern und #GleichesRechtfürEltern zu erreichen, haben BRIGITTE, ELTERN und #proparents eine Petition gestartet, die bereits mehr als 35.000 Menschen unterzeichnet haben. Fälle und Unterschriften werden Ende Juni in Berlin Justiz- und Familienministerin Christine Lambrecht übergeben, die Petition wird zudem offiziell beim Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags eingereicht.

Lesen Sie hier einige weitere Erfahrungen von Eltern im Job:

Ich war Teamleiterin und wollte nach einem Jahr Elternzeit in Vollzeit zurück in die Teamleitung. Angeboten wurden mir lediglich Projektstellen, obwohl Teamleitungen vakant waren. Mein damaliger Vorgesetzter sagte im Gespräch: 'Du hättest doch damit rechnen müssen, dass es schwierig wird.' Vor der Elternzeit hatte ich so etwas wie eine Karriere und bin eine späte Mutter geworden. Zuerst hatte ich den Eindruck, es geht nicht voran, weil ich vermutlich bald Mutter weder und dann ging es rückwärts, weil ich Mutter bin.

Julia, Mutter einer Fünfjährigen

So unterstützen Sie die Kampagne

Unterzeichnen auch Sie die Petition, mit der BRIGITTE, ELTERN und #proparents fordern, dass "Elternschaft" ins Antidiskriminierungsgesetz aufgenommen wird!

Machen Sie mit, unterzeichnen Sie die Petition zur Änderung des AGG auf brigitte.de/petition. Die Petition läuft bis zum 31. Mai 2021. Alle Infos auf brigitte.de/elternrechte und www.proparentsinitiative.de.

Mein Chef hat mir gesagt, entweder meine Tochter geht länger zur Kita oder ich finde eine andere Lösung. Ich habe ihn dann gebeten, mir zu kündigen.

Steffen, Vater einer Vierjährigen

Mir wurde, als ich in der 10. SSW wegen extremer Übelkeit krankgeschrieben war, ein Aufhebungsvertrag nahegelegt. Als Schwangere sei ich ein 'Risiko für das gesamte Unternehmen und ein Grund, warum dann eventuell ein Kollege gehen muss'. Und das von einem Arbeitgeber, der sich selbst als familien- und mütterfreundlich feiert! Mich belastete der Vorfall so sehr, dass es mir tatsächlich zunehmend schlechter ging und mein Arzt mich ins Beschäftigungsverbot schickte. Mit Ende der Elternzeit habe ich dann selbst gekündigt. Ich bin kompetent, habe einen hervorragenden Lebenslauf und gebe alles für meinen Job. Nur weil ich eine Frau bin, die in der Schwangerschaft zeitlich begrenzte Beschwerden hat, muss ich mich nicht herabwürdigen lassen.

Stephi, Mutter von zwei Kindern, ein und drei Jahre

Gleiches Recht für Eltern
Die Petition: Elternschaft muss als Diskriminierungsmerkmal ins AGG!
© Brigitte
Meine Frau und ich arbeiten beide in Vollzeit, wegen Corona ist unsere Kitabetreuung aber derzeit reduziert. Meine Frau arbeitet zuhause, deshalb klappt das. Aber alle zwei Wochen muss sie ins Büro. Also habe ich meinen Chef gefragt, ob ich da mal früher gehen kann. Er so: Wie? Du willst alle zwei Wochen dein Kind aus der Kita abholen? Wieso macht das nicht deine Frau?! Ich: Die arbeitet. Er: Nee, früher Schluss machen geht gar nicht. Das müsst ihr anders organisieren!

Bernd*, Vater eines Dreijährigen

Ich hatte mich mit meinem Chef abgestimmt, dass ich nach einem Jahr Elternzeit wieder in meinem alten Job als Teamleiterin arbeiten würde. Mein Chef stellte befristet eine Schwangerschaftsvertretung. Doch nach dem Jahr durfte ich nicht mehr auf meine alte Stelle zurück. Mein Chef ließ durchblicken, dass er der Meinung sei, mit Kind könne ich den Job schlichtweg nicht mehr machen. Ich sollte nun als einfache Mitarbeiterin in dem Team arbeiten, das ich zuvor geleitet hatte – die klassische Degradierung. Ich ging mit einer Anwältin dagegen vor, wir einigten uns auf einen Vergleich. Da ich unter diesem Chef sowieso nicht mehr hätte arbeiten wollen, war das auch okay. Doch noch heute fühle ich mich unglaublich ungerecht behandelt.

Maren, Mutter einer Eineinhalbjährigen

Als ich nach zwei Jahren in Beschäftigung um eine Gehaltserhöhung bat, wurde mir diese verweigert: Ich hätte zu viele Kindkranktage. Das sei nicht tragbar. Zur Einordnung: meine Tochter war damals im Kindergarten und im Jahr nur circa sechs Tage krank - und diese Tage habe ich mir auch noch mit meinem Mann geteilt.

Marie*, Mutter einer Siebenjährigen

Nachdem ich acht Monate Elternzeit beantragt habe, hat mein Arbeitgeber meinen befristeten Arbeitsvertrag trotz vorher anders lautender Zusage und sogar Aussicht auf Beförderung auslaufen lassen. Ich könne mich ja nach Ende der Elternzeit neu bewerben – natürlich wieder mit neuer Probezeit und neuer Befristung.

Emil*, Vater einer zweijährigen Tochter, Sohn kommt im Juni

Logo ProParents
Fast alle meine Freundinnen, die Mütter sind, haben nach der Elternzeit den Job gewechselt oder sich selbstständig gemacht. Inklusive mir. Ausnahmslos alle wegen der Arbeitgeber. Sie durften nur noch Aushilfsarbeiten machen, bekamen doch keinen unbefristeten Vertrag, die Stelle wurde gekürzt... Natürlich alles durch die Blume oder mit Ankündigung noch schlechterer Perspektiven, wenn man nicht mitmacht.

Fiona, Mutter von drei Kindern, fünf Jahre, drei Jahre und fünf Monate

*Name wurde geändert


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker