HOME

Benzinpreis: Spritschock an der Zapfsäule

Schreck zum Jahreswechsel: Der Mineralölkonzern Total geht davon aus, dass die Benzinpreise in Deutschland zum Jahreswechsel um sieben Cent je Liter seigen werden. Ein Sündenbock ist auch schon gefunden: der Finanzminister.

Von Karin Spitra

Für Autofahrer kommt es gleich zum Jahresanfang dicke: Nach Einschätzung von Michel Mallet, Deutschlandchef des Mineralölkonzerns Total, dürfte der Benzinpreis in Deutschland gleich in der Silvesternacht ordentlich steigen. "Allein die Mehrwertsteuer-Erhöhung wird die Preise an den Zapfsäulen um drei bis vier Cent nach oben treiben," so Mallet in der "Berliner Zeitung". Auch die neuen Bestimmungen für Biosprit macht laut Mallet das Benzin teuer: "Das wird die Literpreise abermals um zwei bis drei Cent erhöhen." Die Bundesregierung hatte beschlossen, dass herkömmlichem Benzin und Diesel Biosprit beigemischt werden soll, der künftig auch noch besteuert wird. Schuld an dem kommenden Preisanstieg ist nach Meinung des Total-Chefs also die Bundesregierung - und Finanzminister Peer Steinbrück.

Unter Umständen könnte der Preisschub sogar noch höher ausfallen: Wenn die Großhandelspreise zum Jahreswechsel weiter anziehen, dann sind ab 1. Januar sogar Preiserhöhungen von acht und mehr Cent möglich. Dabei äußerte Mallet auch Verständnis für den Ärger der Kunden: "Das spüren wir leider auch täglich an unseren Tankstellen.," erklärte er in der "Berliner Zeitung". Total ist mit 1100 Stationen einer der größten Tankstellen-Betreiber in Deutschland und Marktführer im Osten.

"Mineralölkonzerne müssten nicht erhöhen"

Diesem Rechenmodell kann sich Sven Janssen, Pressesprecher des Automobilclub von Deutschland (AvD), nicht anschließen. Er sieht durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer "nur" einen Anstieg von drei Cent bei Diesel und vier Cent bei Benzin. Auch bei der Beimischungspflicht für Biosprit ab Januar und die Steuererhöhung für Biokraftstoffe kommt der AvD nur auf 2-3 Cent mehr. Was Janssen aber besonders ärgert: "Der AvD kritisiert scharf, dass den Mineralölkonzernen jede Argumentation Recht ist, um eine neue Preisrunde einzuläuten." Denn in vielen Branchen wird die Steuererhöhung gar nicht an die Kunden weitergegeben. "Was Aldi und viele Autohändler können, könnten die Mineralölkonzerne auch," so Janssen. Zumindest die Mehrwertsteuererhöhung könnte mit den aktuellen Spritpreisen leicht aufgefangen werden.

Auch dem Argument, die Biodieselbeimischung würde den Preis verteuern, widerspricht Janssen. "Bislang war die Beimischung von Biodiesel steuerfrei. Diesen Gewinn haben die Konzerne selbst eingesteckt, es kam zu keiner Senkung des normalen Dieselpreises." Jetzt würden die Mineralölfirmen die Erhöhung einfach auf die Kunden abwälzen, um ihre Gewinne zu halten.

Mehr Tanktourismus

Mallet erwartet jedenfalls durch die Preiserhöhungen an der Zapfsäule eine weitere Zunahme des Benzintourismus. So sollen in Europa Lkw-Fahrer zum Teil jetzt schon Umwege von hunderten Kilometern in Kauf nehmen, nur um nicht in Hochpreis-Ländern wie Deutschland tanken zu müssen. "Es werden noch mehr deutsche Autofahrer nach Polen, Tschechien, Luxemburg oder Österreich fahren."

Wer nicht in Grenznähe wohnt, kann dennoch etwas tun, um seinen Benzinverbrauch niedrig zu halten. Laut Janssen macht es schon viel Sinn, ein kleines bisschen am Rollwiderstand zu drehen: "Schon 0,2 bar mehr Luftdruck auf die Reifen helfen." Vorausschauend fahren und nicht ständig bremsen, sondern den Wagen ausrollen lassen, früh hochschalten und nach dem Urlaub sofort den Dachgepäckträger abbauen, sind weitere AvD-Tipps zum Spritsparen. "Wer dann noch den Ballast im Auto verringert und nach dem Einkauf sofort die schweren Getränkekisten auslädt, der kann so seinen Benzinverbrauch um 20 Prozent senken," erklärt Janssen.

Sparsamer fahren

Kurzfristig sollten Autofahrer nach AvD-Empfehlung aber jetzt ihren Tank voll machen. Und nach Möglichkeit mit dem nächsten Tankgang abwarten, bis die Rückreisewelle aus dem Weihnachtsurlaub vorbei ist: "Nach der ersten Januarwoche sinken die Tankstellenpreise erfahrungsgemäß wieder etwas."

mit DPA

Wissenscommunity