HOME

Eigenheimzulage: Der Bauspar-Boom hält an

Nach dem Rekordergebnis im vergangenen Jahr nahm die Zahl der bei privaten Bausparkassen abgeschlossenen Neuverträge in den ersten sechs Monaten 2004 um 6,1 Prozent auf fast 1,5 Millionen zu.

2003 betrug das Plus 28,1 Prozent, wie der Branchenverband am Dienstag in Berlin mitteilte. Zugleich stieg damit die Bausparsumme im ersten Halbjahr um 5,9 Prozent auf 32,6 Milliarden Euro.

Diskussion um Eigenheimzulage

Der Boom wurde auch durch die Diskussion um die Abschaffung der Eigenheimzulage ausgelöst. Sie bescherte den Bausparkassen glänzende Geschäfte, die sich zum Teil auch noch 2004 positiv auswirkten. Das Plus bei Neuverträgen im ersten Halbjahr 2004 gab der Verband für Westdeutschland mit 6,5 Prozent an, das für den Osten mit 4,0 Prozent. Auch bei den Einzahlungen der Bausparer wurde der Höchstwert aus dem Vorjahr (+ 14,1 Prozent) in den ersten sechs Monaten 2004 um 1,2 Prozent übertroffen. Er kletterte den Angaben zufolge auf 8,9 Milliarden Euro.

Der Verband rechnet allerdings im weiteren Jahresverlauf mit einer deutlichen Abschwächung des Zuwachses. Angesichts von Massenarbeitslosigkeit, realen Einkommenseinbußen und schwacher Binnenkonjunktur werde es schwer sein, das Rekordergebnis des Vorjahres zu wiederholen, sagte Hauptgeschäftsführer Andreas Zehnder. Der Plan der Bundesregierung, die Eigenheimzulage abzuschaffen, führe zu erheblicher Verunsicherung in der Bevölkerung.

Solider Weg zum Wohneigentum

Dabei betrachteten immer mehr Bürger das Bausparen als einzig verbliebenen soliden Weg zum Wohneigentum, berichtete Zehnder. Sie hätten erkannt, dass diese Form der Wertanlage die kalkulierbarste und tragfähigste Säule der privaten Altersvorsorge sei. Deshalb sei es völlig unverständlich, warum Rot-Grün die staatliche Bauhilfe zur Disposition stelle.

Die Bundesregierung sieht in der Eigenheimzulage eine Subvention, die nicht mehr gebraucht wird, weil sie nur noch jene Bürger erreicht, die sie gar nicht nötig haben. Sie will die jährlich etwa acht Milliarden Euro komplett in das Bildungssystem umleiten. Der unionsbeherrschte Bundesrat muss zustimmen.

Strohfeuereffekt erwartet

Mit der zum wiederholten Mal angezettelten Diskussion werde durch das Vorziehen von Bauanträgen wahrscheinlich auch in diesem Jahr wieder ein Strohfeuereffekt verursacht, dem ein entsprechender Einbruch im Wohnungsneubau folge, sagte Zehnder. Für eine nachhaltige Trendumkehr beim Wohnungsneubau, speziell im Eigenheimbau, fehle es an Planungssicherheit für die Bürger. Selbstgenutztes Wohneigentum als private Altersvorsorge werde damit diskriminiert.

Die privaten Bausparkassen verzeichneten laut Zehnder bei den Finanzierungsleistungen parallel zu den rückläufigen Baugenehmigungen im Eigenheimbau ein leichtes Minus von rund fünf Prozent. Die Auszahlungen lagen im ersten Halbjahr mit 12,5 Milliarden Euro um 3,7 Prozent unter dem - allerdings hohen - Niveau des Vorjahres. 2003 waren 7,9 Prozent mehr als 2002 ausgeschüttet worden. Trotzdem dürften die privaten Institute zusammen mit den Landesbausparkassen mit einem Marktanteil von 30 Prozent ihre Spitzenstellung in der Wohnungsfinanzierung gehalten haben. (AP)

DPA

Wissenscommunity