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Entsorgegesetz: Glotzen wird teurer

Ein neues Gesetz verpflichtet die Elektroindustrie, Altgeräte - zum Beispiel Fernseher und Kühlschränke - zu entsorgen. Für die Kosten jedoch soll der Verbraucher aufkommen. Und das heißt: Die Preise werden steigen.

Von Thomas Krause

Das neue Entsorgegesetz wird Elektrogeräte wie Fernseher, Waschmaschinen und Computer in diesem Jahr nach Herstellerangaben verteuern. "Vor allem bei importierten Billigprodukten ist mit Preisaufschlägen zu rechnen, weil die Hersteller die Entsorgungskosten an den Kunden weitergeben müssen", sagte der Leiter für Umweltschutzpolitik beim Zentralverband Elektrotechnik und Elektronikindustrie (ZVEI), Otmar Frey, in einem dpa-Gespräch. "Das bietet deutschen Herstellern neue Chancen." Qualitativ hochwertige Markenprodukte würden nur wenig teurer, weil bei diesen Geräten die Margen größer seien. Der ZVEI vertritt 1400 Firmen der deutschen Elektroindustrie.

Das neue Gesetz für Elektroschrott verpflichtet die Industrie, die Kosten für Entsorgung und Recycling von Altgeräten zu übernehmen. "Auf die deutschen Hersteller kommen Kosten von 350 bis 500 Millionen Euro jährlich zu. Diese Summen können sie nicht alleine tragen", sagte Frey. Je nach Wettbewerbsdruck könnten die Unternehmen die Preisaufschläge aber nicht eins zu eins an den Kunden weitergeben. Pro Jahr kommen in Deutschland laut ZVEI 1,1 Millionen Tonnen Altgeräte zusammen - vom Fön bis zum Computer-Tomographen. Drei Viertel davon seien Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen, Trockner und Kühlgeräte.

Einzelhandel erwartet keine Umsatzeinbußen

Auch Hubertus Pellengahr, Pressesprecher des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE) rechnet mit Preisaufschlägen für Elektrogeräte. "Der Preisverfall gerade bei Unterhaltungselektronik ist jedoch so stark, dass die Aufschläge kaum ins Gewicht fallen werden. Wir erwarten jedenfalls keine Umsatzeinbußen, weil Verbraucher sich zurückhalten", sagte Pellengahr. "Grundsätzlich begrüßen wir die umweltfreundliche Entsorgungsmöglichkeit von Elektrogeräten", sagt Susanne Herrmann von der Pressestelle des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen (VZBV). "Wir sprechen uns aber dagegen aus, dass die Hersteller die Kosten an die Kunden weitergeben."

Nach Berechnungen des ZVEI kostet die Entsorgung einer Waschmaschine acht Euro, eines Kühlschranks 15 Euro und eines Fernsehers zehn Euro. "Bei einem Endpreis von 200 Euro für einen Kühlschrank ist das ein stattlicher Betrag", sagte Frey. Bei Waschmaschinen schlage der Transport besonders stark zu Buche. Leuchtstofflampen seien wegen ihres Quecksilberanteils sehr aufwändig zu entsorgen - da komme rund 50 Prozent des Produktpreises hinzu.

Verbraucher sind zur Abgabe verpflichtet

"Die neue Entsorgeregelung ist ein deutlicher Fortschritt", sagte Ulrike Kallee, Chemiereferentin bei Greenpeace. "Wir hätten uns aber bei den Chemikalien, die noch in den Geräten enthalten sein dürfen, strengere Regelungen gewünscht." Dass die Verbraucher ab dem 24. März verpflichtet sind, die Geräte abzugeben, sei aber vielen noch nicht klar, sagte Kallee. "Und gerade ältere Leute dürfte der Abtransport etwa eines alten Fernsehers vor Probleme stellen."

Für den Verbraucher sei die Abgabe der Geräte bei Sammelstellen oder Recycling-Höfen kostenfrei, sagte Frey. Der Handel ist dagegen nicht verpflichtet, Elektrogeräte von Kunden zurück zu nehmen, betont Pellengahr. "Wenn Geschäfte das als freiwillige Serviceleistung anbieten möchten, so können auch sie die Geräte kostenlos an Sammelstellen weitergeben", sagte Pellengahr.

Müllgebühren sinken leicht

Der ZVEI rechnet damit, dass die Müllgebühren leicht sinken werden, weil bislang die Kommunen die Geräte einsammelten und auf eigene Kosten entsorgten. "Die Bürger dürften einige Euro pro Jahr weniger Gebühren zahlen", sagte der Verbandsexperte. Um in- und ausländische Hersteller gerecht an der Entsorgung zu beteiligen, wünscht sich der ZVEI mehr Kontrollen. "Die Vermeidung von Trittbrettfahrern ist wichtig." Bislang seien von den rund 15.000 Herstellern und Importeuren auf dem deutschen Markt erst 5000 registriert.

Mit DPA-Material

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