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Gasmarkt: Regulierer öffnen Gasleitungen weiter

Seit Oktober sollten eigentlich die Gaspreise sinken. Doch viel passiert ist nicht - was auch an komplizierten Lieferverträgen liegt. Die hat die Bundesnetzagentur nun vereinfacht, und hofft damit den Wettbewerb anzukurbeln.

Von Elke Schulze

Die Kleinstaaterei am deutschen Gasmarkt soll ein Ende haben. So wollen es Verbraucher und die neuen Gaskonkurrenten, und so will es auch die Bundesnetzagentur. Die für den Wettbewerb zuständige Regulierungsbehörde hat nun das so genannte Einzelbuchungsmodell im Gasmarkt untersagt. Dadurch sei kein freier Zugang zu den Gasnetzen möglich, befanden die Regulierer.

Das Problem: Mit der Öffnung der Gasmarkts Anfang Oktober dieses Jahres mussten die neuen Anbieter ihre Lieferverträge mit jeden einzelnen der 700 verschiedenen deutschen Netzbetreibern aushandeln. Ein paar Verwegene wollten sich diese Tortur antun: Der größte niederländische Gasverkäufer Nuon etwa beliefert seit Juli 5000 Kunden in Hamburg und Berlin sowie im Kreis Heinsberg. Die Stadtwerke Bensheim versorgen auch Haushalte in Darmstadt. Ontras aus Leipzig liefert Gas an die Nachbarstadt Köthen.

Hunderte von Einzelverträgen nötig

Der Markt ist in 19 Marktgebiete aufgeteilt. Ein Anbieter, der beispielsweise Gas an der Nordseeküste ins Netz einspeist, um damit die Stadtwerke Straubing zu versorgen, sollte nur noch zwei Verträge machen müssen - mit dem Leitungsbesitzer am Einspeisepunkt und eben mit dem Stadtwerk vor Ort.

Doch die Inhaber der Leitungen, durch die das Gas auf seinem langen Nord-Süd-Weg strömt, machen einfach nicht mit. "Mit Wettbewerb hat das noch nichts zu tun", schimpfte Robert Mundt vom Berliner Gasanbieter Flexgas. Seine Erfahrung: Er muss mit jedem Betreiber einzeln verhandeln. Flexgas kann zurzeit noch gar nicht liefern.

Dabei wäre mehr Wettbewerb jetzt bitter nötig: Zum 1. Oktober haben bereits 440 Gasversorger ihre Tarife erhöht. Anfang November zogen über 70 Anbieter nach. Unter ihnen: Eon-Ruhrgas, das 60 Prozent des Marktes kontrolliert. Die Erhöhungen bedeuten für Familien durchschnittlich sieben bis acht Euro Mehrkosten im Monat. Dabei sind die Gaspreise seit Anfang 2005 bereits um 30 Prozent gestiegen.

Nuon klagt erfolgreich

Und so könnte es munter weitergehen. Wenn da nicht Nuon wäre. Der Gasmann aus dem Ausland hat sich mit dem deutschen Bundesverband der neuen Energieanbieter (BNE) zusammengetan und bei der Bundesnetzagentur dagegen geklagt, dass der Markt versperrt ist. Dem ist heute stattgegeben worden. Sie fordern einen Standardvertrag für die Durchleitung. Außerdem sollen "bestehende Lieferverhältnisse in das neue System übernommen werden". Nun ist die Entscheidung gefallen: Für mehr Wettbewerb.

Ob jetzt Schwung in den Markt kommt? Davon ist BNE-Mann Andreas Jahn nicht überzeugt: "Wir sind froh, wenn es in einem Jahr so weit ist." Flexgas-Chef Mundt dagegen hofft, dass er ab 2007 Kunden versorgen kann.

Und was sollen die Verbraucher tun? Wechseln, wenn möglich. Schließlich geht es um viel Geld (ein Haushalt verheizt jährlich Gas für bis zu 2000 Euro). Nuon bietet jedem Neukunden in Berlin und Hamburg sogar 50 Euro Prämie. Wechselstress gibt es nicht: Der Kunde nennt dem neuen Anbieter lediglich Jahresverbrauch und Zählernummer, und nach vier bis sechs Wochen kommt die Energie vom neuen Lieferanten.

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