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Gaspreiserhöhung: Kein Ende in Sicht

Der Energiekonzern Eon schließt eine weitere Erhöhung der Gaspreise nicht aus. Mittlerweile prüft das Bundeskartellamt das Einleiten von Missbrauchsverfahren gegen zahlreiche Gasversorger.

Nach dem größten kommunalen Gasversorger Gasag hat auch der Energiekonzern Eon angekündigt, bei sechs seiner sieben regionalen Versorger die Gaspreise zum 1. Januar um rund zehn Prozent anzuheben. Eon-Energie-Vertriebsvorstand Bernhard Reutersberg begründete die Pläne mit erhöhten Bezugskosten. Er rechne mit einer weiteren Protestwelle. Immerhin handle es sich bei dem Anstieg schon um eine "massive Preiserhöhung", räumte er ein. Unterdessen prüft das Bundeskartellamt das Einleiten von Missbrauchsverfahren gegen zahlreiche Gasversorger.

Derzeit werde untersucht, wie stark die Unterschiede bei den Preisen in den einzelnen Bundesländern sind, erläuterte der Präsident des Bundeskartellamtes, Ulf Böge, im Radiosender NDR Info. Diese umfassten zum Teil bis zu 40 Prozent. "Das ist ein Unterschied, der sich in einem wettbewerblichen System so nicht erklären lässt", sagte Böge.

Nächste Erhöhung im April

Das Argument der Versorger, dass die Bezugskosten bei Gas sich entsprechend erhöht hätten, sei nur zum Teil richtig. "Und diese Differenz, die da besteht, ist aus unserer Sicht zum Teil ein Missbrauch", erläuterte Böge. "Das versuchen wir aufzuklären und abzustellen", fügte er hinzu.

Gleichzeitig sprach sich der Behördenchef erneut gegen die Kopplung des Gaspreises an den Ölpreis aus. "Eine solche Kopplung ist nicht erforderlich und ist auch volkswirtschaftlich völlig falsch", sagte er. Die Preiskopplung solle vor allem durch die Abschaffung von Langfristverträgen aufgehoben werden.

Unterdessen hält Eon-Manager Reutersberg in den nächsten Monaten weitere Preissteigerungen für Gaskunden für möglich. Nach der Ölpreisentwicklung müsse auch zum 1. April kommenden Jahres eine Erhöhung kommen, sagte er. "Ob wir diese weitergeben oder in welchem Umfang, wissen wir aber noch nicht", sagte er. Dies hänge von der Ölpreisentwicklung im ersten Quartal ab.

Mehr als die Hälfte des Preises sollen die Bezugskosten ausmachen

"Ein dauerhaftes Sinken der Preise ist derzeit leider nicht in Sicht. Zwar sind die rückläufigen Rohölpreisnotierungen ein Hoffnungsschimmer, doch bleibt abzuwarten, ob dieser Trend auch im neuen Jahr anhält", sagte Reutersberg weiter.

Zudem legte der Energiekonzern seine Preiskalkulation offen. Mehr als die Hälfte des Preises machen laut Reutersberg die Bezugskosten aus. Für den Konzern selber ergebe sich eine Rendite von lediglich rund 1,6 Prozent.

Zu den Regionalversorgern des Konzerns mit Preisanhebungen zum 1. Januar zählen Eon Bayern, Eon Avacon (Niedersachsen und Sachsen-Anhalt), Eon Hanse (Norddeutschland), Eon Edis (Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern), Eon Mitte (Hessen, Westthüringen, Ostwestfalen) und Eon Westfalen-Weser. Eon Thüringer Energie wird die Preise nicht anheben, da sie diese erst zum 1. November erhöht hatte. Am Dienstag hatte die Berliner Gasag mitgeteilt, dass sie zum Jahreswechsel zum zweiten Mal deutlich die Preise anheben will. Es ist die zweite Preiserhöhung innerhalb von drei Monaten.

Ralf Beunink/DDP

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