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Love from Hell: Die 30er: Pleite - wegen ständiger Junggesellinnenabschiede

Eine neue Studie belegt: Zu keinem Zeitpunkt ist unser Sozialleben so teuer wie in unseren 30ern – weil wir ständig die "Meilensteine" von anderen feiern müssen. Und das kostet ...

Meine Freundin Kaja (34) wird dieses Jahr nicht wie geplant einen zweiwöchigen Roadtrip mit Freundinnen durch Kroatien machen können. Keine Zeit! Kein Geld! Seit März hetzt Kaja gefühlt jedes zweite Wochenende von einem Junggesellinnenabschied (zuletzt in Vegas!) zum nächsten, verbringt ihre Samstagnachmittage auf Baby-Partys und allein in diesem Sommer stehen noch vier extravagante "Destination Weddings" an. Desti ... Hä? - mag sich nun (zu Recht) der eine oder andere fragen.

Moment, ich erkläre: "Destination Weddings" sind Hochzeitsfeiern die meist über mehrere Tage an einem schicken Ort im Ausland stattfinden. Instagram-tauglicher "fancy shit" für die Schönen und Reichen. Oder solche, die pompöse Partys komplett auf Pump finanzieren und dann bis zur "Silbernen" damit beschäftigt sind, die Schulden abzustottern (statt ihre Kinder auf die Uni zu schicken).

1600 Euro einfach so verballert

Den unschuldigen Gästen, die für diese extravaganten Feste im Zweifel um die halbe Welt (oder zumindest bis nach Malle) jetten müssen, geht es oft ähnlich: Kaja hat in diesem Jahr schon zwölf Tage Urlaub genommen, um an diversen Feierlichkeiten teilnehmen zu können. Für Anreise, Geschenke, neue Kleidung hat sie bisher insgesamt 1600 Euro verballert. Freunde und Familie sind schließlich das Wichtigste im Leben. Und man will ja keinem auf den Schlips treten. Oder zugeben, dass man pleite ist.

Wer jetzt denkt: "Ist die irre? 1600 Euro? Selbst Schuld!", dem sei geflüstert, dass Kaja damit nur knapp über dem Durchschnitt liegt. Eine neue Studie des Reiseveranstalter Flash Pack hat ergeben, dass Menschen in ihren 30ern ein Viertel ihrer Urlaubstage und ca. 1400 Euro pro Jahr ausgeben, um die "Meilensteine" von anderen zu feiern.

So, und jetzt kommt's

Über ein Drittel der Befragten gab an, an Hochzeiten und Geburtstagen nur teilzunehmen, um die jeweilige Person nicht zu verärgern! Puh. Lediglich einer von zehn Befragten hat einen Urlaubstag für eine Hochzeit bewusst genommen, weil die Anwesenheit wirklich der eigene Wunsch war. Schockierend, wenn ihr mich fragt. Zehn Prozent der Umfrageteilnehmer berichteten sogar, dass aufgrund einer Absage bereits eine Freundschaft zerbrochen sei.

Vielleicht, weil das schon längst überfällig war?! Denn mal ehrlich: Irgendwas stimmt doch mit einer Freundschaft nicht, wenn man so wenig Lust hat, mit dem anderen zu feiern, oder? Ein Beispiel: Vor drei Jahren habe ich an dieser Stelle von einem Junggesellinnenabschied in Barcelona berichtet – pro Kopf haben wir gut zwei Netto-Gehälter "investiert". Und es war jeden Cent wert – weil dieses Wochenende bis heute zu den unvergesslichsten Erfahrungen unseres Lebens zählt. Wir haben nicht nur die Braut, sondern das Leben und unsere Freundschaft gefeiert, als gäbe es kein Morgen.

Fazit: Wenn echte Herzensmenschen zum Feste blasen, reist man ebenfalls mit Pauken und Trompeten an – zur Not bis zum Mond. Sonst, am besten, lieber absagen. Man selbst möchte schließlich auch keine mies gelaunten "Pflichtgäste" auf der eigenen Party antreffen. 

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