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Love from Hell: Sex bis zum Abwinken – die Vorteile eines Gesichtstattoos

Makellos zu sein ist beim Flirten nicht immer ein Vorteil. Manche Leute greifen deshalb zu extremen Maßnahmen, um das andere Geschlecht für sich zu begeistern. Der Preis ist mitunter hoch.

Ein Tattoo wird heute akzeptiert - aber nicht im Gesicht

Ein Tattoo wird heute akzeptiert - aber nicht im Gesicht

Getty Images

Ich habe einen Bekannten mit einem ziemlich krassen Gesichts-Tattoo. Diverse schnörkelige Schriftzüge (u.a. "Death" und "Dämonisch") zieren seine rechte Wange, Stirn, das Kinn, den Hals. Wir nennen ihn Mr. Hyde. Er ist ein wirklich lieber Kerl, Anfang 20. Bevor er sich sein Tattoo stechen ließ, hat er seinen Chef sogar ganz höflich um Erlaubnis gefragt. Mr. Hyde arbeitet als Kanalreiniger. Da spielt es in der Regel keine Rolle, ob den Kunden sein Gesicht passt oder nicht. Privat läuft es für Mr. Hyde mit Tattoo besser als ohne. Früher war mein Bekannter ein blasser, dürrer Hänfling, dem die schönen Frauen keine Beachtung und die coolen Typen keinen Respekt gezollt haben. Schlimmer noch: Die meisten haben ihn nicht mal bemerkt.

Seit er das Tattoo hat, läuft es anders: Wenn Mr. Hyde einen Raum betritt, das habe ich selbst schon einige Male beobachtet, weichen die Menschen unweigerlich einen Schritt zurück. Sie haben automatisch Ehrfurcht vor ihm. Wahrscheinlich denken alle, dass er Mitglied einer kriminellen Vereinigung oder schlichtweg komplett durchgeknallt ist und sofort austickt, wenn ihn einer zu lange oder blöd anguckt.

Sex bis zum Abwinken

Mein Bekannter sagt, dass ihm das sehr gut gefällt und ihm die Vorurteile gegenüber gesichtstätowierten Männern in die Karten spielen. Es würde ihm jetzt unglaublich leichtfallen, heiße Girls ins Bett zu kriegen. Obwohl er sich aus objektiver Sicht hässlicher gemacht - viele würden sicherlich sogar von einer kompletten Verunstaltung reden – hat sich sein Attraktivitätslevel erhöht. "Vor allem die Mädchen aus gutem Hause sind verrückt nach mir", sagt Mr. Hyde. "Die träumen davon, mal von einem richtigen Badboy gef**** zu werden. Ich bediene diese Illusion gerne. Wenn die mich irgendwo sehen, wissen die ja gar nicht, dass ich eigentlich ein ganz Lieber bin." Bloß langfristig wolle keine mit ihm zusammen sein. "Ich bin natürlich der ultimative Alptraum für alle Schwiegereltern. Keine Frau möchte ihren Eltern das antun. Aber ich wusste um diesen Preis und wenigstens habe ich jetzt Sex bis zum Abwinken."

Zu Schaum zerfallen

Seine Geschichte erinnert mich an das Märchen "Die kleine Meerjungfrau". Darin tauscht die fischschwänzige Heldin bei einer Hexe ihre Stimme gegen Menschenbeine ein, um ihren Traummann für sich zu gewinnen. Nun kann sie zwar an Land auf Flirtkurs gehen, aber ihrer großen Liebe leider nicht mehr verklickern, dass sie die Richtige für ihn ist. Am Ende entscheidet er sich für eine andere und die kleine Meerjungfrau zerfällt - so der Deal mit der Hexe - zu Schaum auf dem Meer. Tragisch.

Tja, vielleicht hätte die Gute einfach mal auf einen netten Meermann warten sollen, als sich gleich dem erstbesten Hottie auf zwei Beinen an den Hals zu werfen. Dasselbe gilt auch für Mr. Hyde. Vielleicht hätte er in zehn Jahren, mit Anfang 30, die Frauenwelt noch auf andere Weise auf sich aufmerksam machen können. Nun ist es zu spät.

Allerdings sagt mein Opa immer, dass es für jeden Topf einen Deckel gibt. Und da mein Bekannter unglaublich lieb, klug und witzig ist, wird auch er hoffentlich bald eine Frau finden, die langfristig mit ihm zusammenbleiben möchte. Und zur Not kann sie sich ja auch einfach immer nur links von ihm niederlassen. Und Schwiegermutti ebenso.

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